Die Braut

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Amsterdam: Cargo, 2016, Titel: 'Samen', Seiten: 315, Originalsprache
  • München: Blanvalet, 2018, Seiten: 416, Übersetzt: Simone Schroth

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Annette Wolter
Bonnie und Clyde in Alabama

Buch-Rezension von Annette Wolter Mär 2018

Ist der Mann, in den Mackenzie sich verliebt, wirklich unschuldig?

Nein, es geht nicht um eine Braut, die für ISIS in den Krieg zieht, aber auch das Thema "einsame Frau verliebt sich in attraktiven Serienkiller" findet in der Realität öfter statt als man denkt. Hier spielt die Story allerdings in einem kleinen Hill-Billy-Kaff in Alabama, wo die Menschen ihre eigenen Werte und Moralvorstellungen haben. In diesem Ort taucht plötzlich Mackenzie Walker wie aus dem Nichts auf, fängt als Kellnerin an zu jobben und sucht exzessiv Kontakt zum verurteilten Serienmörder Matt Walker.

Mackenzie glaubt fest an die Unschuld des einfühlsamen Mannes und beide kommen sich immer näher. Schließlich heiraten sie, was in dem Kaff den ""Super Gau" auslöst. Alle sind gegen Mackenzie die mit Matts Anwalt den "Kampf gegen Windmühlen" aufnimmt. Ein sympathischer Polizeiermittler versucht Mackenzie von Matts Schuld zu überzeugen, aber sie ist absolut resistent gegen jegliche Beratung; auch die Tipps und Bedenken von ihren wenigen Freunden bleiben ungehört.

Das Serienmörder-Phänomen

Es gibt immer wieder Frauen, die sich in Gewalttäter und auch brutale Mörder verlieben. Nicht nur solche, die vielleicht unschuldig verurteilt sind, sondern auch in die, die definitiv gewalttätig und mehr sind.

Das ist ein interessantes Phänomen, denn diese Frauen wissen tief in ihrem Herzen, dass diese Liebe nie eine Zukunft hat. Im wahren Leben dürfen verurteilte Serientäter Frauen (vor allem in den Hochsicherheitsgefängnissen in den USA) tatsächlich nicht im Gefängnis empfangen, auch nicht zur einmaligen "Hochzeit" und dem danach. Bekannt ist, dass zum Beispiel der attraktive Serienkiller aus den 1970er Jahren, Ted Bundy, "tonnenweise" Liebesbriefe und Heiratsanträge bekam.

Mit einem flüssigen Schreibstil und einer klaren und schnörkellosen Sprache erzählt die Autorin die Geschichte von Mackenzie Walker, einer jungen Frau, die einen verurteilten Serienmörder heiratet und ihm zur Flucht verhilft. Nicht nur das Umfeld von Mackenzie ist geschockt, auch als Leser fragt man sich, warum eine junge Frau eine Bindung zu einem Mörder eingeht, die zudem keinerlei Zukunft hat?

Verfolgt Mackenzie eine "versteckte Agenda"?

Terpstras Thriller liest sich völlig unaufgeregt - und dennoch ist man von der ersten Seite an gefesselt. Die verschiedenen Handlungsstränge und der Plot an sich verbreiten eine ganz besondere, emotionale, spannungsvolle und knisternde Atmosphäre. Erst nach und nach entwirrt die Autorin die vielen roten Fäden, die zu einem halbwegs überraschenden und mehr oder wenigen schlüssigen Ende führen.

Der geübte Krimi-Leser wird aber nicht lange im Dunkeln tappen.

Viele, ganz unterschiedliche Charaktere hauchen der Story Leben ein. Neben einigen, zwar nur verschwommen gezeichneten Nebendarstellern, sind es vor allem Mackenzie Walker und Matt Ayers, die die Geschichte zu etwas Besonderem machen. Mackenzie, eine sympathische, aber völlig naiv wirkende junge Frau, die ihre Ziele dennoch mit bewundernswerter Stärke verfolgt und Matt, bei dem man sich tatsächlich nicht sicher ist, was Sache ist. Ist er schuldig oder ist alles eine fiese Intrige?

Etwas unglaubwürdig ist, wie diese Frau in der Hochsicherheitstrakten des US Gefängnisses im Todestrakt ein und ausgeht. Das kann in der realen Welt wohl so nicht passieren. Auch die Gefängniswärter werden reichlich eindimensional gezeichnet. Hier kommt wirklich der Gedanke, dass es sich bei einigen um KZ- Aufseher handeln könnte. Der kleine Ort in Alabama ist allerdings in seiner reaktionären Einzigartigkeit sehr gut gezeichnet.

Mein Fazit:

Mit ihrem neuen Werk "Die Braut" beweist Terpstra abermals, dass sie auch ohne viel Blutvergießen und rasante Action spannende Unterhaltung bieten kann. Zwar überzeugt mich der Titel wegen einiger Ungereimtheiten nicht zu 100 Prozent, aber ich habe das Buch sehr schnell gelesen. Der spannungsgeladene, vielschichtige Plot, die interessant und lebensnah gezeichneten Charaktere und ein toller, flüssig zu lesender Schreibstil bieten kurzweiliges und unterhaltsames Lesevergnügen, ganz ohne reißerische Actionszenen. Für alle, die facettenreiche und ruhigere Thriller bevorzugen, absolut empfehlenswert!

An einigen Stellen ist das Ganze etwas unglaubwürdig, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Abzug gibt es für den schrecklichen Vornamen der Protagonistin. Mackenzie. Da muss man erstmal drauf kommen!

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