Hollywood, Nachtstücke

Erschienen: September 2019

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel „Hollywood Nocturnes“
- New York : Otto Penzler Books 1994. 229 S.
- Hamburg : Hoffmann und Verlag 2000. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN-10: 3-455-01792-4. 255 S.
- München : Ullstein Verlag 2002. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN-13: 978-3-548-25295-7. 255 S.
- Berlin : Ullstein Verlag 2019. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN-13: 978-3-548-29130-7. 255 S.
- Berlin : Ullstein Verlag 2019 [eBook]. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN-13: 978-3-8437-2199-8 (ePUB)

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Michael Drewniok
Sechs Blicke in Hollywoods düstere Winkel

Buch-Rezension von Michael Drewniok Okt 2019

Fünf Kurzgeschichten und eine Novelle bilden die Bausteine einer imaginären Chronik der Stadt Los Angeles nach dem Zweiten Weltkrieg:

- Dick Continos Blues: 1958 - Der begabte, aber chronisch erfolglose Musiker Dick Contino versucht sich als Filmschauspieler. Um seine Chancen zu verbessern, will er sich und der Hauptdarstellerin durch eine getürkte Entführung Publicity verschaffen. Eine Kette bizarrer Zufälle lässt ihn und seine Partnerin in das Fadenkreuz des „Würgers von West Hollywood“ geraten.

- High Darktown: 1945 - Im Trubel der Feierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs fahndet Sergeant Lee Blanchard vom Los Angeles Police Department nach einem Duo brutaler Raubmörder und stößt dabei auf einen geplanten Eisenbahn-Überfall.

- Telefon Axminster 6-400: Sergeant Lee Blanchard und sein hartgesottener Partner Davis Evans jagen ein Trio gewalttätiger Entführer. Sie stellen fest, dass korrupte Kollegen und betrügerische FBI-Beamte genauso wenig Interesse an der Lösung des Falls haben wie das angebliche Opfer.

- „Since I Don´t Have You“: 1949 - Turner „Buzz“ Meeks, einst Cop, nun Spezialist für delikate bis schmutzigen Aufträge des exzentrischen Millionärs Howard Hughes und des Gangsterbosses Mickey Cohen, wird von beiden gleichzeitig beauftragt, eine junge Frau zu finden, die sich als ein und dieselbe Person entpuppt. Meeks will dies geheim halten, um doppelt kassieren können, doch sein riskantes Spiel droht aufzufliegen, da die Gesuchte eigene Pläne mit Hughes und Cohen hat.

- Ein kleines Glück: Endlich scheint das Glück Stan Klein, dem gescheiterten, auf Bewährung entlassenen Ex-Betrüger hold zu sein. Ein befreundeter Anwalt engagiert ihn als Kindermädchen für Basko, den Bullterrier des jüngst verstorbenen Gangsterbosses Sol Bendish. Der hat seinem Liebling 25 Millionen Dollar hinterlassen, womit einige menschliche Zeitgenossen nicht einverstanden sind.

- Liebestraum: Privatdetektiv Spade Hearns lässt sich von Staatsanwalt Molloy als Internierungshelfer anheuern. Nach dem Überfall auf Pearl Harbour werden die in den USA lebenden Japaner als potentielle Feinde in Lagern zusammengetrieben. Während er den flüchtigen Kleinkriminellen Murikami jagt, kommt Hearns einem Komplott korrupter Polizeibeamter und der Ausländerbehörde auf die Spur.

Schreiben, um zu überleben

James Ellroys Lebensgeschichte wird in den Medien wieder und wieder nacherzählt, da sie sich so schaurig-schön zu seinem Werk fügt. Persönliche Motive zwingen Ellroy nach eigener Auskunft quasi, sich mit der Geschichte von Los Angeles auseinanderzusetzen: 1958 wurde seine Mutter brutal ermordet. Ihr Tod warf den damals Zehnjährigen völlig aus der Bahn. In einem ausführlichen Vorwort schildert Ellroy seine trostlose Jugend, die ihn zum alkohol- und drogensüchtigen Kriminellen ‚reifen‘ ließ. Aus diesem Sumpf rettete ihn die Schriftstellerei, die es ihm Ende der 1970er Jahre ermöglicht, seine Obsessionen in den Griff zu bekommen, indem er sie schreibend bewältigt.

Die Kraft der inneren Dämonen, die ihn nach wie vor hetzen, spiegelt sich in seiner enormen Produktivität wider. Um Los Angeles und die Jahre ab 1940 kreisen Ellroys Gedanken weiterhin. Er hat sich förmlich verbissen in die Geschichte/n dieser Jahre. Seine Leser profitieren davon, denn Ellroy kennt sich ausgezeichnet aus und sorgt für einen farbigen Hintergrund, vor dem seine düsteren Geschichten um Verbrechen, Korruption und Gewalt umso lebendiger wirken.

Geliebte und verhasste Stadt

Los Angeles: Das ist vor allem Hollywood, jener Stadtteil, der die Filmhauptstadt der westlichen Welt ist; eine Glitzerwelt der Reichen und Schönen, die jedoch eine ebenso ausgeprägte Schattenseite besitzt. Seit jeher beschäftigen sich Schriftsteller und Drehbuchautoren mit denen, die bei der vergeblichen Jagd nach dem Amerikanischen Traum auf der Strecke bleiben. Niemand hat sich diesem Thema so intensiv gewidmet wie James Ellroy. Er hat einen ganzen Zyklus über Hollywood in den Nachkriegsjahren und -jahrzehnten geschrieben, in den sich die (1994 erstmals gesammelt erschienenen) „Hollywood, Nachtstücke“ nahtlos einfügen, denn einige Charaktere traten dort bereits auf.

Wie in allen Ellroy-Werken spielen vom Leben gezeichnete Figuren die Hauptrollen; Menschen am Abgrund, Existenzen in den Randzonen der Gesellschaft: skrupellose Gangster, korrupte Polizisten, gleichgültige Politiker und habgierige Geschäftsleute, zwischen denen sich kein echter Unterschied feststellen lässt. Brutale Männer und berechnende Frauen, denen ihre Rücksichtslosigkeit indes kein Glück und keinen Frieden bescheren, leben und sterben in einer Welt, die von unbarmherziger Kälte bestimmt wird. Träume und Illusionen sind gefährlich, denn sie verraten Schwäche. Trotzdem versuchen Ellroys getriebene Figuren immer wieder auszubrechen; sie sind bereit, den Preis für ein Scheitern zu zahlen.

Keine Angst vor hässlichen Wahrheiten

Politische Korrektheit ist Ellroys Ding nicht. Rassismus und Intoleranz prägen ‚sein‘ Los Angeles. So war es Realität nicht nur in den Nachkriegsjahren. Die hässlichen Folgen nennt Ellroy beim Namen und versteckt sie nicht hinter beschönigenden Umschreibungen. Dabei vermeidet er es, die misshandelten Minderheiten pauschal zu verklären, und scheut nicht vor der unangenehmen Wahrheit zurück, dass sich die Unterdrückten untereinander allzu oft nicht solidarischer verhalten als ihre Unterdrücker.

Ellroys Stil pflegt als Schriftsteller einen besonderen Stil. Wie aus einem Maschinengewehr feuert er seine Prosa auf die Leser ab. Im Laufe seiner Karriere hat er dies noch verstärkt. Mit der für ihn typischen Kompromisslosigkeit trieb er es seit „American Tabloid“ , der nur mehr ein Mosaik zerrissener Szenen, Dialogfetzen und imaginärer Zeitdokumente darstellt, auf die Spitze.

Auch die „Hollywood, Nachtstücke“ sind im Ellroy-Stakkato erzählt. Dabei zeigt sich, dass für Kurzgeschichten geradezu ideal ist, was die Lektüre der Romane anstrengend macht. Ellroy spinnt ein höllisches Garn in höllischem Tempo. Seine kürzeren Arbeiten lesen sich genauso spannend wie seine ‚großen‘ Werke, weshalb die Neuveröffentlichung dieser Sammlung nicht nur seine Fans begeistern dürfte bzw. sollte.

Fazit:

Sechs kürzere Texte, verfasst von einem Autor, der von Hollywood gleichermaßen fasziniert wie abgestoßen ist, was die durchweg spannenden und düsteren Storys manchmal ein wenig zu deutlich prägt. Lokalkolorit und ein gut recherchiertes, historisches Umfeld, an das sich Ellroy nicht sklavisch gebunden fühlt, komplettieren das schwermütige „Noir“-Vergnügen.

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