Der Mann im Leuchtturm

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

  • Kopenhagen: Politiken, 2015, Titel: 'Logbog fra et livsforlis', Seiten: 439, Originalsprache
  • München: Blanvalet, 2018, Seiten: 512, Übersetzt: Günther Frauenlob & Maike Dörries

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Carola Krauße-Reim
Spannung in homöopathischer Dosierung

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Okt 2018

Die Mutter der zwei mächtigsten Politiker Dänemarks verschwindet spurlos aus ihrem Seniorenheim. Zeitgleich verbringt Viggo Larssen sein Leben abgeschieden in einem Leuchtturm am südlichsten Punkt Seelands. Nur eine kürzlich zugezogene Nachbarin besucht ihn manchmal. Bald wird klar, dass Viggos Vergangenheit, die er zurücklassen wollte, ihn eingeholt hat und, dass seine Nachbarin genauso mit dem Verschwinden der alten Dame zu tun hat, wie er selbst.

Unnahbare Figuren bevölkern die Geschichte

Viggo Larssen und seine Freunde aus Kindertagen sind die Hauptpersonen in dieser Geschichte. Um sie rankt sich alles Geschehen. Viggo, Teis, Ove, Verner und Agnes werden zwar charakterisiert, aber dennoch bleibt bei allen eine Distanz, die einen wirklichen Zugang zu den Figuren nicht einfach macht. Dafür sind ihre Wesenszüge zu grob angerissen. Es gibt den ängstlichen Grübler, den geldgierigen Egoisten, den Durchgeknallten, den vorgeschoben liebenswürdigen Karrieristen und die Stille.

Auch von Viggos Nachbarin wissen wir anfänglich nicht viel. Ihre Person wird erst im Laufe der Geschichte deutlicher. Doch die Vielschichtigkeit und Tiefe einer tatsächlichen Charakterisierung fehlt. Aber, das scheint vom Autor auch so gewollt zu sein, denn auch alle anderen Figuren fehlt der Tiefgang und manchmal sogar der Name. Überhaupt scheint die Häufigkeit der tatsächlichen Namensnennung auch die Wichtigkeit als Individuum innerhalb der Geschichte wiederzuspiegeln.

So werden die beiden Ermittler nur ein-oder zweimal namentlich genannt, ansonsten mit „Mord-Chef“ und „Nummer zwei“ betitelt, was sie auf ihre berufliche Funktion reduziert. Ähnlich ist es mit den parallel dazu ebenfalls im Doppelpack erscheinenden Politikern. Zwar sind ihre Namen für die Handlung relevant, aber meistens werden sie als „Ministerpräsident“ und „Justizminister“ bezeichnet, womit ihre Machtpostion untermauert wird. Wobei die zweimalige Betitelung als Staatsoberhaupt für den Ministerpräsidenten hoffentlich ein Übersetzungsfehler ist, denn die Dänen haben dafür immer noch ihre Königin. Mit dieser Unnahbarkeit der Figuren bleibt der Leser aber nicht nur auf Distanz zu ihnen, sondern zur ganzen Geschichte. Es fällt schwer, sich auf das Geschehen einzulassen, von mitfiebern mal ganz zu schweigen.

Rückblicke und verschiedene Erzählperspektiven

Erik Valeur macht es dem Leser nicht leicht. Er benutzt Rückblicke und bedient sich großzügig bei den Erzählperspektiven. Viggos Kindheit wird in Rückblicken vermittelt, seine Gegenwart durch die Erzählung seiner Nachbarin Malin. Sie beschreibt aus der Ich-Perspektive nicht nur, was sie und Viggo erleben, sondern auch in kryptischen Andeutungen, dass sie in dem Geschehen eine wesentliche Rolle spielt, die aber keiner der anderen Beteiligten sieht. Alle anderen Passagen werden von einem allwissenden Erzähler berichtet. Es ist gut, dass alle Kapitel mit Orts- und Zeitangaben versehen sind, ansonsten wäre die Verwirrung komplett.

Viggo hat seine eigenen Probleme

Eigentlich gibt es in dieser Geschichte zwei Probleme: das Verschwinden der „Grand Old Lady“ und die offensichtliche Verbindung zu Viggos Vergangenheit. Aber diese Verknüpfung ist nur für alle anderen wichtig. Viggo selbst bewegt sich in anderen Sphären und beschäftigt sich mit Todes-Omen, immer wiederkehrenden Träumen kurz vor dem Sterben und dem Nachweis dieser Mysterien. Natürlich muss sich der psychisch labile Einzelgänger den Geschehnissen rund um die Verschwundene stellen, da seine Vergangenheit ganz offensichtlich der Auslöser war, aber primär ist er an der Frage interessiert, ob ein Traum den nahen Tod ankündigt.

Spannung kommt sehr selten auf

Obwohl ein Kriminalfall vorliegt und daneben auch noch die leicht gruselig mystische Schiene bedient wird, ist „Der Mann im Leuchtturm“ alles andere als ein pageturner. Wie ein Mantra wiederholt der Autor was aus den Kinderfreunden geworden ist und und warum sie so sind, wie sie sind. Nach der zweiten Erwähnung hätte es glaube ich auch der Begriffsstutzigste verstanden, so aber wird es nur nervig langweilig. Irgendwann denkt man nur, nicht schon wieder und liest darüber hinweg. Dazu kommen die Ermittlungen nur allzu schleppend voran, was auch die diversen Andeutungen aus verschiedenen Richtungen nicht herausreißen.

Valeur packt einfach zu viel in die Geschichte. Eine traurige Vergangenheit mit psychischen Tiefschlägen; machtbesessene Politiker, die schon als Kinder alle tyranisiert haben; die dreckige Politik im Allgemeinen; Rache; Schuld und Sühne; Todesengel und natürlich Viggos Todesomen. Der langatmige, von ständigen Wiederholungen geprägte Schreibstil macht das Ganze auch nicht interessanter. Nur die häppchenweise eingebauten Wendungen machen die aufgeblähte Geschichte punktuell spannend. Zum Schluss werden zwar beide „Probleme“ gelöst, aber, dass bis dorthin eine Spannungsbogen existiert hätte kann man nicht behaupten

Dass der aufmerksame Leser dann auch noch ziemlich schnell dahinter kommt wer der Übeltäter ist, macht die Sache auch nicht besser.

Es ist ein Roman und kein Krimi

„Der Mann im Leuchtturm“ ist nach „Das siebte Kind“ die zweite Veröffentlichung des Dänen Erik Valeur. Der Klappentext lässt auf einen spannungsgeladenen, mystisch angehauchten Krimi hoffen, der „Ihnen den Schlaf rauben“ wird. Jeder, der unter dieser Voraussetzung das Buch liest, wird enttäuscht sein. Von Langatmigkeit, ständigen Wiederholungen und nur spärlichen Spannungsmomenten geprägt, hat „Der Mann im Leuchtturm“ so gar nichts von den typischen skandinavischen Krimis.

Aber, der Verlag hat gut daran getan, das Buch als Roman zu deklarieren. So wird der Leser eigentlich schon in die richtige Richtung verwiesen. Wenn man das Buch als Roman und nicht mit den Erwartungen an einen Krimi liest, sieht es schon etwas anders aus. Jetzt ist die Spannung nur zweitrangig, die für einen Kriminalroman nervtötenden Wiederholungen und intensiven Erklärungen werden jetzt interessanter, da sie einem anderen Zweck dienen. Die Dynamik in einer Kinder- und Jugendclique und die Auswirkungen dieser auf das Erwachsenenleben stehen im Vordergrund. Die Frage nach Schuld, Sühne und Rache spielt eine große Rolle.

Das Verschwinden der Witwe dient diesen Problemen nur als Aufhänger, ebenso, um auf die Situation in der Politik, auf Mauschelei und Korruption und auf die Ausgrenzung Andersdenkender hinzuweisen. Das sind die Themen in dieser Geschichte. Wenn man das Buch unter dieser Voraussetzung sieht, ist es lesbar. Aber für jeden, der auf Spannung gepaart mit Mystik hofft, sollte tunlichst die Finger davon lassen.

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