Die Affäre Carambol

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Stuttgart: Tropen, 2018, Seiten: 224, Originalsprache

Couch-Wertung:

70°
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Andreas Kurth
Napoleon und die Mehl-Verschwörung

Rezension von Andreas Kurth Jan 2018

Frankfurth am Main zur Zeit der französischen Besatzung. Die Dichter Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe werden in die Stadt gerufen, um in einem ziemlich merkwürdigen Kriminalfall zu ermitteln. Die Stadträte haben Kenntnis von berittenen Boten in 121 Garnisonsstädte erlangt. Diese Kuriere, nicht vom Stadtrat beauftragt, wecken die Befürchtung, dass sich in der Stadt eine geheime Verschwörung anbahnt. 

Kurz darauf werden auch noch zwei Mitglieder des Stadtrats ermordet. Goethe und Schiller sollen inoffiziell ermitteln, was es mit diesen Vorfällen auf sich hat. Die beiden machen sich mit viel Enthusiasmus an ihre Recherchen. Offenbar spielen geheim gehortete Mehl-Vorräte ein wichtige Rolle - und die beiden Dichter-Detektive geraten schnell in höchste Gefahr.

Stefan Lehnberg plant 13 Folgen seiner Krimi-Reihe

Nach "Durch Nacht und Wind" hat Schauspieler und Comedy-Autor Stefan Lehnberg mit "Die Affäre Carambol" nun schon seinen zweiten Kriminalroman um das Ermittler-Duo Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe vorgelegt. Man muss den ersten Band - der von den Lesern der Krimi-Couch sehr wohlwollend aufgenommen wurde - nicht gelesen haben, um in diesen Frankfurter Fall hinein zu finden.

Der Tropen-Verlag hat mit Lehnberg offenbar einiges vor, die Bücher der Reihe sind hochwertig aufgemacht und werden vom Verlagsmarketing kräftig gepusht. Dabei sprechen die Romane ganz für sich, die von Stefan Lehnberg benutzte altmodische Sprache ist dazu geeignet, den Leser in diese so andere Zeit zu versetzen. Aber auch der Autor selber hat einiges vor, im Interview mit der Krimi-Couch sprach er davon, 13 Bände dieser Reihe schreiben zu wollen.

Lehnberg hat erneut gut und umfangreich recherchiert

Im Unterschied zum ersten Band tritt Hofrat Friedrich Schiller in einer neuen Rolle auf. Er ist deutlich selbstbewusster gegenüber seinem Freund Goethe. Das mag daran liegen, dass der Geheimrat in seiner Heimatstadt Frankfurt in amouröse Verstrickungen gerät, die sein Urteilsvermögen zeitweise offenbar zeitweise eintrüben. Goethes Schwärmerei für eine ominöse Gräfin spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle, mehr wird hier aus dramaturgischen Gründen nicht verraten.

Stefan Lehnberg hat den historischen Hintergrund in meinen Augen ausgezeichnet recherchiert. Er baut einige Begriffe in die Geschichte ein, die eifrige Leser möglicherweise gleich mal bei Google nachschauen. So werden nur wenige zuvor wissen, dass "Terzerol" eine am Beginn des 19. Jahrhunderts weit verbreitete Schusswaffe war.
Ähnlich verhält es sich mit dem Namensgebenden "Carambol" - hierzu mag der Leser selber sehen, was er in Erfahrung bringt.

Der Autor kann seine komische Ader nicht verleugnen

Stefan Lehnberg zeigt auch mit seinem zweiten Roman, dass er eine Geschichte gut erzählen kann. Die Dialoge sind authentisch, und die Situationskomik wirkt nie künstlich. Im Grunde kein Wunder bei einem Autor, der aus dem komödiantischen Fach kommt. Lehnberg sagt dazu, er plane die Komik nicht eigens ein, sondern das falle ihm beim Schreiben halt ein. Er kann nicht anders - aber das ist auch gut so.

Lesefreundlich ist die Einteilung des Buches in 37 Kapitel unterschiedlicher Länge.

Goethe ist - trotz seiner amourösen Ablenkung - insgesamt der bessere Ermittler. Als Leser sympathisiert man dann allerdings schnell eher mit Schiller, der einerseits die dramatische Geschichte erzählt, andererseits nicht so arrogant und abgehoben wirkt wie der Geheimrat Goethe.

Auch Stefan Lehnbergs zweiter Roman mit Goethe und Schiller als amüsantes und skurriles Ermittler-Duo vermag bestens zu unterhalten. Atemlose Spannung kommt immer dann auf, wenn die beiden dem Rätsel vermeintlich näher kommen, oder in höchste Gefahr geraten. Leben und Werk der beiden Dichter spielen immer wieder eine Rolle, was als schmückendes Beiwerk hochinteressant ist. Ein feiner Schmöker für ein langes Wochenende.

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