Verborgenes Unheil

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Luxemburg: Edition M, 2018, Seiten: 400, Originalsprache

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Thomas Gisbertz
Langatmiger und spannungsarmer Krimi

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jul 2018

Nachdem Emma von ihrem Freund Arndt, mit dem sie ein gemeinsames Restaurant in Hamburg besaß, betrogen wurde, zieht zu ihrer Schwester auf eine bäuerliche Hofanlage am Niederrhein. Während sie als Servicekraft im Burg-Café arbeitet, lernt sie nicht nur die verschrobene Familie Stamm kennen, sondern erlebt immer mehr seltsame Ereignisse in und um die Burg herum. Spätestens als zwei Mädchen menschliche Knochen finden und es einen Todesfall auf der Burg gibt, beginnt Emma zunehmend Fragen zu stellen. Aber weder die Polizei noch Daisy und ihre Familie nehmen sie ernst.

Nur wenig Niederrhein-Flair

"Verborgenes Unheil" ist der inzwischen zehnte Roman der Autorin, die mit ihrer Familie am Niederrhein lebt und eigentlich Daniela Stumpen heißt. Während die ersten Werke im Self-Publishing publiziert wurden und erfolgreich waren, erscheint nach "Blutiges Erbe" (2017) nun zum zweiten Mal ein Roman von Daniela Frenken bei "Edition M", dem Krimi Imprint von Amazon. Man spürt, dass sich Frenken am Niederrhein auskennt, auch wenn es bis auf den Schauplatz an typischen niederrheinischen Elementen und Typen in diesem Roman leider mangelt.

Zu viele Anspielungen und Verweise

Der Roman ist leider überladen mit offensichtlichen Andeutungen und Hinweisen. Sehr schnell wird zum Beispiel deutlich, dass die Familie Stamm um die seltsamen Brüder Lennard und Nils ein Geheimnis birgt. Der tot geglaubte Großvater, der vor Jahren einen Schlaganfall erlitt, taucht plötzlich wieder auf. Jahrelang wurde er im Keller eingeschlossen. Leider lässt sich nur vermuten, warum das eigentlich geschah. Zwar sitzt er mittlerweile im Rollstuhl, ansonsten scheint er den Schlaganfall aber auch ohne medizinische Versorgung und Reha erstaunlich gut überstanden zu haben. Er fällt lediglich durch primitive, sexistische Bemerkungen und Gesten Frauen gegenüber auf.

Da passt es ins Bild, dass Daisy von ihrem Mann Phil eine Beziehung zum smarten Freddie, Sohn des Burgbesitzers, unterstellt und die verschwundene Charlotte als Dorfmatratze beschrieben wird. Spätestens hier ahnt der Leser, dass das wohl unangemessene Verhalten und Handeln der Frauen ein zentrales Motiv für ihr Verschwinden darstellen könnte, was im späteren Verlauf des Romans auch mehr und mehr bestätigt wird.

Überzogene und eher unglaubwürdige Figuren

Als besonders "gruselig" war wohl die Darstellung der Familie Stamm gedacht, die in ihrer scheinbaren Rückständigkeit und Andersartigkeit aber zu überzeichnet dargestellt wird. Besitzt Mutter Edith noch etwas Unheimliches in ihrem Auftreten, wirkt vor allem Nils, der als Ritter nur mit "Tristan" angesprochen werden möchte, eher kindlich und tritt wie ein "mittelalterlicher" Nerd auf. Auch wenn die Autorin immer wieder vom "jungen Nils" spricht, ist dieser bereits 19 Jahre alt.

Familie Stamm ist auf das Bitterste mit der Familie Weiß um Daisy und Phil verfeindet. Deswegen dürfen die beiden Töchter der Familien auch nicht miteinander spielen. Tun sie es dennoch, müssen wir uns als Leser an den langatmigen Suchaktionen durch die niederrheinische Flora beteiligen - und das leider nicht nur einmal. Würden die Kids dabei nicht zufällig auch noch Knochen finden, käme man der Täterin bzw. dem Täter wohl nie auf die Spur.

Die Autorin versucht des Weiteren immer wieder, Figuren als mutmaßliche Mörder aufzubauen. Wenn man davon ausgehen kann, dass sämtliche Morde - auch die vor zehn Jahren - von derselben Person ausgeführt wurden, so bleiben innerhalb des Romans bis zum Schluss lediglich zwei mögliche Figuren übrig, die in Frage kommen (man muss nur auf das Alter und die Konstitution der Personen achten).

Generell gibt es kaum Spannung. Auf den ersten Seiten 100 Seiten passiert zunächst überhaupt nichts. Zwar erfährt der Leser, dass eine Frau ermordet wird, ansonsten ist die Autorin damit beschäftigt, ein vordergründiges Konstrukt an familiären Beziehungen, nachbarschaftlichen Streitigkeiten und skurrilen Figuren aufzubauen, um den Leser in die Irre zu führen. Letztendlich bietet der Roman aber nur das, was man auch bei einer Daily Soap geboten bekommt: Eitelkeiten, Zwietracht, Ehekrach, familiäre Probleme und leider auch oberflächliche Dialoge sowie ein langatmiges Erzähltempo.

Auch die Idee, einen Abt als mutmaßlichen Mörder in einer Burg spuken zu lassen, ist seit Edgar Wallace ("Der schwarze Abt") nicht wirklich neu. Das wäre an sich nicht weiter problematisch, allerdings bietet Daniela Frenken weder eine Erweiterung dieses Motivs noch führt sie es konsequent genug zu Ende.

Burganlage als atmosphärisches Setting

Der Roman spielt, von den gelegentlichen Episoden auf der Hofanlage der Familie Weiß abgesehen, in und um eine mittelalterliche Burg. Vermutlich diente hierbei das Schloss Hülchrath in Grevenbroich nahe Neuss als Vorbild. Der Autorin gelingt es zunächst, einen interessanten Schauplatz zu entwerfen, der sicherlich für einen Krimi geeignet ist. Allerdings reicht es nicht aus, von geheimen und verborgenen Gängen in der Burg zu sprechen, Ratten durch die Gewölbe rennen zu lassen und mit dem alten, Rollstuhl fahrenden Großvater einen "Zauberer" zu präsentieren, um Spannung zu erzeugen. Das alles wirkt leider zu konstruiert und banal.

Fragliche Handlungselemente

Immer wieder gibt es Momente, die nicht glaubwürdig genug erscheinen. Da stellt der bereits angesprochene und überraschend positive Genesungsverlauf eines Schlaganfall-Patienten leider keine Ausnahme dar. So braucht die Familie nach dem Verschwinden Charlottes zum Beispiel ganze zwei Wochen, um die Polizei zu benachrichtigen, obwohl sie weder per Smartphone noch via Facebook zu erreichen ist, obwohl sie dies ansonsten ausgiebig nutzt. Das nur damit zu begründen, dass sie schon einmal einfach verschwunden ist und später plötzlich wieder aufgetaucht ist, wirkt hier eher fraglich.

Auch dass sich Ratten bereits über einen Leichnam hermachen, nachdem der Tod erst vor wenigen Stunden eingetreten ist, da sie von dessen "Aas" - wie es im Text heißt - angelockt wurden, lässt einen eher schmunzeln, da die Leiche sicherlich noch nicht in den Zustand der Verwesung übergegangen ist. Hier zeigt sich eine weitere Schwäche des Romans: es mangelt leider immer wieder an sprachlicher Ausdrucksstärke und Prägnanz. Besonders, wenn es gilt, einzelne Szenen einzuleiten oder miteinander zu verbinden, wird dieses Problem allzu oft deutlich.

Krimi mit Potential, aber zu langatmiger Umsetzung

Daniela Frenkens Roman "Verborgenes Unheil" bietet sicherlich dem Krimileser einen interessanten Einstieg, verliert sich dann aber leider überwiegend in weitschweifigen Erzählsträngen und überzeichneten Figuren. Das Ende ist nicht wirklich überraschend. Auch wenn der Krimi über gute Ansätze verfügt, gelingt Daniela Frenken diesmal leider kein empfehlenswertes Werk.

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