Im Schatten des Syndikats

Erschienen: Januar 2019

Bibliographische Angaben

  • London: Avon, 2017, Titel: 'Shadows', Seiten: 464, Originalsprache
  • München: Piper, 2019, Seiten: 544, Übersetzt: Bärbel & Velten Arnold

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Sabine Bongenberg
Echte Unterhaltung für echte Kerle?

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Mai 2019

Offensichtlich handelt es sich bei der Stadt Manchester, die vielen immerhin wegen ihrer berühmten Fußballmannschaften bekannt ist, um ein mega-heißes Pflaster. Ein Gruselclown treibt sein Unwesen und knöpft denjenigen, die sich arglos – wenn auch dummerweise – zu später Stunde am Geldautomaten bedienen, ihre sauer verdienten britischen Pfundnoten ab. Oder auch gelegentlich ihr nicht minder sauer finanziertes Leben. Eine Rockerbande treibt Drogen-konsumierend ihr Unwesen, Zuhälter und Dealer feiern fröhliche Feste, da wird eingebrochen, der Prostitution nachgegangen und gegen alles verstoßen, was das Strafgesetzbuch mit mehrjährigen Haftstrafen belegt.

Mittendrin die Polizei und  Lucy Clayborn, die langhaarige und generell „heiße“ Polizistin, die aber karrierebewusst nur mit ihrem Beruf ins Bett geht und sich kein X für ein U vormachen lässt. Gerade diese Haltung schafft aber diverse Probleme, denn da sind zum einen die Kollegen, die sie nicht nur aus beruflichem Interesse schätzen, zum anderen Ex-Freunde, die Wege eingeschlagen haben, die im krassem Gegensatz zu ihrer beruflichen Laufbahn stehen, Schatten der eigenen Vergangenheit und nicht zuletzt familiäre Verstrickungen, die auch nicht unbedingt an die große Glocke gehängt werden sollen. Diese ganzen Differenzen werden zusätzlich durch eine Welle brutaler Verbrechen angefeuert, die sich ihren Weg durch Manchester bahnt und der sich nur Heldinnen und Helden entgegenstellen können.

Verbrecher führen in den Untiefen der Gesetzlosigkeit ein pralles Leben

Paul Finch konstruiert mit diesen Zutaten ein spannendes Buch, das sich aber generell deutlich an den guten alten Synonymen von „Schwarz“ und „Weiß“ orientiert. Auf der einen Seite die heldenhafte und toughe Polizei, bei der man gelegentlich erwartet, dass sie sich freitags zu einem Chor von „United we stand“ versammelt, auf der anderen Seite die mehr oder weniger straff organisierte Riege der Verbrecher, die in den Untiefen der Gesetzlosigkeit ein pralles Leben finanziert. Bei allen Klischees fällt es auch schwer, dieses Buch ernst zu nehmen, erscheint doch vieles wie unmittelbar aus dem Sender „DMAX“ importiert, der laut Eigenwerbung „echte Unterhaltung für echte Kerle“ bietet.

Neben der Unmenge von Bier, das sich hier die wechselnden Akteure hinter die Binde gießen, den heißen Bräuten, den stiernackigen Unholden, die gerne von oben bis unten tätowiert sind, entfaltet sich ein Reigen von Verbrechen, Morden und Überfällen, der über einen Großteil des Buches zwar eine halbwegs spannende Lektüre bietet, aber ebenso immer weiter die Frage aufwirft, ob es tatsächlich das Ziel des Krimis ist, irgendwann alle am Grill – mit blutigen Steaks und ehrlichem Bier – zusammenzuführen.

Immerhin schafft es Finch nach zwei Dritteln des Romans, der von einer Aneinanderreihung von Untaten und mehr oder weniger dusseligen Kriminellen geprägt ist, zu seinem Hauptfaden zu finden und tatsächlich auf eine Auflösung hinzuarbeiten. Die Klischees bleiben aber nach wie vor die selben: Lucy, die langmähnige Superpolizistin, die es mit ihrem Motorrad ohne weiteres mit einer mehrköpfigen Gruppe der finstersten und grimmigsten Killer aufnimmt, die je ein Autor ersinnen konnte, und die vermutlich auch einen abgerissenen Arm als „Fleischwunde“ bezeichnen würde. Ihre Gegenspieler, die sie mehr oder weniger auf Oberweite mit ein bisschen Grips reduzieren, und zum Schluss ein schnell geschossener Showdown, der letztendlich die Geschichte zu einem guten Ende führt – sofern der Leser bereit ist, Fragen der Logik, des Rechtssystems und generell an der Arbeit der englischen Polizei zurückzustellen.

Fazit:

Finch hat wieder mit rasantem Tempo die Bevölkerung einer Stadt deutlich reduziert, wie und wo die ganzen Kollateralschäden behandelt werden, bleibt sein Geheimnis. Generell stellt sich die Frage, ob dieses Buch nicht eher zum Genre der besseren Groschenromane – die durchaus auch ihre Berechtigung haben – gezählt werden sollte. Dennoch hat auch literarischer Fastfood seine Berechtigung, und so soll hier in erster Linie das Tempo und die Action und nicht die spärlich vorhandene Logik gewürdigt werden.

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