Die Morde von Pye Hall

Erschienen: März 2018

Bibliographische Angaben

  • London: Orion, 2016, Titel: 'Magpie murders', Seiten: 464, Originalsprache
  • Hamburg: Jumbo, 2018, Seiten: 8, Übersetzt: Katja Danowski & Bodo Wolf

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Michael Drewniok
Wenn’s schon einmal mörderisch gut geklappt hat …

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2018

Cloverleaf ist ein kleiner und feiner, jedoch wirtschaftlich nicht mehr erfolgreicher Buchverlag, dessen Wohl oder Wehe von einem einzigen Zugpferd abhängt: Alan Conways Kriminalromane um den deutschstämmigen Meisterdetektiv Atticus Pünd sind zwar deutlich an die Rätselkrimis à la Agatha Christie angelehnt, finden aber gerade deshalb ein begeistertes und kopfstarkes Publikum.

So ist Lektorin Susan Ryeland froh, als Conway pünktlich zum Weihnachtsgeschäft das Manuskript zu einem neuen Pünd-Thriller einreicht. Es erzählt vom Mord an einem rücksichtslosen, herrschsüchtigen Gutsherrn und bietet die für das Genre wichtige und vertragsgemäß von Conway gelieferte Mischung aus detektivischer Raffinesse und verdächtigen Machenschaften.

Allerdings fehlen die entscheidenden Schlusskapitel des Manuskripts, in denen Atticus Pünd zum großen Finale lädt, den Fall klärt und der Täter entlarvt. Kurz darauf steht fest, dass Conway es nicht nachreichen wird: Er hat sich auf seinem Landgut von einem Turm gestürzt. Einem Abschiedsbrief kann entnommen werden, dass er unheilbar erkrankt war und langes Leiden vermeiden wollte.

Ryeland will wenigstens die fehlenden Kapitel sichern und reist zum Ort des Geschehens. Doch weder als Datei noch als Ausdruck oder handschriftlich liegen die Seiten vor. Stattdessen stößt Ryeland auf die Spuren eines Mannes, der keineswegs der war, der zu sein er vorgab. Conway hütete hässliche Geheimnisse. Man hasste ihn, weshalb sich Ryeland fragt, ob der Autor vom Turm gefallen ist oder gestoßen wurde …

Literarischer Mord wird gefährlich real

Seit geraumer Zeit konzentriert sich der britische Autor Anthony Horowitz auf die kriminalliterarische Vergangenheit und hier – Herkunft verpflichtet! – auf den angelsächsischen Rätselkrimi, der seine »Goldene Ära« vor dem Zweiten Weltkrieg hatte, ohne jedoch jemals auszusterben. Nach wie vor gibt es ein Publikum, das unter einem Krimi ganz klassisch die spannend zu lesende Auflösung eines Kapitalverbrechens erwartet. Hinzu kommt der Nostalgie-Faktor: Auch (und gerade) im 21. Jahrhundert werden »Whodunits« in eine »gemütlichere« Vergangenheit verlegt, als das Leben (angeblich) weniger kompliziert war und selbst ein Mord als sportliche Herausforderung betrachtet werden konnte.

Während viele Autoren es dabei bewenden lassen, wollen oder können andere nicht ausblenden, dass sich die Zeiten geändert haben. Horowitz fährt jedenfalls zweigleisig. Er legt einerseits einen lupenreinen Als-ob-Rätselkrimi vor, wie er »einst« erschienen sein könnte, bettet ihn jedoch andererseits in eine Rahmenhandlung ein, die in der Gegenwart spielt und als »moderner« Krimi konzipiert ist, der sich nicht nur spielerisch um Mord dreht, sondern die Realität sowie die persönlichen Befindlichkeiten der Figuren einfließen lässt.

Präsentiert wird uns diese Kombination als Vexierspiel: Das zunächst präsentierte Atticus-Pünd-Mysterium sollte deshalb nicht »nur« zum Vergnügen gelesen werden, denn Horowitz spickt es mit Hinweisen auf eine düstere Meta-Ebene. Der fiktive Autor Alan Conway verschlüsselt nicht nur sein Leben, sondern spart auch keineswegs mit boshaften Spitzen gegen seine Mitmenschen, die er verachtet, ausgenutzt und gedemütigt hat. Stellvertretend für die Leser spürt Susan Ryeland Conway nach, was sie selbst in Lebensgefahr bringt, da der verhasste Autor – dies preiszugeben ist wahrlich kein Spoiler! – tatsächlich nicht ohne Nachhilfe sein Leben ausgehaucht hat.

Wer sich in Gefahr begibt …

Stellt man »Fiktion« und »Bericht« gegenüber, muss man feststellen, dass die vom Verfasser angestrebte Wechselwirkung nur bedingt funktioniert. Viele Conway-Rätsel sind für das Geschehen unwichtig oder überhaupt belanglos. Horowitz ist ein wenig zu erfolgreich in seinem Bemühen klarzustellen, dass Conway quasi manisch mit seinem Publikum »spielte« und oft »nur« verletzen wollte.

In solchen Passagen wird deutlich, dass der moderne Krimi mit seinem Hang zum Psychologischen dem »Whodunit« keineswegs zwangsläufig überlegen ist: Wird der Mensch bzw. »das Menschliche« so wichtig wie oder gar wichtiger als »der Fall«, wächst die Gefahr, sich in fruchtlosen bzw. sich selbst befruchtenden und in Gang haltenden, die Handlung buchstäblich überwuchernden Spaziergänge durch seelische Untiefen zu verlieren. Horowitz gerät in dieser Hinsicht zwar nicht annähernd so ins Schwafeln wie beispielsweise Elizabeth George oder Tana French, vermag aber entsprechende Längen nicht zu vermeiden.

Faktisch lässt sich die Atticus-Pünd-»Hälfte« dieses Romans separat unterhaltsamer lesen als im gedachten Zusammenhang. Horowitz legt zwar offen, wie dreist sich »Conway« vor allem bei Agatha Christie bedient hat. (Atticus Pünd = Hercule Poirot ist nur die offensichtlichste »Parallele«.) Sollte er das allgemeinkritisch gemeint haben, hat er sich selbst ein Bein gestellt, denn Horowitz demonstriert, dass ein guter Schriftsteller die Altmeister/innen des Rätselkrimis kurzweilig variieren kann. Ein »echter« Literaturkritiker würde sicher anmerken, dass Horowitz Conways Pünd-Thriller als mechanisch-seelenloses Handwerk entlarven möchte. Stattdessen fällt eher auf, wie angenehm sich ein Krimi lesen lässt, der mit dem Psycho-Thriller höchstens liebäugelt.

Papier kann sehr scharf sein

Horowitz lässt den »realen« Teil seines Romans im modernen Buchverlagsmilieu spielen. Das ermöglicht ihm handlungsübergreifende Spitzen, die (hoffentlich) seinem Insiderwissen entspringen. Das Buch ist – zumindest in seiner gedruckten Version – angeblich ein Auslaufmodell. Auf jeden Fall ist das Verlagsgeschäft komplex bzw. schwierig geworden in einer Gegenwart, die einerseits digital und andererseits analphabetisch geworden ist. (Unterhaltungs-) Literatur ist heute jenseits romantischer Vorstellungen über künstlerische und geistige Werte mehr denn je eine Ware. Horowitz beschreibt – manchmal sarkastisch, nie allzu offensichtlich – die Folgen.

Mit 600 Seiten ist dieses Buch recht umfangreich geworden – ein weiteres Manko (zu) vieler moderner Kriminalromane. Dass dies hier nicht so durchschlägt, ist der besonderen Struktur zu verdanken, denn wie gesagt bekommen wir zwei Geschichten zum Preis von einer. Horowitz kann schreiben, Lutz-W. Wolff übersetzen, sodass »Die Morde von Pye Hall« sich über die Gesamtdistanz vergnüglich lesen lässt.

Anthony Horowitz scheint mit diesem Roman außerdem ausgelotet zu haben, ob die lesende Welt bereit ist für einen »modernen« Stand-Alone-»Whodunit« (oder einen »metafiktionalen Thriller«?). Mit »The Word Is Murder« (2017; dt. »Ein perfider Plan«) stellt er uns mit Daniel Hawthorne nicht nur einen modernen Sherlock Holmes vor, sondern schlüpft als »Anthony Horowitz, Bestseller-Autor«, in die Watson-Rolle. Die Ironie ist offenbar beim (angelsächsischen) Publikum angekommen, denn es gibt bereits einen weiteren Hawthorne/Horowitz-Thriller.

Die Morde von Pye Hall

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Letzte Kommentare:
22.01.2019 18:44:55
buchmarie2016

Immer, wenn ich ein neues Buch des Autors in der Hand habe, bin ich hin-und hergerissen. Ich freue mich auf Finesse - und habe gleichzeitg Angst, geblendet zu werden und irgendwann zu merken, dass es mehr Schein als Sein war. AUCH hier: Bis da. 7ü% des Buches war ich mitgerissen, dann hätte ich das Gefühl, dass die Kulissen entblättern und es würde etwas schal? Irgendwie erwartete ich nach all den vielen Hinweisen, den zwei komplexen Handlungen usw. Eine fulminante Auflösung. Aber die, die kam, war banal und vieles blieb einfach ungenutzt hängen. Trotzdem werde ich auch das nächste Buch wieder lesen. Wie bei zu süßer Schokolade. Man kauft sie trotzdem?

31.08.2018 14:01:35
Oldman

Dieser englische Krimi ist ja sowas von old school. Tatsächlich werden zwei verschiedene Geschichten erzählt, praktisch als Buch im Buch, und die eine spielt im sehr ländlichen England der 50er Jahre. So etwas muß man sich erst einmal ausdenken, und das Ergebnis ist m.E. erstaunlich gut gelungen.
Von der recht konstruierten Story soll hier nichts verraten werden, aber alle Krimileser, die an der Auflösung von Rätseln und ruhigen Erzählsträngen interessiert sind werden hier auf ihre Kosten kommen.

25.06.2018 15:12:05
-BuchLiebe-

Gelungenes Konzept

Das Buch ist gut geschrieben und problemlos zu lesen/verstehen.

Die Hauptfigur ist sympathisch und man kann sich problemlos in die Geschichte hineinversetzen. Die Nebenfiguren sind nicht alle unbedingt sympathisch und klar zu durchschauen, aber das sollte auch so sein und macht das Buch etwas realitätstreuer.

Das Buch liefert genau was man erwartet. Einen guten Krimi mit Spannung zum miträtseln. Allerdings keine Nerven zerreißende Spannung wie ich es von einem Thriller erwarten würde.
Die Spannung wird erzeugt durch kleine Sätze die geschickt in die Geschichte eingeflochten werden und einen Bezug auf einen späteren Punkt im Buch nehmen. Der Leser fragt sich was es damit auf sich hat und was wohl passieren wird. Diese Sätze findet man wohl dosiert an den richtigen Stellen. Den ersten findet man schon gleich auf der ersten Seite und sofort ist das Interesse geweckt und der Spannungsbogen wird aufgebaut.

Sehr interessant fand ich das Konzept vom Buch im Buch wo im Grunde zwei verschiedene Fälle aufgeklärt werden. In jedem Buch eins. 😉 Es ist auch optisch gut dargestellt, mit verschiedenen Schriftarten so dass man nie die Orientierung verliert. Das Konzept kannte ich vorher noch nicht und es hat mir wirklich gut gefallen. Mal was Anderes und hat dafür gesorgt, dass keine Langeweile aufkommt. Interessant ist auch wie in der „Realität“ Bezug auf das Buch genommen wird. So hat man nicht den Eindruck zwei verschiedene unabhängige Geschichten zu lesen, sondern eine Geschichte wo beides miteinander verwoben ist. Wie ich finde sehr gelungen.

Gefallen hat mir auch, dass man die ganze Zeit miträtselt. Beim Buch im Buch sowie in der „Realität“ des Buches.

Insgesamt hat das Buch einige wenige Längen, die mich aber nicht so sehr gestört haben.

Das Ende war dann nicht mehr ganz so unvorhersehbar und ich habe mich gefragt wieso die Hauptfigur da so naiv ist und nicht anders handelt. Wahrscheinlich war es nötig um nochmal ein spannendes Finale zu bekommen.

Fazit: Mir hat das Konzept gefallen und bei Geschichten waren spannend zum miträtseln. Die Umsetzung ist sehr gelungen, ich kann es empfehlen.

08.04.2018 18:54:37
c-bird

Wenn die Lektorin zur Detektivin wird...

Susan Ryeland ist als Lektorin bei einem Verlag tätig. Dieser vertreibt die Bestseller-Reihe rund um den Detektiv Atticus Pünd, der im Stil von Hercule Poirot ermittelt. Susan ist gerade dabei das neueste Manuskript des Erfolgsautors Alan Conway zu lesen, als sie bemerkt, dass die letzten Seiten fehlen. Zudem scheint der Autor verschwunden zu sein und da Susans beruflicher Erfolg abhängig ist vom Wohlergehen Conways macht sie sich selbst an die Ermittlungen.

Anthony Horowitz hat hier einen Krimi in einen anderen Krimi verschachtelt. Als Leser bekommt man zunächst auch das Manuskript zu lesen und wird in ein englisches Dorf mitten der 50er Jahre versetzt. Die Haushälterin Mary Blakiston wurde ermordet und es gibt genügend Verdächtige in dem kleinen Dorf mit seinen Geheimnissen. Dieser Teil, also das Manuskript ist in einer anderen Schriftform geschrieben, sodass man immer weiß, in welchem Teil der Geschichte man sich befindet. Doch dann endet das Manuskript und die letzten beiden Kapitel fehlen einfach. Hier setzt nun die Geschichte rund um Susan Ryeland an. Ich muss sagen, dass mir der Teil, der in dem englischen Dorf spielt viel besser gefallen hat. Man konnte sich unheimlich gut in die Geschichte hineinversetzen.
Erzählt sind beide Teile wieder nahezu perfekt, wenn auch auf verschiedene Weise. Hier zeigt Anthony Horowitz wieder seine meisterliche Erzählkunst, die ich schon von „Das Geheimnis des weißen Bandes“ kenne.
600 Seiten insgesamt, von denen gut die Hälfte auf das Manuskript entfällt. Den zweiten Teil fand ich etwas langatmig, ein paar Seiten weniger hätten der Geschichte gut getan.
Dennoch gebe ich meine absolute Leseempfehlung, allein schon wegen des guten Erzählstils und des spannenden Falls der „Morde von Pye Hall“.

26.03.2018 18:15:29
Miss Marple

Agatha lässt grüßen

Ein Buch im Buch präsentiert der Autor seinem Leser und schickt ihn mit Atticus Pünd-dem Privatdetektiv aus Alan Conways neuestem Roman- das Geheimnis der Morde von Pye Hall aufzuklären. Doch als seine Lektorin das Manuskript liest, fehlt am Ende das entscheidende Kapitel mit der so typischen Auflösung in Agatha Christie Manier. Doch als der Autor selbst zu Tode kommt (das steht bereits im Klappentext- was ich persönlich sehr schade finde), begibt sich Susan Ryeland selbst auf die Suche nach den fehlenden Seiten.
Anthony Horowitz führt den Leser auf spannende, verschlungene, detektivische Wege, die gesäumt sind von vielen Verdächtigen, um uns am Ende das Aha- Erlebnis haben zu lassen.
Es ist ein Krimi der klassischen Art, Schritt für Schritt werden wir an die Lösung gleich zweier Romane geführt. Er ist nicht reißerisch, wenn auch nicht ganz unblutig- denn das Schwert einer alten Ritterrüstung war zum passenden Moment an der richtigen Stelle.
„Die Morde von Pye Hall“ sei all denjenigen empfohlen, die echte Deduktion mögen ohne DNA und aufwendige Laborarbeit.

24.03.2018 14:23:38
Kerstin

Bei dem neuesten Werk von Anthony Horowitz handelt es sich um ein Buch im Buch. Am Anfang dreht sich alles um die Lektorin Susan Ryeland. Sie ist Lektorin und bekommt einen neuen Krimi des englischen Bestsellerautors Alan Conway auf den Tisch. Nach dem sie und dramatisch berichtet, wie sehr diese Geschichte ihr Leben verändert hat, tauchen wir den netten Englischen Krimi ein. Wer Fan von Agatha Christie ist, für denjenigen ist es ein nettes Buch im Buch. Wir finden uns nun in dem kleinen Örtchen Saxby on Avon in dem zwei rätselhafte Unfälle geschehen sind.
Ich muss sagen mich konnten beide Teile fesseln, einmal die eigentliche Geschichte mit Susan Ryeland die den Unfall ihres ungeliebten Bestsellerautors untersucht und auch nette Kriminalroman im Buch mit den beiden mysteriösen Unfällen. Man kann keinen Thriller erwarten. Sondern eine nette mit vielen Rätseln gespickte Geschichte. Klar weckt der Anfang mit den Worten der Lektorin „Dieses Buch wird mein Leben verändern“ sehr dramatisch, aber schnell wird klar, dass es nicht all zu schlimm wird. Zwischendurch hatte ich sogar etwas Bedenken ob der Autor es schafft die Geschichte zu einem gelungenen Abschluss zu bringen. Aber zu meiner freudigen Überraschung hat er es geschafft. Ich war bis zur letzten Seiten begeistert und sehr gut unterhalten.

23.03.2018 10:17:45
Darts

Susan Ryeland ist Lektorin bei Cloverleaf Book und hat sich fürs Wochenende das neueste Manuskript des Autoren Alan Conway mit nach Hause genommen. Sie und auch ihr Chef sind schon ganz gespannt auf den neuesten Fall des Detektivs Atticus Pünd. Die Detektiv Reihe hat den Verlag vor Jahren vor dem Ruin gerettet und dies ist bereits der achte Fall.
Susan liebt Detektivromane und Alan Conway knüpft an die Tradition von Agatha Christie und Arthur Conan Doyle an. Auch wenn sie den Autor nicht leiden mag, liest sie die Bücher sehr gerne. Aber gerade als Atticus Pünd den Täter bekannt geben will, endet das Manuskript abrupt. Es ist Sonntagnachmittag und sie versucht ihren Chef zu erreichen. Bis er zurückrufen wird, versucht sie selbst dahinterzukommen, wer wohl der Täter ist. Es gelingt ihr natürlich nicht und abends erfährt sie vom Tode des Autors.
Gleich am nächsten Morgen bespricht sie die Situation mit ihrem Chef. Der sieht das fehlende Kapitel nicht so dramatisch wie sie.
Und nun packt sie der Ehrgeiz, selbst einmal Detektiv zu spielen. Wo ist das fehlende Kapitel? Susan geht zur Beerdigung und beguckt sich die Besucher, später besucht sie einige Hinterbliebene, aber niemand weiß etwas darüber. Und war der tödliche Unfall überhaupt ein Unfall, oder doch Mord?
Das Buch ist raffiniert aufgebaut. Die erste Hälfte spielt im Jahre 1955, ein Detektiv, der ohne Handy oder Computer klar kommen muß. Nur sein gesunder Menschenverstand steht ihm zur Verfügung. In der zweiten Hälfte begleiten wir Susan, die auf ihre Weise versucht, einen Kriminalfall zu lösen und sich selbst in Lebensgefahr begibt.
Für mich persönlich finde ich es schade, dass meine Englischkenntnisse nicht ausreichend genug sind, das Buch in Originalsprache zu lesen. Denn die Hinweise im Buch, dass der Autor Alan Conway, bei allen Namen einen bestimmten Bezug hergestellt hat, sind mir eben, bis zu diesem Hinweis, verborgen geblieben.
Aber auch in der Übersetzung fand ich das Buch sehr gelungen und hatte einige vergnügliche Lesestunden.
Das gebundene Buch ist von der Aufmachung her gelungen, die Stärke des Papiers ist nicht so dick und fühlt sich gut an. Allerdings hat sich bei mir der Titel vom Umschlag durch 'falsche Handhabung'(ich habe es tatsächlich festgehalten beim Lesen!!) teilweise aufgelöst in silbernen Glimmer .
Ich bedanke mich bei Vorablesen und dem Insel Verlag, die mir ein Exemplar zeitnah und kostenlos zur Verfügung gestellt haben.

22.03.2018 14:28:55
leseratte1310

Bestsellerautor Alan Conway ist sehr wichtig für den Verlag Cloverleaf Books. Mit Spannung wurde schon das neue Manuskript um den Detektiv Atticus Pünd erwartet, doch beim Lesen gibt es eine Überraschung für Lektorin Susan Ryeland, denn das Manuskript ist nicht vollständig. Mit dem Autor kann sie die Sache nicht klären, denn der ist verschwunden. Ein merkwürdiger Brief lässt darauf schließen, dass er sich das Leben genommen hat. So bleibt Susan nichts Anderes übrig, als einerseits zu ermitteln, was mit Conway geschah, und andererseits das Ende der „Morde von Pye Hall“ herauszufinden.
Anthony Horowitz erzählt uns ein Buch in einem Buch. Unterschiedliche Fonts machen es leicht zu unterscheiden, in welchem Teil der Geschichte man sich befindet. Der Schreibstil dieses Krimis im englischen Stil ist außergewöhnlich, aber sehr flüssig zu lesen. Die vielen Charaktere sind alle gut und sehr individuell, teil skurril, beschrieben.
Das Dorf Saxby, in dem Atticus Pünd ermittelt, und seine Bewohner sind sehr bildhaft dargestellt, so dass ich mir alles sehr gut vorstellen konnte. Atticus Pünd ist ein Detektiv, der mit seiner charmanten Art ein wenig an Agatha Christies Hercule Poirot erinnert, zumal sein Assistent Fraser nicht gerade helle ist. In Pye Hall muss erst die Haushälterin Mary Blakiston dran glauben. Sie hat sich den Hals gebrochen. Unfall oder Mord? Dann trifft es den Gutsbesitzer Magnus Pye selbst.
Nachdem wir Atticus bei seinen Ermittlungen ein Stück weit begleiten durften, macht sich danach Susan Ryeland daran, herauszufinden, was geschah. Sie hat den Autor, mit dem sie schon so lange zu tun hatte, nie gemocht, aber auch sie musste anerkennen, dass seine spannenden Bücher beim Leser ankamen. Auch sie beweist detektivische Fähigkeiten und findet heraus, dass es im Umfeld von Conway eine Reihe von Leute gibt, die nicht traurig darüber sind, dass der Autor das Zeitliche gesegnet hat. Conway selbst träumte davon, große Weltliteratur zu schreiben und war mit seinen Erfolgen gar nicht so zufrieden.
Ich muss gestehen, dass es mir nicht gelungen ist herauszufinden, wer denn nun gemordet hat. Es gab einfach zu viele Hinweise und Wendungen, die alle Vermutungen immer wieder über den Haufen warfen. Die Geschichte ist gut konstruiert und blieb spannend bis zum Ende.
Ein sehr unterhaltsames und spannendes Buch, welches ich unbedingt empfehlen möchte.

20.03.2018 13:50:50
Nomas Literaturblog

Erst gefiel mir das Hörbuch sehr gut: Eine Lektorin liest den neuen Krimi des Star-Autors, den man dann vorgelesen bekommt. Dabei finden sich zahlreiche Verweise auf Agatha Christie und Doyle. Der Ermittler ist an Hercule Poirot angelehnt, hat aber eine eigene Note (Halb Grieche, halb Deutscher, KZ-Überlebender, aber eine ausländische Supernase in England.) Viele Anspielungen deckt die Lektorin auf, denn wenn eine Figur 15:50 ab Paddington abfährt, dann sollten viele den Miss Marple – Krimi wiederkennen. Kenner der Christie-Krimis werden ihren speziellen Spaß haben. Diese Handlung war toll, hatte aber nur ein Manko: Vor der Auflösung bricht sich ab, denn nun setzt der zweite Krimi ein – vier CDs lang. Mit heutigen Wissen würde ich von CD 4, Titel 8 gleich nach CD 8; Titel 4 springen. Der Zwischenkrimi dauert so lange, dass der erste zerstört wird. Allerdings muss ich hinzufügen, dass die Aufteilung durchaus Sinn ergibt, da man in der Auflösung dann die Motive und Eigenschaften der Romanfiguren des Manuskripts mit denen der echten Menschen (Romanfiguren) abgleichen kann. Das ist schon raffiniert geplottet.

Dabei fand ich die Idee am Anfang wirklich gut, weil die Lektorin nach dem Lesen des unvollständigen Manuskripts unbedingt herausfinden möchte, wer denn nun der Mörder ist und wesentliche Fakten in einer Tabelle zusammenträgt, zumal der Autor seine Biographie dem verstorbenen Autor leiht. Auch sind beide Fälle wirklich spannend erzählt und die Mörder waren für mich sehr überraschend. Aber, wie schon geschrieben, der erste Fall leidet unter einer zu langen Unterbrechung, was aber letztendlich Geschmackssache ist.

Die Sprecher meistern ihre Aufgabe sehr gut, Katja Danowski schafft es ihre Lektorin und Ermittlerin wider Willen sehr sympathisch wirken zu lassen, während Bodo Wolf die richtige Stimme hat, um einen klassischen Krimi zu erzählen.

Fazit

Die Idee des Krimis im Krimi ist an sich gut, wird jedoch zu sehr ausgereizt. Dennoch habe ich es sehr genossen, die beiden Krimis zu verfolgen.

15.03.2018 15:49:09
walli007

Rosa Motorroller

Es beginnt damit, dass der berühmte Autor sein neuestes und lang erwartetes Werk beim Verlag abgibt. Der Verleger und die Lektorin Susan Ryeland bekommen jeweils ein Exemplar. Gespannt startet Susan mit der Lektüre. Diese beginnt damit, dass die Haushälterin Mary Blakiston bestattet wird. Sie ist während ihrer Tätigkeit als Betreuerin von Pye Hall, die auch das Putzen umfasst, die große Treppe heruntergestürzt und dabei tödlich verletzt worden. Offensichtlich ein Unfall, doch schon geht das Gerede los, weil sich die Verstorbene gerade mit ihrem Sohn gestritten hat. Der Detektiv Atticus Pünd übernimmt die Ermittlungen allerdings erst als auch der Herr von Pye Hall zu Tode kommt, denn dieser stirbt eindeutig eines nicht natürlichen Todes.

Ein Buch im Buch, zwar ist die Idee nicht neu, doch so häufig eingesetzt wird dieses Stilmittel nicht und so wirkt es immer recht frisch, wenn es zur Anwendung kommt. Die Lektorin und auch der Leser werden zunächst ein wenig gelockt damit, dass bei dem Buch, dass dem Verlag vorgelegt wird, die letzten Kapitel fehlen. Was soll das denn? Ein Krimi ohne Schluss, ein Mord ohne Mörder? Wo bleibt die Auflösung, der Showdown mit dem genial findigen Atticus Pünd? Natürlich macht sich Susan auf die Suche nach dem restlichen Manuskript. Allzu leicht gemacht bekommt sie es nicht, denn das nächste, was sie erfahren muss, der berühmte Autor ist bei einem Sturz umgekommen. Susan begibt sich also an den Wohnort des Schriftstellers und sie beginnt mit detektivischem Geschick, die Bewohner zu befragen.

Zu Beginn mag es einem so vorkommen, dass dem Buch im Buch recht viel Platz zugedacht wurde. Doch wenn sich nach der Lektüre alles gefügt hat, erscheint doch alles passendend und angemessen zusammengefügt. Während die Handlung um den Verlag in der Gegenwart angesiedelt ist, entführt uns das unvollständige Manuskript in das Jahr 1955, in dem die Nachwirkungen des zweiten Weltkrieges noch deutlich zu spüren sind, das Leben in dem kleinen Örtchen noch sehr beschaulich ist, der herannahende Aufbruch aber schon erste Anzeichen schickt. Tatsächlich ähnelt die Herangehensweise von Susan Ryeland ein wenig derer ihres Vorbilds Atticus Pünd. Mit großer Gewissenhaftigkeit geht sie den einzelnen Spuren nach, fügt Aussagen zusammen oder nimmt sie auseinander. Zu jeder Zeit fühlt sich der Leser dabei mitgenommen und er befindet sich sehr eng am Geschehen. Dieser klassische und sehr britisch wirkende Kriminalroman, bei dem es sich eigentlich um zwei Krimis handelt, vermag bestens zu unterhalten und zu überzeugen.