Mein ist die Macht

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

  • Köln: Emons, 2018, Seiten: 336, Originalsprache

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Thomas Gisbertz
Düsterer und extrem realistischer Thriller

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Feb 2019

Köln, Vorweihnachtszeit. Auf die Zentralmoschee wird ein verheerender Bombenanschlag verübt, der ganz Europa erschüttert. Dieses Ereignis erscheint wie ein Weckruf für die zahlreichen Religionsgemeinschaften und -strömungen, die nun zusammen ein Zeichen setzen wollen. Ziel ist es, durch einen gemeinsamen Friedensvertrag einen „Rat der Religionen“ ins Leben zu rufen, der sich für mehr Toleranz und Glaubensfreiheit einsetzen soll.

Fabrice Mannarino,ein alter französischer Rabbiner, ist als Vermittler und Berater an der Gestaltung und Ausarbeitung des Friedensvertrags in Köln beteiligt, als er von der Lobbyistin Cara Allegri ins Vertrauen gezogen wird. Sie hat aus sicherer Quelle erfahren, dass auf die Tochter des US-Präsidenten, die der Unterzeichnung des Vertrages beiwohnen möchte, ein Anschlag verübt werden soll. Als der Rabbiner einen verdächtigen Mann beobachtet und ihm folgt, wird er in eine Falle gelockt und vom Staatsschutz verhaftet.

Die deutschen Behörden brauchen einen schnellen Ermittlungserfolg und die Medien bringen Fabrice sogar in Verbindung mit dem Anschlag auf die Zentralmoschee zwei Wochen zuvor. Für die Polizei und Medien steht schnell fest, dass er Mitglied einer jüdischen Terrorzelle ist. Gemeinsam versuchen Natalie Villeneuve, Fabrices Nichte, und ihr Mann Alex Kauffmann die Unschuld des vermeintlichen Attentäters zu beweisen. Als zu Beginn des Chanukka-Festes ein weiterer Anschlag verübt wird, spitzen sich die Ereignisse rund um Köln zu.

Dann taucht plötzlich und unvermittelt Videomaterial auf, das einen der Attentäter kurz vor der Explosion zeigt. Wie konnte das „Nossak News Network“ an diese Informationen gelangen, von der selbst der Staatsschutz nichts wusste? Hat ein Unbekannter dem Nachrichtennetzwerk das Video zugespielt? Natalie und Alex müssen erkennen, dass nichts so scheint, wie es tatsächlich ist.

Ein mehr als talentierter Thriller-Autor

Leon Sachs lebt und arbeitet als Autor und Journalist in Köln. Der 1982 geborene Rheinländer studierte in Fribourg Medienwissenschaften und erwarb ein Diplom der Durham University in Religion und Theologie. 2016 erschien sein erster Thriller „Falsche Haut“, 2017 folgte mit „Eleven“ sein zweites Werk.

Mit „Mein ist die Macht“ knüpft Sachs inhaltlich an sein Debüt „Falsche Haut“ an. Bereits hier standen der Geschichtsprofessor Alex Kauffmann, seine Freundin, die Architektin Natalie Villeneuve, und deren Onkel Fabrice Mannarino im Mittelpunkt der Handlung. Beide Thriller kann man aber unabhängig voneinander lesen.

Sachs ist ein ausgesprochener Fachmann im Bereich der Theologie, was bei seinem neuen, sehr gut recherchierten Werk mehr als deutlich wird. Er verbindet dieses Wissen mit aktuellen Debatten um Religion, Faschismus und den Einfluss der Medien zu einem explosiven Thriller der Extra-Klasse. Hinzu kommt, dass es der Autor versteht, religiöse, aber auch gesellschaftliche Fragen aufzuwerfen, ohne zu belehrend zu wirken oder gar zu langweilen. Ihm gelingt es, den Spannungsbogen zu halten, auch wenn das Ende etwas abfällt.

Medien und vorgetäuschte Nachrichten

Im Zeitalter der Debatte um Fake News wirft Sachs auch die Frage nach der Rolle der Medien auf, die durch ihre Berichterstattung bewusst Informationen „anpassen“ können und auch jederzeit in der Lage sind, das gesellschaftliche, politische und religiöse Leben zu beeinflussen sowie zu manipulieren. Besonders in einer Zeit des immer wieder aufkeimenden religiösen Fanatismus, in der man Fakten selber schafft und die Menschen diese vollkommen unkritisch übernehmen, hinterfragt Sachs in überzeugender Weise die Bedeutung der Medien und ihren Einfluss auf die Gesellschaft.

Auch mit Kritik am amerikanischen Präsidenten spart der Autor nicht. Wenn das Oberhaupt der USA Minderheiten beleidigt und sich via Twitter auf sexistische Art und Weise über starke Frauen wie Cara Allegri äußert, ist dem Leser klar, wer hier gemeint ist.

Religiöse Themen mit aktueller Brisanz

Zwar stellt Sachs mit der Idee des „Rat der Religionen“ derzeit noch eine Utopie dar, aber es ist zwingend notwendig, darüber nachzudenken. Interessant ist auch der Ansatz von Fabrice Mannarino, was den gemeinsamen Unterricht für alle Konfessionen in der Schule betrifft. Kinder und Jugendlichen sollen gemeinsam lernen, was Religion ist und nicht, woran sie zu glauben haben. Es solle um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der unterschiedlichen Glaubensrichtungen gehen, um zu erkennen, weshalb in der Welt so viele Konflikte herrschen, die man lösen oder zumindest mindern könnte, wenn die einzelnen Seiten mehr voneinander wüssten.

Es sind Passagen wie diese, die „Mein ist die Macht“ zu mehr als nur einen Thriller machen. Sachs bietet Lösungsansätze für die Auslöser von religiösen Wahn und Fanatismus, die den Leser immer wieder zum Nachdenken anregen. Trotz allem aber stehen in diesen Thriller immer die Anschlagsserie und ihr Motiv im Vordergrund.

Sachs liefert immer wieder geschichtliche Hintergründe über den Ursprung religiöser Konflikte sowie Anfeindungen und spannt dabei den Bogen zu aktuellen gesellschaftlichen und religiösen Debatten bzw. Kontroversen.

Starker Thriller mit schwächerem Ende

„Mein ist die Macht“ ist ein überzeugender Thriller mit brandaktueller Thematik und großer Brisanz. Leider wirkt der Schluss zum Rest der Handlung doch etwas zu unglaubwürdig, da den zentralen Figuren hier zuviel Einfluss auf polizeiliche und auch politische Entscheidungen eingeräumt wird. Dies ist insofern schade, da die Hauptfiguren ansonsten sehr realitätsnah dargestellt werden und man ihnen ihr Handeln bzw. ihre Entscheidungen durchaus abnimmt.

Dies gilt insbesondere für den Rabbiner Fabrice, der - in mancher Hinsicht vielleicht zu naiv - doch immer an das Gute im Menschen glaubt und der sich nicht nur für den Friedensvertrag einsetzt, sondern auch an dessen Möglichkeiten glaubt. Aber auch Natalie und Alex sind - auch in all ihren Zweifeln und Unsicherheiten - starke Persönlichkeiten, die mit Beziehungsproblemen ebenso zu kämpfen haben wie mit den aktuellen Ereignissen.

Fazit:

Leon Sachs ist sicherlich kein Dan Brown - und das ist auch gut so, denn seine Handlung überzeugt nicht durch überbordenden Pathos und allzu theatralischer Darstellung, sondern durch die überzeugende Verknüpfung aktueller politischer und gesellschaftlicher Tendenzen sowie realistischer Figuren, die nicht als unverletzbare Superhelden dargestellt werden. „Mein ist die Macht“ besticht durch eine umfangreiche Recherche, einen überzeugenden Plot und lebendige Figuren. Auch wenn der Autor ab und an etwas zu viel religiöses Fachwissen und Details einfließen lässt, gelingt ihm ein Thriller, der bestens unterhält und bereits jetzt realistischer ist, als man es vielleicht wahrhaben möchte. 

Mein ist die Macht

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Letzte Kommentare:
23.12.2018 16:04:38
M. Lausberg

Dies ist der zweite Thriller von Leon Sachs, der um die Erringung der politischen Macht kreist. Zu Beginn wird ein Anschlag auf die gerade erst gebaute Zentralmoschee in Köln verübt, dem noch weitere folgen werden. Hochrangige Vertreter treffen sich in diesem Zusammenhang innerhalb von zwei Wochen zum Abschluss eines Friedensvertrags, der einen Rat der Religionen begründen soll, auf dem Petersberg in der Nähe von Bonn. Nun kommen auch der französische Geschichtsprofessor Alex Kauffmann mit seiner Verlobten, der französischen Architektin Natalie, und deren Onkel, dem in Bordeaux lebenden Rabbiner Fabrice Mannarino, die schon im ersten Krimi von Sachs die Ermittlerrolle übernahmen.
Fabrice Mannarino gehört zu den am Petersberg versammelten jüdischen Vertretern. Als die geheimnisvolle Berlinerin Cara Allegri Mannarino einem vertraulichen Gespräch über einen am nächsten Tag folgenden Anschlag auf die Tochter des US-Präsidenten geplant sein soll, nimmt der Krimi an Spannung zu. Als dann noch Mannarino unter Tatverdacht gerät, ermitteln Alex Kauffmann, seine Verlobte und Cara Allegri gemeinsam im Hintergrund und geraten selbst in Lebensgefahr und hinter die Machenschaften einer immer politisch werdenden Falles.

Der Fall beinhaltet nicht nur das aktuelle Thema von Anschlägen, sondern auch das Verhältnis der Religionen untereinander und den Absolutionsanspruch einiger weniger, die dann scheinbar im Namen dieser Religion töten. Dabei wird besonders durch die Person des Geschichtsprofessors Alex Kauffmann auch auf historische Zusammenhänge und Hintergründe von Religionskonflikten verwiesen. Das Problem an dem sonst spannenden Krimi ist es, dass hier zu viel an weltpolitischer Handlung (Kölner Zentralmoschee, hochrangige internationale Vertreter auf dem Petersberg, der US-Präsident) hineingepackt wurde, so dass der die Story unglaubwürdig und Science-Fiction ähnlich wird.