Dunkelkinder

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2018, Seiten: 320, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Sklavenarbeit an der Elbe

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2018

Kriminalhauptkommissarin Mia Paulsen hat in Berlin ihren letzten Fall ordentlich vermasselt. Nun will sie neu starten, hat sich nach Hamburg beworben, wo sie ihre Kindheit verbrachte, und dann ausgerechnet das: der ihr zugesagte Vorgesetzte ist nicht mehr dabei, stattdessen ist Jens Bordasch ihr direkter Chef. Ausgerechnet Bordasch, mit dem Paulsen früher eine Beziehung hatte, bevor ihr der Verdacht kam, dass er einen gemeinsamen Freund in den Selbstmord getrieben habe. Bordasch schikaniert Paulsen von Beginn an und möchte sie keinesfalls bei aktuellen Ermittlungen einsetzen.

Paulsen nimmt sich daher eines ungelösten Falles an, der vor zwei Jahren zu den Akten gelegt wurde. Damals fand man im Naturschutzgebiet Raakmoor die Leiche eines Jungen. Bis heute konnte er nicht identifiziert werden, selbst Interpol blieb erfolglos. Paulsen begibt sich an den Fundort und fällt dabei in einen Luftraum, wo sie prompt zwei Leichen findet.

Eines der beiden ermordeten Opfer hat ein Glasauge und kann über eine Anfrage bei Ocularisten identifiziert werden. Es handelt sich um einen Vietnamesen, so dass Paulsen bei ihren Befragungen eine Dolmetscherin einsetzt. Dabei greift sie auf "Tante Lien" zurück, die eigentlich einen Imbiss betreibt, aber bereits für Bordasch übersetzt hat. Nichtsahnend macht Paulsen damit den sprichwörtlichen Bock zum Gärtner, denn Liens Bruder ist ein hohes Tier im organisierten Verbrechen, das mit Menschen- und Drogenhandel ein florierendes Geschäftsfeld bearbeitet.

Von alldem ahnt der 17-jährige Luka nichts. Er lebt seit dem Tod seines Vaters in sich zurück gezogen. Allein ein Junge, den er mit einem Nachtsichtgerät dabei beobachtet, wie er ohne Sicherung auf ein Bunkerdach klettert, fasziniert ihn. Luka will den Jungen kennen lernen. Ein fataler Fehler...

Neue Ermittlerin, aber weiter mit vietnamesischem Einschlag

Nora Luttmer hat sich in der deutschen Krimiszene mit ihren Hanoi-Krimis um Kommissar Ly einen Namen gemacht. So verwundert es nicht, dass in ihrem ersten in Deutschland spielenden Krimi erneut einige Vietnamesen vorkommen. Was es mit dem Bunker auf sich hat, erfährt der Leser sehr schnell.

Es handelt sich um eine Cannabis-Plantage, in der Kinder als "Gärtner" arbeiten. Mit falschen Versprechungen aus der Heimat nach Europa gebracht, werden sie eingesperrt und müssen sich um die Herstellung der wertvollen Drogen kümmern. Das Geschäft betreibt Hung, Liens Bruder, der seine Geschäfte aus der Stadt Hrensko an der deutsch-tschechischen Grenze leitet.

Nach einem Drittel des Romans ist eigentlich alles klar, sind die drei eingangs geschilderten Morde aufgeklärt. Allerdings nur für die Leser, denn Paulsen muss sich zunächst weiter mit Bordasch herumärgern. Lediglich eine Kollegin und der Rechtmediziner Hallberg helfen Paulsen, deren Ermittlungen nicht voran kommen. Kein Wunder, denn Lien lenkt sie bewusst in eine Sackgasse.

"Wirf mal einen Blick in die englischen Zeitungen. Die berichten fast täglich von irgendwelchen Indoor-Plantagen, die sie hochnehmen. In Reihenhäusern, leerstehenden Gehöften, Lagerhallen. Schier jedes Gebäude kommt in Frage. Und die Gärtner - sie nennen sie Geister, weil niemand überhaupt von ihrer Existenz weiß - sind wohl nicht selten Kinder. Oder Jugendliche. Eingesperrt schuften die da wie Sklaven. Ich sag dir, wenn du das nächste Mal einen Joint rauchst, frag dich mal, wo das Gras herkommt. Unsere Kollegen auf der Insel nennen es schon blood cannabis."

Es ist spannend, zu erleben wie sich Paulsen in ihren Ermittlungen verstrickt, denn der Leser ist ihr ja weit voraus. Die meist kurzen Kapitel sind abwechselnd mit den jeweiligen Protagonisten betitelt als da wären Mia, Lien, Luka, Sam (der Junge auf dem Bunkerdach) und Boris (der ... doch lesen Sie selbst).

Neben dem Ermittlungsstrang erlebt man den jungen Luka, der sich in seiner verzweifelten Lage mit Sam, einem 15-jährigen Vietnamesen, anfreundet. Dieser arbeitet in dem Bunker, den er sich nur nachts zu verlassen traut; schließlich droht man seiner Familie in Vietnam zu schaden.

Zwischen Luka und Sam entsteht eine vorsichtige Freundschaft durch die Luka zunehmend in Gefahr gerät. Dies erahnt Luka allerdings nicht, selbst als ein weiterer Todesfall geschieht, den er indirekt miterlebt. Mit der Polizei will Luka auf keinen Fall reden, hier hat sich die Autorin eine feine Pointe ausgedacht.

Nora Luttmer bietet mit ihrem Plot einen etwas anderen Ansatz an

Die Methoden des Menschen- und Drogenhandels sowie die diesen begünstigenden Lebensverhältnisse in Vietnam werden umfassend und anschaulich vorgestellt. Da die Autorin selbst längere Zeit in Vietnam gelebt hat, darf man sich zudem auf kulinarische Köstlichkeiten freuen, wenn es beispielsweise in den Imbiss von Tante Lien geht. Ein vom Ansatz etwas anderer Krimiplot, da man die "Auflösung" frühzeitig erfährt.

Dennoch interessant und kurzweilig, zudem mit Langzeitwirkung, denn an das verkorkste Leben von Sam und dessen Ursachen wird man auch nach der Lektüre noch eine Weile denken. Trotz allem freut man sich dabei bereits auf die nächste Pho und (vielleicht) auf einen zweiten Fall.

Dunkelkinder

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Letzte Kommentare:
02.06.2018 10:35:53
leseratte1310

Die Kommissarin Mia Paulsen hatte in Berlin einen Fall aufzuklären, bei dem ein kleines Mädchen starb. Die Sache lässt sie nicht los und sie kommt zurück nach Hamburg. Dort erlebt sie eine böse Überraschung, denn ihr neuer Vorgesetzter ist ausgerechnet ihr ehemaliger Freund Jens Bordasch. Er will Mia aufs Abstellgleis stellen und lässt sie alte ungelöste Fälle bearbeiten. Bei einer dieser Akten wird Mia aufmerksam. Vor circa zwei Jahren wurde im Raakmoor eine Kinderleiche gefunden. Als sie sich den Fundort anschauen will, entdeckt sie zufällig zwei weitere Leichen. Mia sieht einen Zusammenhang, aber ihr Vorgesetzter will davon nichts wissen. Sie ermittelt trotz der Widerstände weiter und ahnt nicht, was für ein Sumpf hinter dieser Geschichte steckt.
Die Autorin erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven, was diese Geschichte sehr eindringlich macht.
Mia ist eine sympathische Frau, der die Vergangenheit noch in den Knochen steckt. Sie will Abstand gewinnen und gerät ausgerechnet in die Abteilung von Bordasch, der alles tut, um ihr das Leben schwer zu machen. Ihm gefällt es, seine Macht auszuspielen. Obwohl so hin und wieder ein Misstrauen aufflackert, ist Mia doch ziemlich gutgläubig und lässt sich an der Nase herumführen. Aber sie gibt nicht auf. Im privaten Bereich will Mia aufgrund ihrer Erfahrungen niemanden mehr an sich heranlassen, aber der Rechtsmediziner Axel Hallberg gibt nicht auf und unterstützt sie.
Mir hat auch Luka gut gefallen, der seinen Vater bei einem Einsatz verloren hat und mit diesem Verlust nicht fertig wird. Ausgerechnet er, der sich so zurückgezogen hat, spielt in diesem Fall eine Rolle, denn er entdeckt auf dem Hochbunker gegenüber von seinem Zuhause einen Jungen, der wie ein Geist auftaucht.
Diese Sache mit den Geisterkindern fand ich sehr bedrückend und schockierend zugleich. Wie unbarmherzig können Menschen sein. Aber ich möchte nicht zu viel verraten.
Das Ende ist schlüssig und realistisch, auch wenn es mich nicht zufriedenstellen kann.
Ein sehr packender und spannender Thriller, den ich nur empfehlen kann.