Die Beobachterin

Erschienen: November 2018

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Forum, 2017, Titel: 'Hon som vakar', Seiten: 239, Originalsprache
  • München: Penguin, 2018, Seiten: 336, Übersetzt: Karen Nike Müller

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Stephanie Manig
Ein Thriller, der anders ist – aber überraschend gut

Buch-Rezension von Stephanie Manig Feb 2019

Wenn ein Buch mit den Attributen „fesselnd“, „düster“ und „abgründig“ beworben wird, dann komme ich daran so gut wie nicht vorbei. Eben diese Eigenschaften schreibt der Penguin Verlag Caroline Erikssons neuem Thriller „Die Beobachterin“ auf dessen Buchdeckel zu – und hält Wort.

Nachdem die schwedische Autorin mit ihrem Erstling „Die Vermissten“ für reichlich Aufsehen gesorgt hat, legt sie mit „Die Beobachterin“ nun ihr zweites Buch vor. Dabei handelt es sich nicht um eine Buchreihe, sondern jeweils um Einzelbände. Im Mittelpunkt des Geschehens in „Die Beobachterin“ steht die Schriftstellerin Elena, die ihrem Leben nach der Trennung von ihrem Mann eine neue Richtung geben muss.

Ihre Tage im eigens gemieteten Häuschen sind lang und so beobachtet sie mit einer eigenartigen Faszination ihre Nachbarn. Zunehmend spürt Elena, dass im Haus gegenüber etwas Seltsames vor sich geht – und das lässt sie nicht mehr los.

Autorin setzt auf die Fantasie des Lesers

Caroline Eriksson hat eine unverwechselbare Erzählstimme. Sehr eindringlich und - wie versprochen - fesselnd berichtet sie von Elena. Am Schreibstil der Autorin gibt es absolut nichts auszusetzen. Sie bringt die Dinge auf den Punkt und benutzt eine sehr bildliche Sprache, ohne sich in Ausschweifungen zu ergehen. Die Geschichte fängt den Leser von der ersten Seite an ein. In angenehm kurzen Kapiteln setzt sich das Puzzle der Handlung aus verschiedenen Sichtweisen heraus Stück für Stück zusammen.

Die Autorin spielt dabei mit vagen Andeutungen und überlässt es lange Zeit der Fantasie des Lesers, welche Ereignisse wohl vor sich gehen mögen – bis zur überraschenden Auflösung am Schluss. Zwischen den Zeilen vermittelt Caroline Eriksson eines: die Dinge sind nicht immer so, wie sie zu sein scheinen. Die Geschichte, die in Schweden spielt, wird von einer düsteren Grundstimmung eingehüllt, was für die Kriminalliteratur aus dem hohen Norden typisch ist.

Keine Ermittler und keine Rechtsmediziner

Fans von brutalen und grausigen Mord- und Folterszenen kommen bei „Die Beobachterin“ nicht auf ihre Kosten. Wer aber einen tiefgründigen und hervorragend erzählten Psychothriller schätzt, wird mit diesem Buch mehr als zufrieden sein. Caroline Erikssons aktueller Thriller ist für sein Genre zwar eher untypisch, aber deshalb nicht weniger spannend! Im Gegenteil: die Autorin sorgt für frischen Wind mit ihrer besonderen Herangehensweise, die sich vom Gros der Spannungsliteratur abhebt.

„Die Beobachterin“ kommt gänzlich ohne Ermittler oder Rechtsmediziner aus und konzentriert sich auf die wenigen Protagonisten. Das Verblüffende dabei: Die Story wird nicht an einer einzigen Stelle langweilig. Auf den 336 Buchseiten treibt Caroline Eriksson die Geschichte in konstantem Tempo voran.

Fazit:

Dass „Die Beobachterin“ sich hervorragend lesen lässt, ohne sich in die Länge zu ziehen, mag zum Großteil auch den Figuren von Caroline Eriksson geschuldet sein, die sehr lebendig wirken. Doch nicht nur damit punktet die Autorin, denn sie nimmt in ihrem Buch zwischenmenschliche Beziehungen genau unter die Lupe und schaut mit scharfem Blick hinter die makellos scheinenden Fassaden. Im Fokus stehen die Themen Ehe, Betrug und Rache. Ein äußerst vielschichtiger Thriller, der anders ist – aber überraschend gut!

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