Der Unfall auf der A35

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Glasgow: Contraband, 2017, Titel: 'The accident on the A 35', Originalsprache
  • München: Europaverlag, 2018, Seiten: 301, Übersetzt: Claudia Feldmann

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Jörg Kijanski
Meister der Entschleunigung

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2018

1982. November. Dienstag. Nachts. Regen. Der Wagen von Bertrand Barthelme kommt auf der A35 von der Fahrbahn ab und prallt gegen einen Baum. Jede Hilfe kommt zu spät. Kommissar Georges Gorski fährt umgehend zur Familie des Opfers, um die schlechte Nachricht zu überbringen. Schließlich ist er der Polizeichef von Saint-Louis und Barthelme gehörte zu dessen Honoratioren. Lucette, die deutlich jüngere Ehefrau und ihr Sohn Ramond nehmen die Neuigkeit auffällig gefasst auf.

Eigentlich könnte Gorski den Fall zu den Akten legen, denn vermutlich war das Opfer nach reichlichem Alkoholgenuss einfach am Steuer eingeschlafen. Aber Gorski, dessen Ehe gerade den Bach hinunter geht, hat nichts dringendes zu erledigen und so geht er der Frage der attraktiven Lucette nach, warum ihr Mann überhaupt auf der A35 gewesen sei, denn jeden Dienstag ginge er doch mit seinem "Club" in ein Restaurant in Saint-Louis? Die angeblichen "Club"-Mitglieder wissen weder etwas von einem Club noch von regelmäßigen Treffen, was wiederum Gorskis Neugier weckt. Von dieser wird auch der 17-jährige Raymond erfasst, der im Schreibtisch seines Vaters einen in weiblicher Handschrift verfassten Zettel mit einer Adresse in Mülhausen findet...

Mit diese Buch gelingt dem Schotten ein weiteres Kabinettstück

"Graeme Macrae Burnet, das ist die größte literarische Sensation, die Schottland in den letzten Jahren hervorgebracht hat", so wird Marcus Müntefering ("Der Freitag") auf dem Buchrücken zitiert. Mit "Sein blutiges Projekt" wurde Burnet weltbekannt und schaffte es auf die Shortlist für den Man Booker Preis 2016.

Tatsächlich war dieser Roman lesenswert, wenngleich die Handlung und deren Folgen über weite Strecken vorhersehbar waren. Mit "Der Unfall auf der A35" gelingt dem Schotten nun ein weiteres Kabinettstück, denn eigentlich gibt es überhaupt keinen Anlass in irgendeine Richtung zu ermitteln.

"Doch dann geht etwas schief. Vielleicht wird die willige Geliebte gierig, oder vielleicht treiben sie es einfach zu wild, jedenfalls erdrosselt unser respektables Mitglied der Gesellschaft sie und flüchtet. Auf der Heimfahrt überkommt ihn die Reue, und er lenkt den Wagen absichtlich von der Straße. Oder vielleicht verliert er in seiner Aufregung die Kontrolle über das Fahrzeug. Das ist nicht wichtig. Aber sagen Sie nicht, Georges, das wäre keine spannende Geschichte."

"Es ist vielleicht eine spannende Geschichte, aber deshalb muss sie noch lange nicht wahr sein."

Am Abend des Unfalls wurde in Straßburg die Prostituierte Véronique Marchal ermordet und da die A35 von Straßburg nach Saint-Louis führt, könnte es doch sein & Dumm nur, dass die Strecke von zahlreichen Autofahrern genutzt wird, und so lässt sich der ermittelnde Kollege in Straßburg auch gar nicht erst auf eine Diskussion mit Gorski ein.

Im weiteren Verlauf wird sich das ändern, so dass wenigstens ein bisschen Spannung aufkommt. Derweil ermittelt Raymond über die Adresse in Mülhausen und lernt dabei eine junge Frau kennen, die die Welt des pubertierenden Teenagers ins Wanken bringt.

Der Mief der Kleinstadt und die Gefahren der Pubertät

Der vorliegende Roman lebt von der Tristesse der Kleinstadt Saint-Louis, mit ihren rund 20.000 Einwohnern im Länderdreieck von Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Hier leben die, die keine Kraft haben wegzuziehen - oder aus irgendeinem Grund mit ihrem Durchschnittsleben zufrieden sind.

Einige Kaffees und Kneipen bilden den kulturellen Mittelpunkt des Stadtlebens, jeder kennt jeden und nicht wenige fragen sich, wozu die Stadt einen Polizeichef benötigt.

Da Gorskis Ehe sich in ihrer Endphase befindet, greift der Ermittler immer mehr zum Alkohol - auch tagsüber. Gut, dass es eigentlich nichts zu ermitteln gibt, doch ausgerechnet jetzt lässt sich der Straßburger Kollege auf Gorskis Hirngespinst ein.

Dem 17-jährigen Raymond ergeht es nicht besser. Die Beziehung zu seiner Freundin wird auf eine harte Probe gestellt, erste sexuelle Erfahrungen hin oder her. Der Tod seines Vaters bietet zudem eine willkommene Ausrede, die Schule zu schwänzen und stattdessen in Mülhausen dem Geheimnis der Zettelnotiz aus Vaters Schreibtisch nachzugehen. Am Ende wird Raymond dies bitter bereuen.

Der Mord wird am Ende gewissermaßen so nebenbei aufgeklärt

Es ist ein düsterer Plot, in dem neben Kleinstadtmief die verkorksten, inhaltsleeren Leben mehrer Menschen im Mittelpunkt stehen. Literarisch durchaus anspruchsvoll umgesetzt, nur wird daraus allein noch kein spannender Kriminalroman. Im Gegenteil, wer bei allen zwischenmenschlichen Dramen nicht genau hinsieht, überliest womöglich gar die unauffällige Stelle, an der der Mord an Véronique Marchal en passant aufgeklärt wird.

Der Unfall auf der A35

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Letzte Kommentare:
02.03.2019 14:59:10
PMelittaM

Bertrand Barthelme verunglückt tödlich auf der A35, zwischen Straßburg und Saint Louis, wahrscheinlich ein Unfall, ein paar Ungereimtheiten und die Bitte der Witwe veranlassen den Polizeichef des elsässischen Saint Louis, George Gorski, aber dennoch zu Ermittlungen. Diese gestalten sich nicht immer leicht und Gorski hat zudem mit privaten Problemen zu kämpfen.

Raymond, der 17jährige Sohn des Verstorbenen begibt sich auf seine Weise auf die Spuren seines Vaters. Ein Zettel in der Schreibtischsch Eine große Rolle im Leben Raymonds spielt Satre und sein Werk.

Der Autor hatte mich bereits mit seinem Roman „Sein blutiges Projekt“ überzeugt und ich freute mich auf weitere Lektüre aus seiner Feder. Dass der Brite seine Geschichte nach Frankreich verlegt, und wieder ein anderer als ursprünglicher Autor herangezogen wird, ist eine kleine Überraschung, dass er aber auch sehr „französisch“ schreibt, gefällt mir richtig gut. Auch ist die Geschichte (wieder) nicht in der Gegenwart angesiedelt, sondern einige Jahrzehnte in der Vergangenheit, was man in manchem merken kann, z. B. in der Abwesenheit von Handys. Tatsächlich ist es bereits der zweite Roman, der sowohl dem anderen Autor, Raymond Brunet zugerechnet wird, als auch Georges Gorski ermitteln lässt, nun, laut Vorwort gab es ja auch zwei Manuskripte von diesem (woraus man leider schließen muss, dass keine weiteren Romane mit Georges Gorski zu erwarten sind).

Krimileser könnten von der Geschichte enttäuscht sein, sie ist in meinen Augen weniger Krimi als eine Art psychologischer Studie eines Todes und seiner Folgen. Vor allem Raymonds Umgang mit dem Tod seines Vaters steht im Mittelpunkt der Handlung – im Nachwort wird überlegt, inwieweit der „Autor“ Raymond Brunet hier biografisch erzählt, und inwieweit es sich um eine wahre Geschichte handelt, ja sogar, inwieweit Romane überhaupt wahr sein müssen – hier bezieht sich der Autor auf Satre und dessen Werk, das auch für Raymond große Bedeutung hat.

Aber auch Gorski erhält viel Raum, und zwar nicht nur Dienstliches sondern auch Privates, und auch hier ist es mehr der Umgang mit dem „Fall“ und weniger ernsthafte Ermittlungsarbeit, die man zu lesen bekommt. Spekulieren kann man trotzdem ein bisschen und auch eine gewisse Spannung ist vorhanden. Der Autor erzählt wieder sehr eingängig, so dass man zügig vorankommt. Ich las den Roman sehr interessiert und fühlte mich mitgenommen ins Geschehen. Interessant ist auch der Blick auf die Kleinstadt Saint Louis, die gleichsam mit portraitiert wird, und nicht gerade gut wegkommt. Auch mit dem Ende wird mancher seine Probleme haben, ich finde es aber sehr passend und habe den Roman zufrieden zugeklappt.

Man muss sich auf die Erzählweise einlassen und sollte keinen typischen Kriminalroman erwarten. Mich hat Burnet wieder voll und ganz überzeugt, ganz sicher werde ich weitere Romane von ihm lesen und bin gespannt wo und wie er seinen nächsten Roman ansiedelt. 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die nicht nur Mainstream-Kriminalromane bevorzugen.