Verborgen

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

  • München: Penguin, 2018, Seiten: 432, Originalsprache

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Andreas Kurth
Gefahren lauern nicht nur hinter der Gefängsnismauer

Buch-Rezension von Andreas Kurth Apr 2019

Als Ärztin Dienst in einem Gefängnis versehen, das erfordert für eine Frau  einiges an Nerven- und Durchsetzungsstärke - wenn sie den Job nicht unterschätzt. Die Protagonistin von Anna Simons in “Verborgen” ist Eva Korell - und nach meiner Auffassung hat sie die mehr als speziellen Bedingungen in einer Haftanstalt komplett unterschätzt. Aus privaten Gründen ist sie in die bajuwarische Hauptstadt München gezogen, um dort einen Neuanfang zu machen, ihre beste Freundin Ann-Kathrin hat sie dazu ermuntert. Nach der Arbeit in einer Notaufnahme nun also Gefängnisärztin.

Bereits vor ihrem Dienstantritt lernt Korell per Zufall eine junge Frau kennen. Nicole Arendt ist die Ehefrau eines Gefängnisinsassen, erleidet auf der Straße einen Schwächeanfall. Die Ärztin beobachtet den Vorfall und eilt zu Hilfe. Weitergehende Untersuchungen lehnt Arendt ab - aber im Verlauf der Handlung wird diese Zufallsbekanntschaft für Korell noch mehr als wichtig, denn sie wird so in einen Kriminalfall verwickelt.

Hier wird eine Geschichte der leisen Töne erzählt

Anna Simons ist das Pseudonym der deutschen Autorin Anna Schneider. “Verborgen” ist der erste Band ihrer neuen Reihe um die Gefängnisärztin Eva Korell. Und der Roman beginnt nicht mit einem Mord oder einer anderen kriminellen Handlung, sondern die Autorin baut Spannung durch den Berufsalltag der Ärztin und durch die Umstände ihrer Bekanntschaft mit der jungen Frau auf. In diesem Buch wird eine Geschichte der leisen Töne erzählt, es geht um psychologische Nuancen, weniger um knallige Action.

Nicole Arendt hat in der Werkzeugkiste ihres inhaftierten Mannes einen Ring gefunden, der offenbar einer Frau gehörte, die Opfer eines Verbrechens wurde. Der daraufhin aufkeimende furchtbare Verdacht gegenüber ihrem Ehemann lähmt die jungen Frau vollständig. Sie würde sich zu gerne Hilfe holen - aber offensichtlich ist sie von ihrem Mann psychisch abhängig.

In ihrer Not wendet sie sich an Eva Korell, taucht spät am Abend vor deren Wohnung auf. Die Ärztin will sich unbedingt korrekt verhalten, verweigert jedes Gespräch über den inhaftierten Ehemann und verweist die junge Frau an den Anwalt der Familie.

Kurz darauf ist die Wohnung von Robert und Nicole Arendt ausgebrannt, die junge Frau verschwunden. Nun wird die Gefängnisärztin angesichts der merkwürdigen Vorkommnisse doch nachdenklich, und beginnt, eigene Recherchen anzustellen. Sie trifft dabei auf Hauptkommissar Lars Brüggemann, der mit dem Fall befasst ist. Es dauert lange, bis die Ärztin und der Polizist offen miteinander reden können, und erst dann kommen sie der Lösung des Falls wirklich näher.

Gefängnisärztin und Polizist - ein seltenes Ermittler-Duo

Anna Simons hat ihre Geschichte ungewöhnlich aufgebaut, versteht es aber, mit ihrer Erzählung einen Sog zu erzeugen und den Leser zu fesseln. Sie präsentiert hier im Grunde ein Ermittler-Duo, denn Eva Korell käme bei ihren Nachforschungen ohne Lars Brüggemann nicht weiter. Eine Gefängnisärztin und ein Polizist - für mich eine ungewöhnliche Kombination, der ich so noch in keinem Kriminalroman begegnet bin.

Wobei festzuhalten ist, dass Eva Korell die unumstrittene Hauptperson ist. Deshalb nimmt die Autorin auch einigen Anlauf, um ihre Protagonistin ausführlich vorzustellen.

Dem einen oder anderen Leser wird im ersten Teil des Buches ein wenig die Spannung fehlen, aber in meinen Augen lohnt es sich, die Ärztin kennen zu lernen - später wird es noch richtig spannend.

Korell ist eine Frau, die viel über sich, ihr Leben und ihre Arbeit nachdenkt. Sie reflektiert die Fehler, die ihr in den ersten Tagen in der Haftanstalt unterlaufen, und ist bemüht, sich besser in den Arbeitsalltag einzufinden. Zugleich zeigt sie viel Empathie für Nicola Arendt, aber auch für einige der Gefängnisinsassen. Anna Simons hat hier eine Figur geschaffen, die in den kommenden Bänden sicher noch viel von ihrem Potenzial zeigen wird.

Fazit:

Der Plot ist in meinen Augen gelungen, die Spannung steigt spät, aber dann kontinuierlich an. Allerdings fand ich die Rätsel am Anfang bereits fesselnd, im Finale ist dann auch dramatische Action zu lesen. Viele Autoren sind derzeit bemüht, mit Protagonisten zu punkten, die mal keine Polizisten oder Privat-Detektive sind. Polizeiseelsorger, Staatsanwältinnen - oder wie hier eben eine Gefängnisärztin. Das bringt Abwechslung in die Krimi-Landschaft - und Anna Simons ist da ein recht kreativer Ansatz gelungen. Ein lesenswertes Buch mit einer fesselnd erzählten Geschichte.

Verborgen

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Letzte Kommentare:
07.11.2018 07:52:58
Annette Traks

Eva Korell hat ihre Tätigkeit in einem Berliner Krankenhaus aufgegeben und ist nach München gezogen, wo sie künftig in der Justizvollzugsanstalt Wiesheim als Gefängnisärztin arbeiten wird.

Kurz vor ihrem Dienstantritt lernt sie Nicole Arendt kennen, die auf der Straße vor Evas Augen zusammenbricht. Sie leistet Erste Hilfe und ahnt bald, dass die junge Frau größere Probleme haben muss.

Obwohl Eva sie nach Hause fahren will, verschwindet die Verletzte in einem unbeobachteten Moment, taucht aber spät abends völlig verzweifelt vor dem Haus der Ärztin auf und bittet um ein Gespräch. Diese lehnt das jedoch aus guten Gründen ab.

Im Gefängnis lernt Eva Korell Robert Arendt kennen, Nicoles gewalttätigen Ehemann, der dort eine Haftstrafe verbüßt, aber bald entlassen wird.

Und dann überschlagen sich die Ereignisse: Die Ärztin erhält eine subtile Drohung, die Wohnung der Arendts brennt ab, Nicole ist spurlos verschwunden und ihr Mann wird im Gefängnis brutal zusammengeschlagen.

Eva Korell macht sich Vorwürfe, dass sie die verzweifelte Frau abgewiesen hat und beginnt auf eigene Faust im Umfeld der Eheleute recherchieren, um etwas über deren Leben und Nicoles Probleme zu erfahren. Sie ahnt nicht, auf was sie sich einlässt, denn sie wird immer mehr in einen Kriminalfall verwickelt und bezahlt ihre Nachforschungen fast mit dem Leben ... wenn nicht der ermittelnde Kommissar Lars Brüggemann rechtzeitig zur Stelle gewesen wäre.

Resümee:
Die Justizvollzugsanstalt als ein Handlungsort und eine Gefängnisärztin als Ermittlerin - das machte mich neugierig auf das Buch. Und ich bin nicht enttäuscht worden!

Anna Simons hat unter ihrem Klarnamen Anna Schneider schon einige Bücher geschrieben. Dieser Auftakt zur Eva-Korell-Reihe ist eine Milieustudie, durch die der Leser Einblick in das Leben im Gefängnis erhält und mit einer völlig fremden Welt bekannt gemacht wird.

Um dies so realistisch zu beschreiben, muss die Autorin intensive Recherchen betrieben haben.

Die Charaktere sind sehr individuell, authentisch und vielschichtig gestaltet, allen voran die beiden Protagonistinnen:

Eva Korell ist sehr sympathisch, auch weil sie nicht ohne menschliche Schwächen ist und ihr "Päckchen" - wie die meisten Akteure - zu tragen hat. Sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und engagiert sich nicht nur beruflich stark, wenn sie von etwas überzeugt ist.

Nicole Arendt erscheint zunächst als gefügiges Opfer, macht aber eine Entwicklung durch und offenbart gegen Ende immer mehr eine innere Stärke.

Beide Frauen und ihr jeweiliges Umfeld stehen abwechselnd im Mittelpunkt der Kapitel, wobei von Anfang an Berührungspunkte vorhanden sind, die immer intensiver werden.

Außerdem erfährt der Leser zwischendurch die Gedanken einer unbekannten Person, die einem Angst machen und Schlimmes erahnen lassen. Bis zum Schluss weiß man allerdings nicht, um wen es sich dabei handelt.

Solcherart wird gleich zu Beginn ein Spannungsbogen aufgebaut, der bis zum Schluss erhalten bleibt, denn erst dann erfährt man die Auflösung, die Ursache und ganze Tragweite der Ereignisse.

Die Kombination von Kommissar Lars Brüggemann und Gefängnisärztin Eva Korell finde ich sehr gelungen. Die Wellenlänge zwischen beiden scheint zu stimmen, sodass ich auf die weitere berufliche und private Entwicklung von deren Beziehung gespannt bin.

Fazit: Ich freue mich auf die Folgebände!