Nana Plaza

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • Bangkok: Heaven Lake, 1999, Titel: 'Cold hit', Seiten: 330, Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2001, Seiten: 313, Übersetzt: Peter Friedrich

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Lars Schafft
Moore hat den klassischen Private-Eye-Roman ins 21. Jahrhundert gerettet

Buch-Rezension von Lars Schafft Sep 2003

Vincent Calvino, Privatdetektiv in Thailands Hauptstadt Bankok, steht ein lukrativer Auftrag ins Haus: Er soll Leibwächter spielen. Gemeinsam mit Jessada Santisak, Cop aus Los Angeles, möge er doch bitte dafür sorgen, dass der amerikanische Rechtsanwalt Wes Naylor unverletzt einen Grundstücksdeal in Bangkok über die Bühne bringen kann. Tausend US-Dollar pro Tag sind für Calvino ein willkommener Geldregen, doch macht ihn die Summe allein schon stutzig. Und warum fragt ihn ein Polizist von der amerikanischen Westküste ausgerechnet ihn? Wieso hat ihn sein alter Freund Lieutenant Colonel Pratt für den Job empfohlen?

Calvinos trainierte Spürnase täuscht ihn nicht, denn es geht tatsächlich um mehr, weit mehr als die Sicherheit für einen Rechtsanwalt zu gewährleisten. Der ganze Auftrag hat vor allem einen Hintergrund: Licht ins Dunkel des Drogenumschlagplatzes Bangkok zu werfen und herauszufinden,wie die Drogen von Thailand nach LA kommen. Doch der Job hat noch einen weiteren Haken - der wenig kooperative Anwalt Naylor ist auch noch Betreiber des Online-Dienstes "The Cause", einer Community, deren Mitglieder sich die besten Tipps aus den Rotlichtvierteln aller Welt, Tipps für den ultimativen "Tsunami-Fick" zuschustern. Und ausgerechnet fünf davon hat eine Überdosis Heroin in Bangkok niedergestreckt. Calvino befürchtet darin schon die Tat eines Serienmörders, doch steht er mit dieser Annahme vorerst allein auf weiter Flur. Doch auch hier soll der Privatdetektiv ein feines Näschen beweisen...

Das vielgerühmte literarische Augenzwinkern

Wirkte Haus der Geister, Moores Erstling mit Vincent Calvino noch arg klischeehaft (was wohl auch an der Übersetzung lag), liegt mit Nana Plaza nun ein reifes, erwachsenens Werk vor. So erwachsenen, dass der Autor nun sogar mit den eigenen Klischees spielt: Ob er seine Protagonisten selbst die Ähnlichkeit mit Hollywood ("Jess, nichts passt hier zusammen, das ist wie in einem amerikanischen Roman oder Hollywoodfilm, wo es offensichtlich niemanden kümmert, dass die Story hinten und vorn nicht stimmt. Wo das Publikum einfach die Action verfolgt und das Hirn abschaltet.") oder die Ähnlichkeit der Figur des Calvino mit bekannten Private Eyes à la Hammett und Chandler ("Sie spielen den Bescheidenen, was? Der alte Sam Spade, kühl und zurückhaltend im Augenblick des Ruhmes?") feststellen lässt - endlich ist das vielgerühmte literarische Augenzwinkern des Autors auch in der deutschen Übersetzung zu lesen.

Aber es sind vor allem die schrägen, bunten, eigenartigen Charaktere, die Nana Plaza ausmachen. Der italienisch-jüdische Amerikaner Vincent Calvino, der sich so langsam mit der Tatsache auseinandersetzen muss, dass er nicht mehr der jüngste ist. Colonel Pratt, der gerne ausgerechnet dann Shakespeare zitiert, wenn klare Aussagen von ihm gefordert sind. Der Thai-Cop Jessada "Jess" Santisak, der weniger thailändisch ist und denkt, als Calvino. Der in manchen Beziehungen recht weltliche Pater Andrew. Und dieser cholerische, schmierige Anwalt Naylor, der Prototyp eines westlichen Touristen in Bangkok, wunderbar karikiert. Christopher G. Moore ist ein Meister der Figuren(über)zeichnung!

Das Leben in Zeiten der Globalisierung

Vor allem die Beziehung zwischen Calvino und Jess macht ein besonderes Anliegen des Autors deutlich. Jess, gebürtiger Thai, seit Jahren in LA, fühlt sich in seiner Heimat fremd. Und Calvino, der Amerikaner, kann sich mittlerweile besser in einen Thai hineinversetzen als in einen amerikanischen Polizisten. So ist das Leben in Zeiten der Globalisierung.

Ein weiterer Kritikpunkt zu Haus der Geister fällt in Nana Plaza glücklicherweise ebenfalls flach. Hatte man das Gefühl, in Calvinos erstem Fall auf zuviele Fährten zu stoßen, die ins nichts führen - und schließlich auch gar nichts mit dem Fall zu tun hatten - macht in Calvinos sechstem Fall wirklich alles Sinn. Was wie ein unbedeutender Nebenschauplatz aussieht, entpuppt sich hinterher als kleines Steinchen, das Moore gekonnt in ein großes Mosaik einfügt.

Dazu wechselt Moore endlich auch mal die Perspektive, wodurch der Roman weniger linear und eindimensional wirkt: Schon das erste Kapitel ist aus der Sicht eines der Opfer geschildert. Und der vielleicht bemerkenswerte Perspektivwechsel ist derjenige in die Sicht des "Bar-Girls" Noi, wie sie versucht, aus dem ganzen Schlamassel Auswege zu finden, sich ihre Träume zu verwirklichen und eine neue Existenz aufzubauen.

Und die Sprache? Die ist endlich rund und einheitlich, was sicherlich auch ein Verdienst des Übersetzers Peter Friedrich ist. Nana Plaza ist durchweg flüssig zu lesen und auch Moores eigenwillige Metaphorik ("Calvino hatte sich in seine Vierziger verbissen wie ein Hund in seinen Knochen") und drastischere Aussprüche seiner Figuren stellen keine Stolpersteine dar.

Der "Lonesome Cowboy" in den Armen einer Prostituierten

Natürlich hat Moore mit Nana Plaza (warum eigentlich der Titel? "Cold Hit" eingedeutscht in "Kalt erwischt" hätte auch sehr gut gepasst) aber nicht nur ein Bild der Hauptstadt Bangkok mit all seinen Facetten kreiert, sondern auch einen rassigen, actionreichen Kriminalroman. Mit Bombenanschlägen, einer rasanten Verfolgsjagd inklusive Schießerei und dem dazu passenden "Lonesome Cowboy", der sich nach dem Fall nicht als Sieger fühlen kann und in die Arme einer Prostituierten flüchtet.

Eine große Leistung ist es, die komplizierte Gesellschaftsstruktur Thailands, die exotische Mentalität, das so fremd scheinende Leben der Thais, dem Leser so nah zu bringen, dass er sich in Thailand fast heimisch fühlen könnte. Die andere, nicht zu unterschätzende, große Leistung: Christopher G. Moore hat den klassischen Private-Eye-Roman ins 21. Jahrhundert gerettet und mit neuem Ort und aktueller Handlung frisches Blut zugeführt. Große Klasse!

Wirkte Haus der Geister, Moores Erstling mit Vincent Calvino noch arg klischeehaft (was wohl auch an der Übersetzung lag), liegt mit Nana Plaza nun ein reifes, erwachsenens Werk vor. So erwachsenen, dass der Autor nun sogar mit den eigenen Klischees spielt: Ob er seine Protagonisten selbst die Ähnlichkeit mit Hollywood ("Jess, nichts passt hier zusammen, das ist wie in einem amerikanischen Roman oder Hollywoodfilm, wo es offensichtlich niemanden kümmert, dass die Story hinten und vorn nicht stimmt. Wo das Publikum einfach die Action verfolgt und das Hirn abschaltet.") oder die Ähnlichkeit der Figur des Calvino mit bekannten Private Eyes à la Hammett und Chandler ("Sie spielen den Bescheidenen, was? Der alte Sam Spade, kühl und zurückhaltend im Augenblick des Ruhmes?") feststellen lässt - endlich ist das vielgerühmte literarische Augenzwinkern des Autors auch in der deutschen Übersetzung zu lesen.

Aber es sind vor allem die schrägen, bunten, eigenartigen Charaktere, die Nana Plaza ausmachen. Der italienisch-jüdische Amerikaner Vincent Calvino, der sich so langsam mit der Tatsache auseinandersetzen muss, dass er nicht mehr der jüngste ist. Colonel Pratt, der gerne ausgerechnet dann Shakespeare zitiert, wenn klare Aussagen von ihm gefordert sind. Der Thai-Cop Jessada "Jess" Santisak, der weniger thailändisch ist und denkt, als Calvino. Der in manchen Beziehungen recht weltliche Pater Andrew. Und dieser cholerische, schmierige Anwalt Naylor, der Prototyp eines westlichen Touristen in Bangkok, wunderbar karikiert. Christopher G. Moore ist ein Meister der Figuren(über)zeichnung!

Das Leben in Zeiten der Globalisierung

Vor allem die Beziehung zwischen Calvino und Jess macht ein besonderes Anliegen des Autors deutlich. Jess, gebürtiger Thai, seit Jahren in LA, fühlt sich in seiner Heimat fremd. Und Calvino, der Amerikaner, kann sich mittlerweile besser in einen Thai hineinversetzen als in einen amerikanischen Polizisten. So ist das Leben in Zeiten der Globalisierung.

Ein weiterer Kritikpunkt zu Haus der Geister fällt in Nana Plaza glücklicherweise ebenfalls flach. Hatte man das Gefühl, in Calvinos erstem Fall auf zuviele Fährten zu stoßen, die ins nichts führen - und schließlich auch gar nichts mit dem Fall zu tun hatten - macht in Calvinos sechstem Fall wirklich alles Sinn. Was wie ein unbedeutender Nebenschauplatz aussieht, entpuppt sich hinterher als kleines Steinchen, das Moore gekonnt in ein großes Mosaik einfügt.

Dazu wechselt Moore endlich auch mal die Perspektive, wodurch der Roman weniger linear und eindimensional wirkt: Schon das erste Kapitel ist aus der Sicht eines der Opfer geschildert. Und der vielleicht bemerkenswerte Perspektivwechsel ist derjenige in die Sicht des "Bar-Girls" Noi, wie sie versucht, aus dem ganzen Schlamassel Auswege zu finden, sich ihre Träume zu verwirklichen und eine neue Existenz aufzubauen.

Und die Sprache? Die ist endlich rund und einheitlich, was sicherlich auch ein Verdienst des Übersetzers Peter Friedrich ist. Nana Plaza ist durchweg flüssig zu lesen und auch Moores eigenwillige Metaphorik ("Calvino hatte sich in seine Vierziger verbissen wie ein Hund in seinen Knochen") und drastischere Aussprüche seiner Figuren stellen keine Stolpersteine dar.

Der "Lonesome Cowboy" in den Armen einer Prostituierten

Natürlich hat Moore mit Nana Plaza (warum eigentlich der Titel? "Cold Hit" eingedeutscht in "Kalt erwischt" hätte auch sehr gut gepasst) aber nicht nur ein Bild der Hauptstadt Bangkok mit all seinen Facetten kreiert, sondern auch einen rassigen, actionreichen Kriminalroman. Mit Bombenanschlägen, einer rasanten Verfolgsjagd inklusive Schießerei und dem dazu passenden "Lonesome Cowboy", der sich nach dem Fall nicht als Sieger fühlen kann und in die Arme einer Prostituierten flüchtet.

Eine große Leistung ist es, die komplizierte Gesellschaftsstruktur Thailands, die exotische Mentalität, das so fremd scheinende Leben der Thais, dem Leser so nah zu bringen, dass er sich in Thailand fast heimisch fühlen könnte. Die andere, nicht zu unterschätzende, große Leistung: Christopher G. Moore hat den klassischen Private-Eye-Roman ins 21. Jahrhundert gerettet und mit neuem Ort und aktueller Handlung frisches Blut zugeführt. Große Klasse!

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