Die Party

Erschienen: September 2018

Bibliographische Angaben

  • München: Heyne, 2018, Seiten: 416, Originalsprache

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Sabine Bongenberg
Gruselig waren nur die Klamotten

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Mär 2019

Zehn Personen werden auf eine Party eingeladen, sie geben ihre Handys ab, der Rückweg wird verschlossen und einer nach dem anderen beißt ins Gras. Das ist eine äußerst lieblose Zusammenfassung, und selbstverständlich könnte ich mir mehr Mühe geben. Wenn diese Geschichte nicht schon gefühlte 1000-mal erzählt worden wäre. Wenn sie nicht 1000-mal gut erzählt worden wäre – insbesondere zum Beispiel von Agatha Christie unter dem jetzt politisch korrekten Titel „Und dann gab’s keines mehr“. Wenn sie nicht ausgerechnet hier in gähnend langweilig und wirr erzählt worden wäre.

Möge das Sterben beginnen

Es sind dann auch die guten, alt-bekannten Zutaten: Brandon lädt zehn seiner alten Jugendfreunde in sein hoch über den Wäldern in einer Felswand gelegenes Haus ein. Nachdem vor 30  Jahren zuletzt alle bei einer Halloween-Party zusammenfanden und offensichtlich eigenartige Vorkommnisse für einen seltsamen Beigeschmack sorgten, soll nun eine Neuauflage im Stile der 80er Jahre erfolgen – was anlässlich der seinerzeit getragenen Mode tatsächlich gruselig sein sollte – aber das nur am Rande.

Unglücklicherweise hat Brandon nicht sonderlich viel von seiner eigenen Party und das liegt nicht daran, dass er sich mithilfe eines mehrstöckigen Cocktails namens Zombie direkt ins Jenseits – im übertragenen Sinne – schießt. Hier erledigt das ein herabsausender, glitzernder Kronleuchter im tatsächlichen Sinne. Damit eröffnet sich ein wahnwitziger Reigen, denn offensichtlich sind Brandons’ Freunde nun wild entschlossen, nimmermehr von seiner Seite zu weichen und folgen ihm alsbald auf die andere Seite, wobei die Wahl der Waffen wild variiert.

Garniert wird das ganze dann noch von einer kruden Geschichte über Experimente der amerikanischen Armee mit Fruchtbarkeitsversuchen, betäubten Frauen in der Gynäkologie und Verdachtsmomenten über bisher ungeahnte Geschwister und möglichen Inzest. Winner gelingt es dabei – trotz sämtlicher Gruselzutaten – nicht, seine Leser einzufangen oder zu fesseln. Die Unzahl der Namen, der Geschichten, der Kostüme, die gruselig anmuten sollen, sind nicht dazu geeignet, auch nur einen Funken Sympathie für seine Helden zu wecken.

Wer versucht, einen Zwischenstand zu abzugeben und zu erklären, wer denn jetzt tot ist und wer sich zügig zu diesem Zustand hinbegibt, stellt fest, dass das nicht möglich ist. Schlimm ist es aber auch nicht, da aus diversen ähnlichen Geschichten hinlänglich bekannt ist, dass zum Schluss einer übrig bleibt, der es aber dann nicht war, weil sich ein anderer tot gestellt hat.  Offensichtlich wurde dieser Umstand auch dem Autor bewusst und so wurde neben dem eigentlichen Motiv für die Vielzahl der Morde noch ein weiteres Motiv zusammengestrickt, das den Personenkreis der Eingeladenen und neben dem eigentlichen immer simplen Tatmotiv noch eine weitere Schiene einbringen soll.

Fruchtbarkeitsexperimente, geklaute Föten, mysteriöse Methoden

Diese zusätzliche Schiene bezieht sich auf eigenartige Versuche, die ein offensichtlich ambitionierter Gynäkologe in seiner Praxis durchführte und auch wenn das erste Retortenbaby 1978 zur Welt kam, ist sicherlich auch heute die Technik, die zu einer erfolgreichen künstlichen Schwangerschaft führt, nicht so ausgereift, dass sie jeder in seiner Garage nachbauen kann. Von den 80er Jahren ganz zu schweigen. Unklar sind auch die eigentlichen Motive, die seinerzeit zu diesen eigenartigen Versuchen führte und somit eröffnet sich wieder ein Feld, über das spekuliert werden könnte. Wenn es zu einem interessanten Ergebnis führen könnte.

Fazit:

Wer in den 80ern groß geworden ist, erkennt ein paar lieb gewordene Elemente und kann zumindest ein kleines bisschen in Nostalgie schweben, womit dann auch die 30 Grad rechtfertigt seien – aber eine ganze Geschichte trägt so ein bisschen Emotion nun mal nicht.

Die Party

Die Party

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Letzte Kommentare:
11.01.2019 15:51:13
SaintGermain

1986 lud Brandon seine Freunde zu einer Halloweenparty ein, danach ging jeder seinen eigenen Weg. In der Gegenwart lädt nun der ehemalige Gastgeber wieder 10 seiner Freunde zu einer Halloweenparty der 80er-Jahre ein. Doch kurz nach der Begrüßung ist der Gastgeber tot und alle anderen in Lebensgefahr - denn nur eine Person darf überleben.

Das Cover des Buches ist zwar eher dezent, aber trotzdem ein echter Eye-Catcher, der sofort mein Gefallen fand.

Der Schreibstil des Autors ist exzellent, Protagonisten und Orte werden ausgezeichnet dargestellt.

Insgesamt erinnert die Handlung (v.a. der Beginn des Buches) sehr an das Buch "Und dann gabs keines mehr/10 kleine Negerlein" von Agatha Christie, mit einige Elementen aus der "Saw"-Reihe versetzt. Doch das Buch ist viel mehr als ein Abklatsch des Christie-Klassikers, denn trotz ähnlicher Grundthematik entwickelt sich eine spannende und kurzweilige Top-Story.

Das Buch ist in 2 Teile aufgeteilt. Der erste Teil beginnt schon sehr actionreich, der 2. Teil beginnt dann etwas ruhiger, gibt aber interessante Rückblicke auf 1986.

Erschreckend an dem Buch ist natürlich, dass alles sehr realistisch ist, denn auch in der heutigen Zeit (oder gerade in dieser) ist so eine Story durchaus möglich.

Einige Stellen kamen mir trotzdem etwas unlogisch vor: Natürlich sind zu einer Halloweenparty alle verkleidet, aber warum legt keiner (oder kaum einer) seine Verkleidung bzw. zumindest die Maske ab? Natürlich ist dies auch an manchen Stellen wichtig für das Buch, deshalb aber noch lange nicht ganz logisch.

Außerdem verfällt der Autor in manchen Kapiteln von der Vergangenheitsform in die Gegenwart - und das in den Gegenwartskapiteln! Dies war für mich absolut nicht nachvollziehbar.

Für diese beiden Negativkriterien ziehe ich einen halben Stern ab.

Ich werde in Zukunft sicher noch was von dem Autor lesen und könnte mir eine Verfilmung des Buches sehr gut vorstellen.

Fazit: Spannender Katz-und-Maus-Thriller, der kaum Zeit zum Atmen lässt. 4,5 von 5 Sternen

25.11.2018 11:57:27
Briggs

Jonas Winner ist überragend darin, ein Szenario zu entwickeln, in dem immer wieder die Spannung kurz sinkt und dann der nächste Knall den Leser zusammenschrecken lässt.
Bei seiner Party treffen sich ehemalige Collegekameraden – sie haben sich seit einer Halloweenparty vor 30 Jahren nicht mehr so zusammengefunden.
Der Gastgeber stirbt eindrucksvoll und eröffnet seinen Gästen posthum, dass sie alle bis auf einen das Wochenende nicht überleben werden. Schon dieser erste Tod - obwohl angekündigt - überrascht. Und erst einmal geht es rätselhaft weiter und gar nicht gruselig. Aber man weiß ja, dass das kommt, der Leser weiß ja mehr als die Akteure...

Jedes Kapitel wird aus einer anderen Perspektive erzählt. Das bringt einem die Personen näher und lässt die Grenzen verschwimmen: Wer ist ist gut, wer nicht, wie war die Vergangenheit?
Erinnerungen kommen hoch, Verdächtigungen bahnen sich Platz, viele Menschen sterben.

Kurz vor Schluss löst Winner das Rätsel nach dem Mörder auf, aber das Buch endet noch nicht. Und das ist schade: Das Ende ist nett ausgedacht, aber in Wirklichkeit nicht möglich und ist damit der gravierende Schwachpunkt des Buchs.

Unbedingte Lesempfehlung also für jeden, der gern ein tolles Spiel aus Spannung und Entspannung liest, der brutale Szenen liebt, aber nicht für jemanden, der das Ende eines Buchs als Krönung haben möchte.

08.11.2018 14:52:52
leseratte1310

Brandon lädt nach dreißig Jahren zu Halloween zehn frühere Freunde zu sich ein. Er hat einen Glasbungalow, der auf einem Felsplateau umgeben von Wald liegt. Dort soll die Party steigen. Schon das ist etwas gruselig, aber der Gastgeber ist auch sonst ziemlich merkwürdig, denn die Gäste müssen ihre Handys abgeben. Spätestens das wäre für mich der Zeitpunkt gewesen, schnellstens die Flucht zu ergreifen. Doch die Zehn lassen sich auf diese Bedingungen ein und schon geht der Schrecken für sie los, denn Brandon wird von einem herunterstürzenden Kronleuchter erschlagen.
Es ist von Anfang an spannend. Brandon ist ein wenig wunderlich. Er will ein Revival der damaligen Party, von der er ziemlich plötzlich verschwand. Doch was ist damals passiert? Brandon konnte man nicht mehr fragen, denn der hat sich unfreiwillig verabschiedet. Doch es ist von Anfang an klar, dass sich unter den Freunden ein Mörder befindet, der die Darbietung von Brandon für seine Zwecke genutzt hat. Es geht dann weiter wie bei den „Zehn kleine N….“, einer nach dem anderen wird getötet. Aber was ist das Motiv? Lange bleibt das unklar. Es ist natürlich auch nicht möglich, sich nach Brandons Tod von dieser Party zu verabschieden, denn natürlich kommt man von diesem gruseligen Ort nicht so ohne Weiteres weg.
Über die Freunde und ihre Beziehungen untereinander erfährt man so nach und nach aus unterschiedlichen Perspektiven mehr. Wichtig sind dafür die Rückblicke, wodurch man die Personen besser kennenlernte. Ein wenig mehr Tiefe hätte ihnen nicht geschadet. Und doch…
Es bleibt undurchschaubar und spannend.
Es ist ein mörderisches Spiel, das hier inszeniert wurde. Das Ende war zwar unvorhersehbar, aber auch nicht ganz überzeugend. Schade!

18.10.2018 21:42:08
Ari

Ari zu Jonas Winner: ,Die Party‘
Ein Thriller, der unter die Haut geht. Das Setting setzt gleich zu Beginn einen örtlich eng umrissenen Rahmen für ,Die Party‘: Ein Haus auf einem Berg umgeben von einem Fluss, ein Ort, den man nicht einfach wieder verlassen kann ohne die Hilfe von Aussen. Abgeschirmt sind die zu Halloween 2018 geladenen Partygäste zusätzlich durch freiwilligen Verzicht auf ihre Mobiltelefone. Der Spannungsbogen beginnt mit der ersten Seite und reisst nicht mehr ab, das Buch bringt einen in Versuchung, nichts anderes mehr zu tun, als sofort weiterzulesen. Man will wissen, wie diese Leute, die sich ja 30 Jahre nicht gesehen haben und jetzt ihr erstes Wiedersehen feiern wollen, aufeinander reagieren werden. Die Charaktere sind differenziert und intelligent gewählt, man verfolgt sie in ihrer Entwicklung, durch die Zeitspanne, die sie jeweils während der letzten 30 Jahre durchlaufen haben, sowie akzentuiert durch die jeweils gewählte Halloween Verkleidung. Schnell identifiziert man sich mit ihnen und mag sie oder findet sie gleich unsympathisch, allerdings wird es einem nicht leicht gemacht, im Verlauf der Handlung beim selbstgefassten Urteil zu bleiben.. Die Tötungsszenarien („nur einer wird hier überleben“) sind charakteristisch für den für Winner typischen sehr makabren Stil, dabei sind sie für mich im Unterschied zu früheren Thrillern des Autors ausgereifter: Die Spannung wird viel mehr durch den Handlungsverlauf selbst evoziert als durch actionmässige Shock-Effekte. Der Leser wird durch die verschiedenen Erzählperspektiven und Tempi dauernd hin- und hergerissen, mal glaubt man diesem und dann wieder sofort dem nächsten der Partygäste - Noch bis kurz vor Ende fragte ich mich beim Lesen, wie sich die verschiedenen Erzählstränge jemals zusammenfügen sollen. Erstaunlicherweise tun sie es und dies auf ziemlich plausible Art und Weise. Intelligent geschrieben und schlüssig durchdacht - ein Muss für Thrillerfans!

11.10.2018 12:55:56
dorli

Es ist der 31. Oktober 2018. Brandon Hill hat zehn ehemalige Schulkameraden zu einer Halloweenparty eingeladen, eine 1980er Revivalparty. Die Party wird zu einem Spektakel der besonderen Art – Brandons idyllisch auf einem Felsplateau hoch über den Wäldern gelegener Glasbungalow wird für die Gäste zu einer tödlichen Falle, nur einer von ihnen wird am Ende überleben, so ist es geplant…

Jonas Winner versteht es ganz ausgezeichnet, die Spannung schon nach wenigen Seiten auf ein hohes Level zu katapultieren. Der Thriller wird fesselnd erzählt und entwickelt schnell einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann.

Besonders gut gefallen hat mir, dass der Autor das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven präsentiert, da man so einen guten Einblick in die Ansichten, Überlegungen und Reaktionen aller Akteure bekommt. Die häufigen Perspektivwechsel erfordern allerdings konzentriertes Lesen. Gerade am Anfang ist es nicht leicht, den Überblick über die Gäste zu behalten, da ist die Gästeliste am Ende des Buches eine gute Hilfe.

Da Gastgeber Brandon, tödlich getroffen von einem herabfallenden Kronleuchter, als erster die Bühne verlassen hat, wird allen anderen schnell klar, dass es in ihrem Kreis einen Verräter geben muss, der in die Pläne für die Gruselnacht eingeweiht ist. Das erhöht die Anspannung unter den Anwesenden enorm, und das Misstrauen wächst, während die mörderischen Spielchen ihren Lauf nehmen. Es gelingt Jonas Winner ganz hervorragend, dem Leser diesen wachsenden Argwohn zu vermitteln, der zwischen den immer weniger werdenden Teilnehmern herrscht. Geschickt lenkt der Autor den Blick des Lesers dabei in unterschiedliche Richtungen, so dass man prima über Drahtzieher und Hintergründe miträtseln und mitgrübeln kann.

„Die Party“ hat mir sehr gut gefallen. Besonders spannend war es, das Miteinander und Gegeneinander der Akteure zu beobachten. Neben Spannung und Nervenkitzel hat der Thriller auch eine große Portion 80er-Jahre-Feeling im Gepäck.