Leiser Tod

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Melbourne: Text Publishing, 2011, Titel: 'Whispering death', Seiten: 330, Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2018, Seiten: 352, Übersetzt: Peter Torberg

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Jörg Kijanski
Großartig erzählter Polizeiroman

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2018

Es ist ganz schön was los in Waterloo, einer Kleinstadt auf der beliebten Mornington Peninsula vor den Toren Melbournes. Eine junge Frau wird aufgegriffen, nackt und verstört. Sie wurde von einem Mann in Polizeiuniform entführt und vergewaltigt, doch der Täter ging ebenso brutal wie vorsichtig vor, so dass kaum Spuren zu finden sind. Dabei haben Hal Challis und seine Ermittler ohnehin viel zu erledigen. An den Zufahrtstoren reicher Grundstückseigentümer finden sich vermehrt Penisgraffiti und markige Sprüche wie "Penisprothese" oder "Wenn Sie das schön finden, sollten Sie mal unser Haus sehen." Landesweit macht derweil ein Bankräuber auf sich aufmerksam, der sich Waterloo nähert. Und dann gibt es da noch eine spektakuläre Einbruchserie, die ebenfalls auf ihre Aufklärung wartet. Hal Challis droht die Arbeit übe reden Kopf zu wachsen, zumal seine Einheit weiterhin chronisch unterbesetzt und schlecht ausgestattet ist. Als er sich gegenüber einem Reporter diesbezüglich äußert, gerät er bei seinen Vorgesetzten in Misskredit. Bis zu einer längeren Zwangsbeurlaubung bleiben ihm nur wenige Tage, um die diversen Fälle aufzuklären. Dann stößt die Polizei bei einer Routinekontrolle auf eine Leiche in einem Kofferraum; der "Polizist" hat erneut zugeschlagen.

Heimlicher Star ist eine junge Serieneinbrecherin.

Eigentlich könnte das Leben für Hal Challis derzeit kaum besser laufen. Die Beziehung zu seiner Kollegin Ellen Destry ist noch frisch und entsprechend intensiv, allerdings muss diese für einige Tage nach Europa. Eine Fortbildung über Polizeiarbeit bei sexuellen Verbrechen steht auf dem Programm. Genau diese Erfahrung könnten die Ermittler im aktuellen Fall schon jetzt dringend gebrauchen. So greift die Waterloo CIU (Crime Investigation Unit) auf die Abteilung für Sexualverbrechen aus Melbourne zurück, was vor allem für Detective Constable Pam Murphy weitreichende Konsequenzen haben wird. Gekonnt nutzt Autor Gary Disher diesen Erzählstrang, um das Thema Sexismus facettenreich zu beleuchten. Mitunter latent sexistisch äußern sich selbst Polizeibeamte, während andere Ermittler besonders einfühlsam den Opfern begegnen.

Das eigentliche Highlight des bereits sechsten Falles der Hal-Challis-Reihe ist aber die umfangreiche und nahezu gleichberechtigte Sidestory, in der die Serieneinbrecherin Grace die Hauptrolle spielt. Mit der jungen Frau muss man mitfiebern, wenngleich ihre Figur sehr ambivalent gezeichnet wird. Einerseits spielsüchtig, andererseits eine gekonnte Meisterdiebin, die stets mindestens einen Plan B in der Hinterhand hat. Wie sie mit zahlreichen Finten nicht nur die Polizei narrt ist beste Unterhaltung. Doch die junge Frau birgt diverse Geheimnisse. Nicht nur ist ihre familiäre Herkunft ihr selbst unbekannt, sie ist auch auf der Flucht vor einem gewalttätigen Verfolger, der einst ihr Mentor war. Auch hier gelingt dem Autor ein gelungener Coup und schafft es nicht zuletzt, selbst eine Brücke zu den Folgen der russischen Oktoberrevolution zu bauen.

Viel Zeit für die Entwicklung der Charaktere.

Gary Disher ist ein großartiger Erzähler (für nicht wenige Krimifans einer der Größten) und nimmt sich viel Zeit für seine Figuren. Dabei wechseln sich die Szenarien häufig ab, so dass keineswegs nur der charismatische Hal Challis im Fokus steht. Auch seine Kollegin Pam Murphy erhält viel Platz, ebenso wie zwei weitere Ermittler, von denen zumindest einer eher ungeeignet für seinen Job ist. Grace erhält selbstredend sehr viel Raum für ihre Einbrüche und vor allem für ihre umfangreichen Vorarbeiten. Darüber hinaus widmet sich der Autor dem fiktiven Waterloo auf der realen Mornington Peninsula. Das Erzähltempo ist beschaulich, wenngleich im zweiten Teil die Sterberate sowie die Actionsequenzen deutlich anziehen. Wie am Ende alles miteinander verzahnt wird ist großes Kino, denn durch das zufällige Aufeinandertreffen des Bankräubers mit Grace, droht plötzlich deren Tarnung aufzufliegen. Der große Showdown bietet abschließend noch einige Kapriolen, die zwar konstruiert erscheinen, gleichwohl stimmig wirken. In der Krimi-Bestenliste im März 2018 steht "Leiser Tod" als Neueinsteiger an erster Stelle. Einer Platzierung, der an dieser Stelle ausdrücklich nicht widersprochen wird.

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Letzte Kommentare:
26.06.2018 11:49:46
elke17

Es läuft nicht rund bei Hall Challis und seinem Team von der Waterloo Crime Investigation Unit. Die wohlhabenden Bewohner der Mornington Peninsula beschweren sich über obszöne Graffiti an ihren Anwesen, ein Bankräuber ist offensichtlich in Richtung Waterloo unterwegs, ein Typ in Polizeiuniform vergewaltigt Frauen und hinterlässt keine Spuren, die man forensisch auswerten könnte, wohingegen es im Fall der Einbruchsserie immerhin Schuhabdrücke gibt. Zu dumm nur, dass ihn seine Freundin Ellen bei den Ermittlungen im Vergewaltigungsfall nicht unterstützen kann, da sie im Zuge einer Fortbildung für zwei Monate nach Europa muss. Und dann ist da noch die drohende Suspendierung, die sich Challis mit seinen Äußerungen zur chronischen Unterbesetzung seiner Unit, den über Gegühr anfallenden Überstunden und den ständigen Budgetkürzungen eingehandelt hat.

Ordentlich Stoff also, den Garry Disher in „Leiser Tod“, dem sechsten Band der Hall Challis-Reihe, in einem stimmigen Plot zu verarbeiten hat. Viele Autoren würden sich hierbei mit Sicherheit verzetteln, aber hier zeigt sich wieder einmal das Können Dishers. Da gibt es keine Hänger und keine Logiklücken, alles passt und fügt sich am Ende zu einem harmonischen Ganzen.

Und doch hat mir etwas gefehlt. Ich hätte mir mehr sozialkritische Untertöne gewünscht, so wie in „Bitter Wash Road“, denn da hat Challis sie genial in den Plot eingebaut. Mag vielleicht aber auch daran liegen, dass ich „Leiser Tod“ nach „Blut Salz Wasser“ der schottischen Autorin Denise Mina gelesen habe, die das meisterhaft beherrscht.

Am gelungensten fand ich übrigens den Handlungsstrang mit Grace, der von Beginn an bekannten Einbrecherin mit Vergangenheit, die stark an Wallace Strobys Crissa Stone erinnert. Ich hoffe, dass wir von ihr auch in den nächsten Challis-Krimis lesen werden. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit…

Eine Bemerkung zum Schluss: Ich schätze die Übersetzungen Peter Torbergs üblicherweise sehr, aber ein „boom-boomender Subaru“ (soll das Lautmalerei sein?), die „Hühnerparty der Gemeindeangestellten“ oder ein Vergewaltigungsopfer, das „erschöpft und gestaucht“ aussieht – da hätte ich mir doch etwas mehr Sprachgefühl des renommierten Übersetzers erwartet.