Der Insasse

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

Hardcover, Droemer HC 384 S.
ISBN: 978-3-426-28153-6

Couch-Wertung:

55°
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Carola Krauße-Reim
Brutalität tötet jede Spannung

Rezension von Carola Krauße-Reim Jan 2019

Guido Tramnitz ermordet zwei Kinder und die Mutter des einen auf grausame Weise. Jetzt ist er gefasst, doch seine Anwältin rät ihm zu schweigen. So hat man keine Gewissheit, ob der ebenfalls verschwundene Max auch eines seiner Opfer ist. Als Tramnitz wegen einer dringend notwendigen Operation auf die Intensivstation der Forensischen Psychiatrie verlegt wird, wächst in Max Vater Till ein Plan, um endgültige Gewissheit über das Schicksal seines Sohnes zu erhalten. Mit Hilfe seines Schwagers, des Polizisten Skania, will er sich als Patient unter der falschen Identität Patrick Winter und mit dessen Krankenakte in das Krankenhaus einschleusen lassen. Was dann folgt ist ein Albtraum.

Unausgereifte Charaktere schaden der Geschichte

Egal, ob es sich um die Protagonisten oder sekundär wichtige Personen handelt, nicht eine ist als komplexer, ausgereifter Charakter zu erkennen. Mit nur wenigen Informationen wird eine Figur eingeführt. Die reichen einfach nicht aus, um wirkliche Persönlichkeiten zu schaffen. Fitzek kratzt immer nur an der Oberfläche, geht nie in die Tiefe, und lässt dabei seinen Figuren auch keine Entwicklung zukommen.

So bleibt der Vater ein impulsiver Mann, der sich nicht immer unter Kontrolle hat. Die Verzweiflung, die man nach dem Verschwinden eines Kindes spüren muss, wird nur angedeutet. Es fehlt einfach die Glaubwürdigkeit. Auch der psychisch kranke Tramnitz besteht eigentlich nur aus Brutalität und Obszönität. Warum er wurde, wie er ist, wird nur kurz angerissent.

Seine Anwältin wird völlig ohne Erklärung als ihm hörige dumme Nuss dargestellt, und die Ärzte, von denen jeder einzelne seine Probleme hat, bleiben als notwendige Figuren farblos. Handelnde, die wirkliche Persönlichkeiten mit Charakter wären, hätten dem Ganzen gut getan. Sie hätten der Geschichte Tiefe verliehen und sie nicht zu einem Splattergeschichtchen verkommen lassen.

Keine Spannung dafür Brutalität und Obszönität

Was wohl in den Augen des Autors Spannung generieren soll, ist in meinen Augen bloße und auch banale Brutalität. Fitzek versteht es nicht, den Leser subtil an die Geschichte zu fesseln. Mit dem Vorschlaghammer und ohne Fingerspitzengefühl werden hier Gewaltszenen geschildert, die immer äußerst detailliert und blutig daherkommen, aber von packender Spannung weit entfernt sind.

Da können auch die durchgehend flachen Dialoge keine Abhilfe schaffen. Wie bei seinen Charakteren kratzt Fitzek auch hier nur an der Oberfläche. Eine ausgereiftere Sprache, Gespräche, die wirklich als solche zu bezeichnen wären, hätten das Niveau gehoben.

Die ganze Aktion sich als Patient in die Psychiatrie einschleusen zu lassen ist doch eine gute Grundlage für Spannung und Thrill. Doch dieses Potential wird nicht ausgeschöpft. Zwar gibt es einige Wendungen, die der Geschichte einen Schub geben, aber gleich wird dieser durch die nächste bluttriefende Auseinandersetzung oder überzogene Obszönität ausgebremst.

Logik ist nicht zwingend nötig - aber angenehm

Ein Thriller ist kein Tatsachenbericht. Dennoch sollte die Logik nicht ganz außer Acht gelassen werden. Der Insasse basiert auf einem Plan, der zwar aberwitzig und nicht gerade wahrscheinlich ist, aber als Grundlage für einen Thriller durchaus zu gebrauchen ist. Was dann aber als Essenz zum Schluss herauskommt ist nicht auf der ganzen Linie befriedigend.

Was die Person Patrick Winter betrifft ist, ist die Lösung schlüssig. Was den Fall des verschwundenen Max angeht, ist der Schluss so irrwitzig, dass man ihm beim besten Willen nicht als glaubwürdig abtun kann. Überhaupt fühlt man sich doch sehr an Shutter Island erinnert und ist enttäuscht, dass Fitzek auch hier nur unter Niveau geblieben ist und nichts Neues kreiert hat.

Fazit:

Der Insasse war das erste Buch, welches ich von Sebastian Fitzek gelesen habe, und es wird mit Sicherheit auch das letzte sein. Weder inhaltlich noch sprachlich konnte es mich überzeugen. Und die immer wiederkehrenden Gewaltexzesse stoßen mich ab. Von einem Psychothriller erwarte ich subtilen Thrill, der so viel Spannung erzeugt, dass das Buch zu einem Pageturner wird und die Gefahr besteht, dass man es in einem Rutsch durchliest.

Hier habe ich manche Passagen so langweilig oder widerlich gefunden, dass ich quer gelesen habe. Aber, ein Leseeindruck ist immer subjektiv und für eingefleischte Fitzek-Fans, und davon gibt es eine Menge, mag das alles kein Negativkriterium sein. Also, wenn sie die Bücher von Sebastian Fitzek mögen, probieren Sie es auch mit diesem. Vielleicht wird es Ihnen gefallen.

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