Rotkäppchen und der böse Wolf

Erschienen: Januar 1945

Bibliographische Angaben

  • London: Collins, 1941, Titel: 'N or M?', Seiten: 192, Originalsprache
  • Bern: Scherz, 1945, Titel: 'Das Haus der Mrs. Perenna', Seiten: 206, Übersetzt: Lucy von Jacobi
  • Bern; Stuttgart; Wien: Scherz, 1950, Seiten: 190, Übersetzt: Lucy von Jacobi
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1974, Seiten: 170, Übersetzt: Lucy von Jacobi
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1996, Seiten: 179, Übersetzt: Lucy von Jacobi, Bemerkung: überarbeitete Fassung
  • Frankfurt am Main: Scherz, 2003, Seiten: 206, Übersetzt: Lucy von Jacobi, Bemerkung: überarbeitete Fassung
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2006, Seiten: 206, Übersetzt: Lucy von Jacobi, Bemerkung: überarbeitete Fassung

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Peter Kümmel
Hat auch nach über 60 Jahren keinen Staub angesetzt

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Eine der ungewöhnlichsten Serien der Kriminalgeschichte dürfte Agatha Christies Reihe um das Ehepaar Tommy und Tuppence, genannt "Nickel" Beresford sein. Denn die Serie lief zwar ingesamt über fünfzig Jahre lang, umfasst aber trotzdem nur fünf Bücher, davon ein Band mit Kurzgeschichten. "Ein gefährlicher Gegner" war Christies zweites Buch überhaupt. Dort ermittelt das Ehepaar beim Geheimdienst im ersten Weltkrieg.

Nach einem zwischenzeitlichen Storyband erschien dann fast zwanzig Jahre später der zweite Fall der Beresfords: "N or M?". Und das Buch hat auch nach über 60 Jahren noch keinen Staub angesetzt. Selbst bei Spionageromanen schafft es die britische Altmeisterin, die Handlung in einem abgeschlossenen Personenkreis spielen zu lassen und macht mangels Mord aus einem "Whodunit" einfach einen "Whoisit".

Es ist das Frühjahr des Jahres 1940 und England leidet unter den Plagen des zweiten Weltkriegs. Tommy Beresford und seine Frau Nickel sind Mitte vierzig und nicht mehr gefragt. Keine Verwendung für Tommy in der Armee, kein Bedarf für Nickel in der Krankenpflege. Und erst recht nicht im Geheimdienst, für den man früher tätig war. Bis eines Tages ein Mr. Grant vor der Tür steht. Als Freund des ehemaligen Chefs des Geheimdienstes stellt er sich vor und bietet Tommy einen Job im Büro an.

Doch als Nickel das Haus verlässt, kommt er zur Sache: ein geheimer Auftrag wartet auf Tommy. Gesucht wird "der innere Feind", gesucht werden "N und M", ein Mann und eine Frau, deutsche Agenten. Ein Mitarbeiter, der ihnen auf der Spur war, wurde bei einem angeblichen Unfall getötet. Seine Spur führt in eine Fremdenpension in einer kleinen Stadt an der Südküste.

Nach einer der Verwirrung dienenden Reise über Schottland mietet sich Tommy dort ein und findet eine weitgehend unverdächtige Gesellschaft vor: die Pensionswirtin mit ihrer erwachsenen Tochter, ein ehemaliger Major, eine ältere Dame, ein Flüchtling aus Deutschland, ein Hypochonder mit seiner Frau, eine Mutter mit Kind, eine alte Jungfer sowie Mrs. Blenkensop, die niemand anderes ist als Nickel Beresford. Natürlich hat sie das Gespräch zwischen Grant und ihrem Mann belauscht und lässt sich das Spionagespiel nicht entgehen.

Wie man es von Christie gewohnt ist, lenkt sie nun den Verdacht geschickt von einer Person auf die nächste und lässt aufgrund verquerer Logik sowohl Schluß als auch Gegenschluß gleichermaßen zu. Ein deutscher Spion wird sich ja wohl nicht eine Tarnung als deutscher Flüchtling zugelegt haben, das wäre zu offensichtlich. Obwohl, gerade weil es so einfach wäre, würde ihn das eher unverdächtig machen.

Am Ende ist es dann meist jemand, den man überhaupt nicht auf der Rechnung hatte. Doch hier kann durch einzelne Ereignisse und Benehmen von Personen auch der Leser bereits frühzeitig die richtigen Schlüsse ziehen. Dennoch ist man bei manchen Charakteren hin und her gerissen, auf welcher Seite sie nun stehen.

Wie die meisten Christies, so lässt sich auch dieser bequem an einem Urlaubstag lesen und dabei gut entspannen. Und wer schon allzu viele Christies kennt und des oftmals widerkehrenden Schemas bei den Poirots und Miss Marples überdrüssig ist, dem sei dieser doch etwas andere Roman empfohlen. Woher der seltsame Titel "Rotkäppchen und der Wolf" kommt, das erschließt sich dem Leser erst am Ende.

Rotkäppchen und der böse Wolf

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Letzte Kommentare:
12.07.2009 21:17:57
Krimi-Tina

Tommy und Tuppence Beresford haben einen Auftrag. Es gilt (wir haben den zweiten Weltkrieg) eine Spion aus den eigenen Reihen zu entlarven.
Klingt jetzt ganz und gar nicht nach Agatha Christie . Aber der großen alten Dame gelingt es im Handumdrehen aus dieser Spionagegeschichte fast vollständig einen klassischen Landhauskrimi zu machen. Alle Verdächtigen sind in und um die Pension Sans Souci versammelt und es geht die übliche Indiziensucherei los. Nur das Ende ist Christie untypisch actionreich. Wobei da allerdings auch deutlich wird, dass derartiges nicht zu ihren Stärken gehört. Da spielt Kommissar Zufall ein wenig zu oft mit.
Mir war auch allein aufgrund der Darstellung der Personen einer der Hauptverdächtigen leider ziemlich früh klar.
Aber genug gemeckert, Tommy und Tuppence sind in ihrer erfrischenden Art alleine wert das Buch zu lesen, von den liebevoll gezeichneten anderen Charakteren ganz zu schweigen. Und ein paar intelligente Anmerkungen zum Thema Patriotismus gibt es obendrein. Lesenswert.

24.03.2007 15:23:35
Missy Marple

Mein Kommentar: Wow.
Erst dachte ich: Naja, wird wohl nicht soooo apannend. Kriegsgeschichte eben.
Jetzt ist dies mein Liblingschristie. Total gut. Der typische versteckte schwarze Humor, das neue schreckliche "ich werde beobachtet"-Kriegsgefühl, viel Stoff zum nachdenken,...

30.09.2006 19:20:31
Kathrin

Ich bin eigentlich von allen Christies begeistert. So auch bei "Rotkäppchen und der böse Wolf". Mich interressieren zwar normalerweise keine Kriegsgeschichten, aber Tuppence und Tommy sind in ihrer Pfiffigkeit einfach nicht zu toppen. Das Lesen dieses Buches ist für alle Christie-Fans ein Muss!

12.06.2006 18:40:37
Stephan

Wie oben schon genannt ist der Roman sehr durchschaubar und kann daher mit Bestsellern von John Grisham oder Dan Brown nicht mithalten. Jedoch finde ich, dass das Buch sehr einfach zu lesen ist und somit der ideale Freizeitspaß ist!

24.02.2006 20:23:30
Bettina

Habe es anfangs nur der Vollständigkeit halber gelesen, weil mich so Kriegshandlungen in dem Sinn normal nicht interessieren, aber A.C. hat es mal wieder geschafft, mich vollkommen vom Gegenteil zu überzeugen. Das Buch ist wirklich klasse, sehr spannend und zum Schluss habe ich mal wieder die falsche Person verdächtigt. A.C. ist eben wirklich die "Queen of Crime".

02.10.2005 08:50:51
Ham

Eigentlich ist die Story eine Agentengeschichte und kein Krimi. Daher fällt auch die Suche nach einem Motiv aus. Dennoch ein typischer "Who\'s-done-it?".
Leider ist dieser Roman sehr durchschaubar, so wußte ich bereits nach der Hälfte, wer der Täter ist, inkl. der richtigen Begründung. Bei guten Christies habe ich dazu meist keine Chance. Für Fans okay, muss man aber nicht gelesen haben...65°.

11.07.2005 09:45:32
Viktoria

Ein tolles Buch, ich konnte gar nicht aufhören zu lesen. Die Ganzen Verwirrungen und Verdächtigungen der Beiden, fesseln dich so an das Buch. Am Ende ist man dann überrasscht wer der wirkliche Täter war! Auf den man nie im Leben gekommen wäre. Eine Meisterleistung wie all ihre bücher

02.12.2004 11:03:23
Martin Haider

Es ist ziemlich spannend aber doch sehr lustig. Das man über den 2. Weltkrieg sehr viel erfahrt. Agatha Christie schrieb schon sehr viele Bücher und sie sind große Bestseller ich kann das nur sehr gut empfehlen und wünsche euch viel Spaß an diesem Buch.

29.03.2004 18:34:42
Sam

ein buch voller spannung, witz und liebe
phu ich konnte einfach nicht aufhörn, eien tag hab ich grad mal gebraucht, man kann einfach nicht aufhörn

13.08.2003 17:18:04
Anja S.

guter Krimi

05.05.2003 14:02:29
franz

Spannend von Beginn an, muß man in einem durchlesen, Pausen machen ist nicht leicht möglich. TIPP !!!!

16.04.2003 12:38:06
Marc

Der zweite Weltkrieg ist im vollen Gange und die Nazis planen, über ein kleines englisches Kaff an der Küst, auf die Insel überzusetzen. Die Mitteilung eines ermordeten englischen Agenten führt Tuppence und Tommy Beresford in das kleine Strandhotel "Sanssouci", wo ein gefährlicher deutscher Doppelagent auf die beiden wartet.
Spannung pur mit dem erfrischenden Ermittlerehepaar!

Gruß Marc