The President Is Missing

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer, 2018, Seiten: 480, Übersetzt: Anke & Eberhard Kreutzer

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Annette Wolter
Präsident muss sich der Terrorgefahr stellen

Buch-Rezension von Annette Wolter Mai 2018

Jonathan Duncan, Präsident der USA ist ziemlich krank und trauert noch um seine Frau, die er durch Krebs verloren hat. Nur seine Erinnerungen und ein Foto sind ihm geblieben. Allerdings hat Duncan noch seine einzige Tochter, und er lebt wie ein Heiliger, auch wenn ihn intelligente und superattraktive Frauen umgeben. Keine Praktikantinnen.

Er steht vor einem schweren Dilemma, denn Terroristen bedrohen die USA. Ein Computervirus, das die Infrastruktur der USA zerstören soll und Millionen von Menschen gefährdet. Ein Attentat auf eine hochbegabte Hackerin, ein Amtsenthebungsverfahren, Verrat im Weißen Haus und mittendrin ein Präsident, der abtauchen muss und nicht weiß, auf wen er sich noch verlassen kann.

Ein mehr als außergewöhnliches Autoren-Gespann

Bill Clinton, geboren 1946, war von 1993 bis 2001 Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus gründete er die Clinton Foundation, eine gemeinnützige Stiftung, die sich weltweit für die Förderung der Chancengleichheit von Mädchen und Frauen, für Gesundheitsvorsorge, nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und den Klimaschutz engagiert. Er ist bisher als Sachbuchautor hervorgetreten, seine Autobiographie "Mein Leben" war weltweit ein Nr.1-Bestseller. "The President is missing" ist sein erster Roman.

James Patterson, geboren 1947, ist einer der erfolgreichsten Autoren im Spannungsgenre überhaupt. Zahlreiche Bestseller, vor allem um den Kriminalpsychologen Alex Cross, machten ihn international bekannt. Die weltweite Gesamtauflage seiner Romane liegt bei 375 Millionen Exemplaren. Außerdem hält er den Guinness-Weltrekord für die meisten Nr.1-Titel auf der New York Times-Bestsellerliste. Er ist ein unermüdlicher Kämpfer für die Sache des Buches, in jüngster Zeit widmet er sich deshalb vordringlich der Leseförderung für Kinder.

Präsident Duncan - ein Macher und Alleskönner

Der Präsident ist umfassend qualifiziert. Aus einfachen Verhältnissen stammend mit einer hart arbeitenden, früh verwitweten Mutter. Motto: "Das was Du gelernt hast, kann man Dir nicht nehmen"; eben wie Clinton selbst.

Wer später einmal ein guter Präsident werden will, ist selbstverständlich der, der sich immer schützend vor seine Kameraden stellt und die schlimmsten Schikanen aushält - das Muster zieht sich durch bis zur Folter als Gefangener im Golf-Krieg. Alles für sein Land.

Religion und das "Auge um Auge Prinzip" ist ein großes Thema

Duncan zitiert hier immer wieder Gott und das Prinzip Vergeltung. Anfangs wirkt es so, als gäbe der Roman einen tieferen Einblick in die verlogenen Machenschaften der Politik, und tatsächlich: Eine Grundkritik am Wahlsystem und an der unrühmlichen Rolle der meisten Medien in Sachen Politik wird deutlich.

Aber dann wird's eben doch ein Action-Abenteuer des Präsidenten (der übrigens jede, wirklich jede letzte gute Idee und Lösung selbst haben muss - da kann er noch so von kompetenten Beratern umgeben sein). Duncan hat das letzte Wort nicht umsonst, er hat es verdient - weil er immer weiter weiß.

Wäre das ironischer geschrieben, hielte es jeder Leser für eine Persiflage auf Donald Trump und würde sich köstlich amüsieren über derlei übersteigertes Selbst- und Sendungsbewusstsein.

Was ist hier das eigentliche Thema?

Die Anfälligkeit einer Gesellschaft, die sich komplett auf Internet verlässt? Die Lösung: Wir müssen das, wovon wir uns abhängig machen, noch besser schützen.

Psychologisch verständlich ist, dass alle "Schuld" woanders liegen muss: Von Anfang an zeugt das Buch von einer tiefen Paranoia, beklemmend, bestürzend, nie reflektiert. Interessant ist, wie der Präsident und sein Land nicht voneinander zu unterscheiden sind - wer den Präsidenten angreift, greift das Land an. Wer sein Leben gibt für den Präsidenten, ist ein Held.

Mit Entsetzen muss man in diesem Roman lesen, wie der Präsident ein Amerika verkörpert, als würde Trump agieren. Bloß nicht "ad hoc", sondern mit Präzision. Auch hier sind alle anderen Länder egal. "America first" ist das Credo.

Leider wird das eigentliche Problem nicht erkannt, nicht gelöst - es gibt auch keine "Erlösung" - die Paranoia bleibt. Die Antwort auf die Bedrohung ist einziges "Mehr": Mehr Stärke, mehr Schutz und eine klare Abgrenzung zwischen Freund und Feind. Alles ist schwarz-weiß. Es gibt keine Nuancen.

Im patriotischen Szenario wird wie im Western die Bedrohung bekämpft

Ich hatte mich total auf das Buch gefreut, und der Roman ist definitiv flott geschrieben - ich habe gelesen, dass Patterson mittlerweile Co-Autoren beschäftigt, die von ihm Versatzstücke für einen Thriller vorgegeben bekommen und dann nur noch die fehlenden Teile ausfüllen müssen. Leider sind die Wendungen kaum überraschend. Wo das verräterische Leck ist, ist dem Leser schnell klar.

Während seiner Regierungszeit lernte Clinton die Schatten- und Sonnenseiten seines Amtes kennen. Er war er im Zentrum der Macht in Washington. Der ehemalige Präsident kennt viele geheime Interna. Daher müsste Clinton diese Geheimnisse gut zu Papier bringen können.

Aber Bill Clinton und James Patterson entwerfen ein uneingeschränkt patriotisches Szenario, wo nach Westernmanie die Bedrohung bekämpft wird. In unser aller digitalen Welt sind wir abhängig geworden. Die Infrastruktur eines Landes ist absolut und total darauf ausgerichtet.

Die politische Botschaft ist überaus enttäuschend

"Solange wir nicht tot sind, sind wir noch am Leben", sagt Duncan in einem inneren Monolog. Auch werden hin und wieder ein paar Gedanken über die Ungerechtigkeiten wie Rassenkonflikte, Behandlung von Kriegsveteranen und anderes angerissen, aber nie reflektierend. Dank Pattersons "Cliffhanger" legt man das Buch zwar ungern aus der Hand, aber ich bin trotzdem enttäuscht, vor allem von der politischen Botschaft.

Das Leben ist kein Wunschkonzert, der jetzige Präsident ist immer noch da - und Clinton hat ein ziemlich mittelmäßiges Buch geschrieben. Mittelmäßige Bücher sind nichts Besonderes, und die Welt wird sich weiterdrehen. Bill Clinton sagte in einem Interview, wäre seine Frau Präsidentin geworden, hätte er keine Zeit gehabt, dieses Buch zu schreiben. Wäre sie es doch geworden.

The President Is Missing

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Letzte Kommentare:
09.02.2019 14:31:40
Mabel

Das Buch konnte nur ein Flop werden. Wenn man jedoch den Roman mit wenig Erwartungen angeht, kann es einen ziemlich gut unterhalten. Die Selbstrechtfertigungs-Gutmenschen-Passagen des Roman-Präsidenten sind ein bisschen zu viel, aber die Story hat Spannung und es wird effektiv mit dem billigen Trick der Cliff-Hanger gearbeitet, sodass man sich erwischt, wie man nach drei Tagen das Ding durch hat und sich ein bisschen schuldig fühlt, ob des ganzen Vergnügens: 75°