Das Ende des Schweigens

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2018, Seiten: 528, Originalsprache

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Andreas Kurth
Mysteriöser Tod in der Bonzen-Datsche

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mär 2018

Susanne Ludwig will ein paar Tage Urlaub in einer Lauben-Kolonie in der Nähe von Neubrandenburg machen. Sie verwechselt die Einfahrt in das Areal, geht in die falsche Datsche und findet einen Toten.
Hans Konrad war unheilbar krank und wollte sich das Leben nehmen, aber zuvor wurde er erdrosselt. Die Polizei um Kommissar Michael Herzberg steht vor einem Rätsel, weil zunächst kein Motiv für den Mord erkennbar ist. Hans Konrad war als NVA-Major Kommandant einer berüchtigten Kaserne und hatte offenbar viele Feinde. Ins Visier geraten seine Stiefkinder Alexander und Ariane, aber auch frühere Soldaten, die unter seinem Kommando gedient haben. Herzberg, der selbst in der DDR unschuldig im Gefängnis saß, muss sich mit der Endphase des untergegangenen Staates und der unmittelbaren Nachwendezeit auseinandersetzen - was ihm unheimlich schwer fällt. Es hilft aber nichts, denn dort ist die Lösung zu finden.

Passender Tatort am schönen Tollensesee

Claudia Rikl hat mit "Das Ende des Schweigens" ihren ersten Roman vorgelegt. Die Leipzigerin widmet sich darin einem Kriminalfall um einem ehemaligen Offizier der Nationalen Volksarmee der DDR - und das Rahmenthema sind Schikanen und Selbstmorde in der Armee des untergegangen Systems hinter dem eisernen Vorhang. Tatort und damit Ausgangspunkt ist eine so genannte Datsche in der Nähe von Neubrandenburg. So wurden in der DDR - nach russischem Vorbild - Wochenendhäuser unterschiedlicher Größe bezeichnet, die am Rande nahezu jeder Stadt zu finden waren und es noch heute sind.
Neubrandenburg liegt am nördlichen Ende des Tollensesees, das ist einer der größten Seen der mecklenburgischen Seenplatte. Die Autorin hat in meinen Augen eine überaus passende Location für ihren Kriminalfall ausgewählt, denn die Bonzen-Datschen am Tollensesee gab es wirklich zuhauf. Neubrandenburg ist heute Kreisstadt, zu DDR-Zeiten war es eine der 15 Bezirkshauptstädte. Und Neubrandenburg war der Sitz des Militärbezirks V in der DDR. Dadurch gab es dort reichlich Partei- und Militärkader - so wie Hans Konrad. Alt-Panthin, im Roman Standort der Kaserne, deren Kommandant der Major war, ist allerdings ein fiktiver Ort. Aber die beschriebene Kaserne dürfte stellvertretend für zahlreiche Standort der NVA stehen. Auf jeden Fall gewinnt man als Leser den Eindruck, dass Claudia Rikl für ihren Roman akribisch recherchiert hat.

Ludwig und Herzberg sind hochinteressante Protagonisten

Susanne Ludwig, die Entdeckerin der Leiche, ist eine recht ungewöhnliche Protagonistin. Es wird nie ganz deutlich, wo und wie sie traumatisiert wurde. Aber sie rappelt sich trotz ihres Medikamenten-Missbrauchs immer wieder auf, um in dem Fall zu recherchieren. Dabei erweist sich die Journalistin als cleverer, als man es zu Beginn der Geschichte vermuten möchte. Das Rätsel um Susanne Ludwig und ihre Geschichte ist eine starke Nebenhandlung, die eine ganz eigene Spannung entwickelt.

Das gilt gleichermaßen für den Polizisten Michael Herzberg zu. Er landete im Gefängnis von Bautzen, weil er ein falsches Buch gelesen haben soll. Der Leser erfährt nicht, welches Buch das war - und warum Herzberg scheinbar willkürlich deswegen verurteilt wurde. Nur in kleinen Bruchstücken bekommt der Leser Einblicke in die Vergangenheit von Herzberg. Insgesamt ein Ermittler voller Widersprüche, was ihn besonders interessant macht. Nach eigener Aussage arbeitet Claudia Rikl übrigens bereits am zweiten Band mit Michael Herzberg.

Eine gut erzählte und überaus spannende Geschichte

Der Autorin ist es gelungen, einen durchgehend Spannungsbogen zu schaffen. Sie legt viele falsche Fährten für Ermittler und Leser. Ob jüngere Leser mit dem Thema NVA und Nachwende-Zeit wirklich viel anfangen können, mag fraglich sein. Aber die Kriminalgeschichte ist so angelegt, dass man die Situation zum Ende der 80er Jahre durchaus nachvollziehen kann - die Motivlage des Mörders wird deutlich. Insgesamt also eine gut erzählte und überaus spannende Geschichte.

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