Alchimie einer Mordnacht

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

  • London: Viking, 2017, Titel: 'Prague nights', Seiten: 336, Originalsprache
  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2018, Seiten: 400, Übersetzt: Elke Link

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Michael Drewniok
Hilflos im Mahlstrom der Macht treibender Stern

Buch-Rezension von Michael Drewniok Feb 2020

Jung und abenteuerlustig bricht der Gelehrte Christian Stern im Dezember 1599 aus Regensburg auf, um in Prag sein Glück zu suchen. Dort residiert Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König mehrerer Länder. Er gilt als Schutzherr der Wissenschaften, interessiert sich aber auch für Alchimie und Magie und lädt gern die Koryphäen ihrer Fächer an seinen Hof ein, um sich ihre Künste vorführen zu lassen.

Allerdings ist Rudolf geistig nicht stabil. Sein Interesse kann rasch in Gleichgültigkeit umschlagen. Der Verwaltung des Reiches ist er nicht gewachsen. Politisch gärt es, zwischen Katholiken und Protestanten liegt schon jener Konflikt in der Luft, der 1618 den Dreißigjährigen Krieg auslösen wird. Der Alltag am kaiserlichen Hof wird von Intrigen bestimmt. Vor allem Hofmeister Felix Wenzel und Kammerdiener Philipp Lang sind erbitterte Feinde, aber auch die Kirche mischt in diesem ‚Spiel‘ mit, und ausländische Spione gehen in Prag eifrig ihrem Handwerk nach.

In diese Schlangengrube gerät der ahnungslose Stern, dessen Nachname den vorzeichengläubigen Rudolf glauben lässt, der Himmel habe ihm einen Gesandten geschickt. Stern findet das Ohr des Kaisers, was ihn einerseits hoch aufsteigen lässt und andererseits in Lebensgefahr bringt - dies auch deshalb, weil Rudolf ihm die Untersuchung eines mysteriösen Mordfalls überträgt: Magdalena, die junge Tochter des Hofarztes Dr. Kroll, wurde grausam ermordet. Sie war eine der vielen Geliebten des Kaisers, der wissen will, wer hinter dem Verbrechen steckt.

Diensteifrig - und naiv - bemüht sich Stern den Auftrag seines Herrschers zu erfüllen. Viel zu spät merkt er, dass er in ein Komplott verwickelt wird, das auf den Sturz des Kaisers zielt. Sterns Situation ist ohnehin kompliziert, denn ausgerechnet die offizielle Mätresse des Kaisers hat ihn in ihr Lotterbett gezogen - eine Liaison, die Rudolf kaum gutheißen würde, was denen, die davon wissen, Macht über Stern verschafft, bis dieser schließlich in einem Netz zappelt, aus dem er ungeschoren nicht entkommen wird …

Kriminalität als Frage der Definition

Historienromane finden weiterhin ihre Leser. Sie verbinden (scheinbare) Faktentreue mit jener Exotik, die längst vergangene Zeiten ausströmen - dies oft im wahrsten Sinn des Wortes, denn auf die Abwesenheit von Hygiene greifen die Autoren solcher Garne gern zurück. Auch John Banville (der als „Benjamin Black“ auch ‚richtige‘ Kriminalromane schreibt) mag nicht gänzlich darauf verzichten. Im Mittelpunkt steht bei ihm jedoch die zeitgenössische Welt mit ihrem heutzutage gänzlich fremd wirkenden Regeln und Abläufen. Weil „Alchimie einer Mordnacht“ (auch) ein Kriminalroman ist, spielt das Gesetz eine wichtige Rolle. Was heute als Verbrechen gilt, wurde früher oft gänzlich anders beurteilt werden.

Vor dem Gesetz sind heute alle Menschen (angeblich) gleich. Das war nicht immer so, wurde aber sogar von denen akzeptiert, die nicht zu den Glücklichen gehörten, die sich quasi alles herausnehmen durften. Allzu alt ist diese Vergangenheit noch nicht, die moderne Wiedergänger wie Trump, Putin oder Kim Jong-un nur zu gern wieder aufleben lassen möchten, könnten sie ihre Schurkenstreiche doch hinter entsprechenden Vorrechten verschwinden lassen: Bis hoch in die Neuzeit pochten adlige Staatslenker und ihr Gefolge sowie Kirchenfürsten auf Privilegien, die ihnen vorgeblich Gott persönlich verliehen hatte.

Die daraus resultierende Scheinheiligkeit wurde hingenommen, solange es die so Begünstigten nicht übertrieben, wobei die Palette der ahndungsfrei begangenen Taten erschreckend breit war. Dass Rudolf II. offensichtlich geistig gestört war und seine Regierungsgewalt faktisch nicht ausübte, war übrigens nicht der Grund, ihm seine Herrschaft streitig zu machen, verschärfte aber das ‚gebilligte‘ Unrecht: Autor John Banville stellt uns erschreckend und deutlich eine höfische ‚Kultur‘ vor, die unter einem schwachen Kaiser von Egoismus, Intrige, übler Nachrede und Mord bestimmt ist.

Der „reine Tor“ als Wegweiser

Für die historisch einschlägig nicht so informierten Leser führt Banville die Figur Christian Stern ein. Er ist der typische Neuling bzw. Außenseiter, der ahnungslos in die Parallelwelt des Prager Kaiserhofes gerät, um dort stellvertretend in jede Falle, jedes Fettnäpfchen zu treten. Sterns allmähliches Begreifen ist identisch mit der Auflösung eines Verbrechens, das zunächst als (simpler) Frauenmord präsentiert wird.

Statt aus Stern einen jener ‚Detektive‘ zu machen, die dieses Handwerk für die beschriebene Vergangenheit quasi neu erfinden (und damit in Serie gehen), entwirft Banville ein Verbrechen, das einen zwar intelligenten, aber ahnungslosen Mann wie Stern zwangsläufig überfordern muss. Zwar reift Stern mit den Ereignissen, aber als er endlich durchschaut, was tatsächlich geschah und weiterhin geschieht, ist es für ihn zu spät. Dem raschen Aufstieg des „Sterns“ folgt der kometengleiche Sturz. An eine Fortsetzung der Ermittler-‚Karriere‘ ist nicht zu denken; der alte Stern unterstreicht dies, wenn er im Rückblick froh darüber ist, dem Moloch Macht entronnen zu sein.

Da Stern kein Detektiv ist, erstaunen weder die Planlosigkeit, mit der er sich an die ‚Ermittlung‘ begibt, noch die Ablenkungen, denen er dabei immer wieder erliegt. Dies ermöglicht uns Lesern das Kennenlernen eines Lebensalltags, der sich nicht in effektvollen „Krass!“- bzw. „Igittigitt“-Effekten erschöpft, weil sich Banvilles Darstellungen zu einem Panorama fügen, das zur logischen Kulisse für die beschriebenen Ereignisse wird.

Irrwitz als Normalzustand

An Kaiser Rudolfs Hof ist die reale Welt schon aus zeitgenössischer Sicht fern. Der melancholische Mann ist ein fanatischer Sammler kostbarer oder wenigstens obskurer Objekte, die ihm aus seinem gewaltigen Reich gebracht werden. Die Burg auf dem Hradschin ist mit Wunderlichkeiten vollgestopft. Der Kaiser vertut seine Zeit mit seinen Schätzen. Den Höflingen bleibt mehr als genug Zeit, um ihre Ränken zu spinnen. Der Mord an Magdalena Kroll ist eine Bluttat, die einem losen Faden gleicht: Beginnt man daran zu ziehen, löst sich das gesamte Gewebe, bis man womöglich der Boden unter den Füßen = das Leben verliert.

So ergeht es Christian Stern, der an gleich mehrere Meister der Intrige gerät, getäuscht, instrumentalisiert und als Sündenbock (beinahe) geopfert wird. Präzise beschreibt Banville eine Trugwelt, die ihre eigenen ‚Gesetze‘ bzw. Regeln entwickelt, die freilich problemlos gebrochen werden, sobald eine Seite sich im Vorteil fühlt. Man darf und sollte sich freilich nie zu sicher sein: Als Stern heimlich Prag verlässt, tobt schon die Fortsetzung der Machtkämpfe, worüber seine Existenz völlig in Vergessenheit gerät.

Den konfusen Ereignissen angemessen ist ein komplizierter Plot, der ein ‚Mitraten‘ des Lesers unmöglich macht. Ohne den Zufall - sonst ein gefährlicher Gegner der kriminalliterarischen Logik - wäre eine Auflösung unmöglich: Nicht nur zu viele Köche, sondern auch zu viele Intriganten verderben den Brei. Hier wird so komplex getückt, dass fein geschmiedete Pläne im Zusammenprall zerbersten müssen. Stern findet zuletzt Erleuchtung, doch es bringt ihm weder Vorteile noch Befriedigung, weil er sein jederzeitiges Marionettendasein erkennen muss.

Gefühle sind in diesem Milieu trügerisch und gefährlich. Hier gibt es keine ‚Jungfrau in Not‘ zu retten. Zumindest am Kaiserhof mischen die Frauen im Spiel um Macht mit. Das Gesetz ist Wachs in den Händen derer, die es missbrauchen. Einzige Konstante bleibt die Unsicherheit: Morgens liegt Stern noch in einer Kerkerzelle, nachmittags bezieht er eine Wohnung in der Nähe des Kaisers. Doch Folterkammer und Galgen sind weiterhin nahe … - und durch die dunklen Gänge der labyrinthischen Burg schleicht ein gespenstischer Mörder, der selbst nur eine Schachfigur ist.

Fazit:

Inhaltlich wie sprachlich überdurchschnittlicher Roman, der ungeachtet des (deutschen) Titels mehr als einen Kriminalfall bietet. Autor John Banville entwirft und entwickelt eine Intrige, deren Inhalt und Umfang sich dem ‚Helden‘ bis zuletzt entzieht. Die Auflösung ist nicht nur gut getimt, sondern reiht sich ein in die Darstellung einer Parallelgesellschaft mit eigenen Regeln, deren Funktionsmechanismen sich keineswegs auf die beschriebene Vergangenheit beschränken, sondern zeitlos sind: eigentlich ein Historien-Thriller.

Alchimie einer Mordnacht

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Letzte Kommentare:
17.03.2020 14:30:11
Venatrix

Prag im Winter 1599. Der junge Gelehrte Christian Stern trifft in der Goldenen Stadt ein. Sein Ziel ist es, an Kaiser Rudolfs Hof aufgenommen zu werden. Rudolf gilt als Freund der Wissenschaften und scheut auch nicht davor zurück möglichen Scharlatanen Audienzen zu gewähren.

Doch bevor es zur Begegnung mit Rudolf kommt, stolpert Stern gleich an seinem ersten Abend betrunken über die Leiche der Magdalena Kroll, Tochter des angesehen Arztes. Zunächst selbst als Verdächtiger in das Gefängnis gesteckt, wird Christian Stern vom Kaiser persönlich mit der Mordermittlung beauftragt. Die gestaltet sich für Stern denkbar schwierig. Nicht nur, dass er ja fremd in der Stadt ist, macht man ihm seine Herkunft zum Vorwurf: Christian Stern ist der uneheliche Sohn des Erzbischofs von Regensburg.

Zu Beginn bemüht sich der junge Gelehrte Licht ins Dunkel zu bringen. Doch als der potentielle Täter, Magdalenas möglicher Liebhaber, tot aufgefunden wird, steht er ziemlich ratlos da.

Unversehens verstrickt sich Christian Stern in diversen Palastintrigen. Wer zieht hier die Fäden? Wird er die Morde aufklären können?

Meine Meinung:

Das Buch ist eher ein historischer Roman als ein Krimi. Ermittlungstechnische Ansätze kommen einfach zu kurz. Das stört mich allerdings gar nicht. Interessanter finde ich die Beschreibung von Kaiser Rudolf und seinem Spleen mit der „Wunderkammer“. Rudolf gilt ja als hochgebildet, ist aber dennoch nicht für das Regieren geschaffen. Lieber vergräbt er sich in die Wissenschaft, oder was man damals dafürhält. Die häufig wechselnden Launen, die Sprunghaftigkeit und die Menschenscheu deuten auf eine Geisteskrankheit hin.

Gut gefällt mir, dass mehrere neben dem Kaiser andere historische Persönlichkeiten ihren Auftritt haben. So darf Christian Stern mit Tycho Brahe und Johannes Kepler diskutieren. Er soll Edward Kelley, das Medium des Alchimisten John Dee aus dem Gefängnis in Most holen.

Gut gelungen finde ich die Beschreibung des Zwiespalts in dem die Gesellschaft am Beginn des 17. Jahrhunderts befunden hat. Herrschaft von Gottes Gnaden, Auseinandersetzung um die Religionen und Aberglaube quer durch alle Bevölkerungsschichten.

Die Vettern- und Günstlingswirtschaft wird ebenso thematisiert, wie die Zügellosigkeit der Mächtigen.

Wahrscheinlich nicht von allen Lesern gerne gesehen ist die antiquierte Sprache, die dem Original nachempfunden ist. Manchmal ist der ausschweifende, opulente Schreibstil ermüdend. Die Charaktere sind bis ins kleinste Detail beschrieben, was die eigene Fantasie ein wenig an die Kette legt. Gemeinsam mit Christian Stern können die Leser Prag durchstreifen. Die Beschreibung der Stadt mit ihren stinkenden Gassen ist sehr anschaulich und detailreich dargestellt. Allerdings wäre für mein Dafürhalten ein wenig Zurückhaltung besser gewesen.

Die Erzählperspektive aus der Sicht des alten Christian Stern, der sich an ein reiches Leben erinnert ist gut gelungen.

Fazit:

Das Buch zeichnet die komplexen Zustände an Rudolfs Kaiserhof in Prag sehr gut nach. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

21.05.2019 17:50:26
gast

Eine derart geballte Ansammlung von Klischees habe ich selten gelesen. Obwohl der Autor in einem Nachwort wissenschaftliche Sekundärliteratur zitiert, hat er offensichtlich weder von der Epoche noch von der Topographie Prags Ahnung. Ganz zu schweigen von seiner hanebüchenen Vorstellung von Justiz in der Renaissance. Ein Buch, das sich von selbst zuklappt.

07.11.2018 17:51:46
Sagota

Prag, Dezember 1599:


Christian Stern , studierter Mediziner und Alchimist, der Hauptprotagonist dieses Romans, bricht von Regensburg, wo er aufwuchs, auf - um einen Monat später sein Ziel zu erreichen: Prag.

Kurz nach seiner Ankunft entdeckt er ein lebloses Mädchen im Schnee unterhalb der Prager Burg - im "Goldenen Gässchen" - entsetzt, da das Mädchen allem Anschein nach ermordet wurde, meldet er dies bei der Wache - und gerät selbst in Verdacht, wird eingekerkert, bis Philipp Lang, engster Vertrauter des Kaisers Rudolf II., ihn befreit, um ein Gespräch mit ihm zu führen, das der Kaiser - unsichtbar - mitanhört. Letzterer lernt nun den jungen Stern selbst kennen und hält es für ein gutes Omen, dass er an den Hof kam, da ihm träumte, dass ein Stern von Westen kommen würde: Rudolf II. beauftragt Stern, den Mörder des Mädchens, das Magdalene Kroll hieß und die Tochter des angesehenen und ebenfalls sehr mächtigen Dr. Kroll war, ausfindig zu machen. Wird dies dem jungen Christian Stern gelingen?

John Banville alias Benjamin Black gelingt es durch seine sprachliche Virtuosität sehr gut, das Unbehagen Sterns, der sehr schnell die von Intrigen und Verstellungen der Höflingen geprägte Stimmung am Hof wahrnimmt, darzustellen: Diese etwas unheimliche und auch unberechenbare Atmosphäre überträgt sich alsbald auf den Leser, da diese den gesamten Roman durchdringt; mir fehlte allerdings über weite Strecken der ersten zwei Romandrittel etwas die Spannung; auch wenn die dunklen Enthüllungen und zwielichtigen Mächtigen sowie Verschwörungstheorien sehr gut historisch in den Roman eingebettet sind: Erst mit der Reise nach Most, als Stern den Assistenten des berühmten Dr. Dee, Kelley, zurück nach Prag bringen soll, kommt in Sachen Spannung Fahrt auf. Dennoch ist "Die Alchimie einer Mordnacht" sehr unterhaltsam, atmosphärisch und von einer gewissen Dunkelheit durchdrungen, die der Zeit der Intrigen und Spionage sicher sehr gut angepasst - und angemessen ist. Es wird dem Leser auch klar, wie sehr die Mächtigen dieser Zeit auf ihre Spione angewiesen waren (z.B. Elizabeth I., Philipp von Spanien und auch Rudolf II.), um ihre Position zu behalten; so mancher geriet - zuweilen grundlos - in Ingtrigenfallen und zahlte so mit seinem Leben.

Nach einem spannenden Plot endet dieser fiktive historische Kriminalroman damit, dass Christian, dessen "Stern" längst zu sinken begann, die Flucht nach Norden antritt.
Die Nachbemerkung des Autors gibt Einblicke in die fiktiven Personen und denjenigen, die historisch belegt sind bzw. deren Persönlichkeit im Roman entfremdet wurden (Bsp. die Mätresse und Geliebte des Kaisers, Frau Sardo).

Fazit:

Ein brillant, gut recherchierter und sehr detailreicher, düsterer historischer Kriminalroman, der den Leser mitnimmt ins Prag des beginnenden 17. Jahrhunderts; der jedoch etwas detailverliebt, langatmig und ohne rechte Spannung auskommen muss, bis er im letzten Drittel an Fahrt aufnimmt: Ein farbenprächtiger Einblick in intrigante und düstere Machenschaften am Hofe Rudolfs II. und ein historisches Prag-Portrait, das sich dennoch sehr zu lesen lohnt. Von mir gibt es 4* und eine Leseempfehlung sowie 88° auf der "Krimi-Couch".

13.10.2018 13:02:55
Steffi

Habe das Buch auch gelesen (während eines Prag-Urlaubs) und fand es sehr stimmungsvoll. Es geht nicht nur um Verbrechen, sondern auch um die Atmosphäre und das soziale Umfeld des Hofes: Menschen, die da rein geraten, verändern sich schnell. Die Religionskonflikte wiegen schwer (der Dreißigjährige Krieg kündigt sich an), das Trennen von Wissenschaft und Okkultismus ist noch nicht vollzogen...

Sehr gut zu lesen und macht Lust auf mehr historische Geschichten über Rudolf II., Tycho Brahe, Kepler, Philipp Lang, Edward Kelley...

09.10.2018 14:07:29
buchleserin

Der Protagonist Christian Stern erzählt von seiner Vergangenheit, wie er im Winter 1599 als junger gelehrter nach Prag kam und dort die Leiche eines Mädchens findet, es wurde brutal ermordet. Es ist Magdalena, die Tochter von Dr. Kroll, Hofarzt des Kaisers (Knochensäger und Magier). Vom Kaiser erhält Christian Stern den Auftrag, den Mörder zu finden.
Die Handlung dieses historischen Kriminalromans beginnt ganz gemächlich. Christian Stern erzählt von seiner Studentenzeit und von zu Hause. Er ist ein unehelicher Sohn des Bischofs und berichtet von seinem Ziehvater Stern. Man erfährt also erst einmal einiges über Christian Stern, bis er schließlich auf die Leiche eines Mädchens trifft, die er auch an Ort und Stelle begutachtet. In Würzburg hat er 12 Monate Medizin studiert. Christian gerät selbst in Verdacht und schließlich mitten zwischen die Intrigen am Hofe des Habsburger Kaisers Rudolf II.
Die Handlung war für mich leider nicht so spannend wie erhofft. Ich fand so einige Kapitel doch sehr langatmig und zähflüssig zu lesen. Der Beginn dieses Romans war ja schon langsam bis Christian Stern die Leiche findet. Dann wurde es auch interessant. Christian Stern geriet selbst unter Mordverdacht. Doch großartig ermittelt wurde irgendwie nicht, die ganzen Intrigen und Beziehungen der Protagonisten standen hier im Vordergrund. Caterina Sardo, die Mätresse des Kaisers Rudolf II, mit der auch Christan Stern sich einlässt, hat mir ganz gut gefallen. Die anderen Charaktere fand ich blass und uninteressant. Auch Christian Stern, anfangs noch ganz interessant, konnte mich nicht so richtig begeistern. Insgesamt ist „Alchimie einer Mordnacht“ für mich nur ein mittelmäßiger historischer Roman. Die Handlung hätte spannender sein können, lieber spannende Ermittlungsarbeit und dafür weniger Bettszenen.

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