Todesangst

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • New York: Little, Brown and Co., 2016, Titel: 'Rise the dark', Seiten: 389, Originalsprache
  • München: Heyne, 2018, Seiten: 528, Übersetzt: Irene Eisenhut

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Brigitte Grahl
Hochspannung wörtlich genommen

Buch-Rezension von Brigitte Grahl Jan 2018

"Der Ort, an dem Mark Zukunft gestorben war, berührte die Vergangenheit, die er hinter sich gelassen hatte."

"Todesangst" ist der zweite Thriller, in dem der ehemalige Privatdetektiv Markus Novak in eigener Sache unterwegs ist, um den Tod seiner Frau aufzuklären, und den freigesprochenen Mörder Garland Webb zu töten. Dabei kreuzen sich seine Wege mit der Detektivin Lynn Deschaine, die einer terroristischen Vereinigung auf der Spur ist.

Schnell wird klar, dass beide Fälle miteinander verbunden sind und so tun sich Mark und Lynn zusammen. Ihre Ermittlungen führen sie nach Montana, in den Bundesstaat, in dem Mark aufgewachsen ist - und mit dem er schlechte Erinnerungen verbindet. Es wird eine Reise, die Mark immer tiefer in seine Familiengeschichte und zu sich selbst führen wird.

Sie wird begleitet von Vorahnungen, Zeichen und Ereignissen, die es Mark, der alles Esoterische und Übersinnliche hasst, schwer machen, sie rational zu erklären.

"Sie geben nichts auf Zufälle, was?" "Nein." "Und Sie glauben auch nicht an Schicksal?" "Nein." ... "Sie glauben an Bestimmung. Sie glauben, dass alles zusammenpasst. Dass gegensätzliche Kräfte ihren Ausgleich finden, und dass Sie eine wichtige Rolle dabei spielen."

Verbindung von klassischen und Mystery-Krimis

Michael Koryta hat vor "Todesangt" schon mehrere hoch gelobte klassische Krimis, aber auch Mystery-Krimis verfasst. In der Markus-Novak-Reihe verbindet er beides, wobei die fantastischen Elemente so zweideutig in die Handlung eingebaut wird, dass das Buch es nicht in das Fantasy Genre abdriftet.

Koryta hat als Journalist und Privatermittler gearbeitet, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Sein Wunsch, aufzuklären, fließt in den Stoff ein, dem er sich in "Todesangst" widmet. Der Plot handelt von einem raffiniert ausgeklügelten Terroranschlag.

Sehr detailliert vermittelt er seinen Lesern, wie ein Stromnetz funktioniert und wie es angegriffen werden kann. Nebenbei bekommen auch die radikalen Fanatiker in den USA ihr Fett ab, wenn Korytas Bösewichte über die sozialen Medien Verschwörungstheorien verbreiten und Ängste schüren, ohne irgendwelche Fakten zu präsentieren.

"Wie die Ängste im Einzelnen aussahen, war für Eli nicht so interessant, wie das, was sie bewirken konnten, denn alle Ängste bargen Handlungspotential."

Michael Koryta versteht es meisterlich, Details, die er einführt, in späteren Szenen zu nutzen, um Spannung zu erzeugen. Die Natur spielt in seinen Büchern eine große Rolle. Die Schauplätze und das Wetter tragen ebenfalls dazu bei, die Spannung zu steigern, indem sie eine bedrohliche Atmosphäre verbreiten. In "Todesangst" liefert die Berglandschaft Montanas die Kulisse für filmreife Actionszenen.

Die Kapitel werden kürzer, die Erzählperspektiven wechseln schneller

Der Autor lässt Personen und Handlungsstränge in steigendem Tempo aufeinander zulaufen, die Kapitel werden kürzer, die Erzählperspektiven wechseln schneller, die Spannungskurve steigt stetig. Nicht ohne Grund wurden Koryta Bücher vielfach nominiert und mit Preisen ausgezeichnet, er versteht sein Handwerk.

Trotzdem hat mich "Todesangst" nicht so ganz überzeugt. Sowohl der Protagonist als auch der Antagonist haben mich emotional nicht richtig gepackt, im Gegensatz zu Nebenfiguren wie Jay Baldwin oder Onkel Larry. Mark bleibt dagegen etwas blass in der Charakterzeichnung, ebenso wie der Bösewicht Eli Pate hauptsächlich abgrundtief böse erscheint, ohne an Tiefe zu gewinnen.

Am Ende von "Todesangst" werden Handlungsstränge abgeschlossen, andere bleiben offen, neue entstehen. So muss man keine übersinnlichen Fähigkeiten besitzen, um vorauszusagen, dass sich der nächste und letzte Band der Trilogie wohl mit Markus Vater beschäftigen wird.

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