Weinende Wasser

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Kapstadt: Human & Rousseau, 2009, Titel: 'Plaasmord', Seiten: 510, Originalsprache
  • Köln: Bastei Lübbe, 2016, Seiten: 543, Übersetzt: Dietmar Schmidt, Bemerkung: übersetzt aus dem Englischen

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Jörg Kijanski
Vielschichtiger Südafrika-Thriller aus der Provinz

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2018

Inspector Albertus Markus Beeslaar war zwanzig Jahr beim SAPS in Johannisburg, jetzt will er endlich etwas Ruhe finden. Seit zwei Monaten arbeitet er nun in der Provinz Nordkap. Ein Kaff, eine geteerte Hauptstraße, davon abgehend einige unbefestigte Wege. Der co-op ist die einzige Einkaufsmöglichkeit und auch sonst ist hier wenig los.

Von wegen. Eine Bande von Viehdieben treibt im großen Stil ihr Unwesen, erst vor zwei Wochen wurden dabei zwei Farmer brutal ermordet. Die Stimmung ist gereizt, doch die großen Transporter, mit denen die gestohlenen Tiere an einen unbekannten Ort gebracht werden, will niemand gesehen und gehört haben.

"Mord. Wie viele Menschen in diesem Land wurden täglich mit solch einer Neuigkeit konfrontiert? Hunderte? Irgendwo hatte Sara gelesen, dass in Südafrika täglich sechsundfünfzig Morde begangen wurden."

Beeslaar verfügt nur über ein Dienstfahrzeug und zwei weitere Polizisten, die jedoch noch grün hinter den Ohren sind. Johannes Ghaap redet wenig, Gershwin Pyl wie ein Wasserfall, allein sie verstehen nichts von ihrer Arbeit. Das zeigt sich, als auf der Huilwater-Farm Frederika "Freddie" Swarts und ein kleines Mädchen, welches sie adoptieren wollte, grausam getötet werden. Ein weiterer Farmmord, wie es die (weißen) Bauern um den rechtsradikalen Buks Hanekom glauben?

Welche Rolle spielt der Vormann der Farm, der von den alten Buschmännern abstammende Adam de Kok, der wenig redet und sich arg verdächtig verhält? Und dann gibt es noch Drohbriefe, die Freddie erhalten hat, seit sie ernsthaft überlegte, über eine Landrückgabe an den Stamm der Griquas nachzudenken, was die Farmer auf die Barrikaden trieb ...

Eindringliche Einblicke in ein unbekanntes Land

Karin Brynard hat einen insgesamt großartigen Südafrika-Thriller geschrieben, der nicht in das Genre-übliche Schema zu passen scheint. Spielen normalerweise derartige Sujets mit dem Thema Apartheid respektive Rassismus, so sind immer die schwarzen Afrikaner die Opfer. Die Plots spielen zudem zumeist in Johannisburg oder Kapstadt, selten in der einsamen Provinz. In "Weinende Wasser" ist dies ein wenig anders.

"Wenn er Hanekom jetzt festnahm, würde es die Leute nur weiter aufstacheln. Besonders, wenn er persönlich - das einzige weiße Gesicht im Revier - die Festnahme durchführen würde. Wenn man zu hart durchgreift, dacht er, ist man der weiße Cop, der den schwarzen Bossen in den Arsch kriecht. Lässt man die Dinge laufen, vermittelt man Kerlen wie Hanekom den Eindruck, sie könnten weitermachen, als wäre nichts geschehen. Und für die schwarzen Bosse ist man dann ein verkappter Rassist."

Es geht zwar intensiv um das Thema Landbesitz, denn bis 1913 gab es diesen durchaus auch in nichtweißer Hand, doch mit dem Landgesetz von 1913 war es damit endgültig vorbei. Dass alte Stämme wie die Griqua, zumal nach dem Ende des Apartheidregimes, versuchen, ihre vermeintlichen Besitzansprüche wieder geltend zu machen ist verständlich.

Der Widerstand der (weißen) Farmer allerdings auch, denn sie bewirtschaften seit vielen Jahrzehnten die Felder und müssen zusehen, wie es unter der neuen Regierung immer wieder zu so genannten Farmmorden kommt. Da die Regierung zwar der (schwarzen) Bevölkerung Land versprochen, es ihr aber nicht gegeben hat, gibt es immer wieder Übergriffe, die die Regierung nicht zur Kenntnis nehmen will. Dementsprechend fühlen sich die Farmer bedroht, über 2000 von ihnen wurden seit Anfang der 1990er Jahre ermordet.

"Wenn Sie sich Simbabwe ansehen, so hat dort Mugabe am Ende eine Abkürzung genommen - eine hässliche. Und schauen Sie, wo diese Farmer heute sind: In einem Land, das einmal Nahrungsmittel exportiert hat, verhungern Menschen."

Es gibt in dem Debütroman von Karin Brynard weitere Facetten des unbekannten Hinterlandes zu entdecken. Voodoo und Hexerei, Tsotsi-Gangster und rassistische Buren - und vieles mehr. Zudem ist die Geschichte zweiteilig aufgebaut. Der Krimiplot einerseits, und andererseits die Geschichte von Sara, die sich vor zwei Jahren mit ihrer Schwester Freddie überworfen hat.

Die Entfremdung setzt Sara jetzt zu und sie versucht, Einblicke in das ihr unbekannte Leben ihrer Schwester zu erhalten. Dass sie dabei auf der Huilwater-Farm Gemälde von ihrer Schwester findet, auf der diese ihren gewaltsamen Tod anscheinend vorausgesehen hat, oder gegen Freddie gerichtete Drohbriefe, gehört zu den "Schwachpunkten" des Romans.

Jemand der wie der allzu schnell aufbrausende Beeslaar zwei Jahrzehnte bei der Mordkommission in Jo'burg tätig war, hätte nach einem brutalen Doppelmord das Haus der Opfer durchaus aufmerksam durchsuchen können, nein, müssen. Tollpatschige Kollegen an seiner Seite hin oder her.

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