Der Wille zum Bösen

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • New York: Ballantine, 2017, Titel: 'Ill will', Seiten: 461, Originalsprache
  • München: Heyne, 2018, Seiten: 608, Übersetzt: Kristian Lutze

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Sabine Bongenberg
Ein Roman, in dem Menschen sterben, ist nicht zwangsläufig ein Thriller

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jan 2018

Vermutlich ist jeder Kriminalroman ein Roman in dem einer oder mehrere Tote vorkommen. Heißt das aber dann im Umkehrschluss, das jeder Roman, im dem Menschen gewaltsam zu Tode kommen, ein Krimi sein muss? Wäre dann um den Faden weiter zu spinnen - Orwells Parabel rund um die Ereignisse der "Animal Farm" eine Tiergeschichte?

Diese Fragen mögen zu Beginn einer Krimi-Rezension grundsätzlich eigenwillig erscheinen, rechtfertigen aber auch, warum Dan Chaon's Roman "Der Wille zum Bösen" von den einen über alle Maßen gelobt und von den anderen als Einschlaf-Hilfe qualifiziert wird. Dabei ist der Einstieg in den regulären Kriminalroman auf bewährte Grundsteine gelegt: Da ist der Psychologe Dustin Tillmann, der bereits in frühester Jugend Zeuge eines entsetzlichen Verbrechens wurde und sich mühsam aus seiner Vergangenheit frei strampeln konnte.

Vermeintlicher Täter wird nach DNA-Analyse vom Gericht frei gesprochen

So glaubte er - zumindest bis zu dem Tag, als er erfuhr, dass der vermeintliche Täter, der insbesondere nach seinen Aussagen vor Gericht zweifelsfrei verurteilt wurde, nach einem DNA-Gutachten genauso zweifelsfrei rehabilitiert wurde. Neben diesen Schatten der Vergangenheit befasst sich Tillmann aber auch noch mit aktuellen Problemen: In einem bestimmten Rhythmus verschwinden junge Männer und werden ertrunken aufgefunden. Eigenartig, dass sich so viele schreckliche Unfälle nach dem gleichen Muster ereignen...

Obwohl also die Grundsteine für einen gut funktionierenden Krimi gelegt werden, ist dieses Genre nicht Chaons eigentliches Interesse. Er berichtet vielmehr über das Auseinanderbrechen einer amerikanischen Familie, und nutzt dabei auch seine eigenen Stilmittel um die Faktoren, die zum Bruch führten, zu erklären. Damit kommt es oft zu Sprüngen in der Handlung. Der Leser, der gerade bis zu einem weiteren Punkt in der Handlung vorgedrungen war, sieht überrascht, dass es nicht weiter geht, sondern dass er wieder fast bis zum Ausgangspunkt der Geschichte zurück katapultiert wird.

Geduld des Lesers wird vom Autor auf eine harte Probe gestellt

Ein irritierender Kunstgriff des Autors ist auch der, die Handlungen verschiedener Ebenen zeitweise tabellarisch nebeneinander aufzustellen. Eine gewisse Vergleichbarkeit mag damit tatsächlich erzielt werden, auf der Strecke bleibt aber dabei das Lesevergnügen, denn diese Passagen, die sich teilweise über diverse Seiten erstrecken, stellen die Geduld des Lesers auf eine harte Probe.

Ein deutliches Manko machen auch die diversen Fehler aus, die im Buch auftreten und entweder auf Fehler in der Übersetzung oder einfach nur auf ein schlechtes Lektorat zurückzuführen sind. Da diese dann auch noch durch die teilweise bewusst wirren Satzkonstruktionen des Autors ergänzt werden, drängt sich dem Leser teilweise der Eindruck auf, dass hier offensichtlich die erste Fassung des Romans veröffentlicht wurde.

"So weit würde ich nicht gehen", hörte ich mich sagen. "Das scheint mir reine Spekulation zu sein. Aber ich glaube tatsächlich, das ja, alarmierend. Ziemlich sicher, dass und erscheint mir offenkundig, dass man zu diesem Zeitpunkt Kontakt mit den Ich denke, es gibt keinen Zweifel, dass offensichtlich."

Wer sich dennoch ohne die Einordnung "Krimi" oder gar "Thriller" auf dieses Buch einlässt, erlebt eine beunruhigende Geschichte über das Auseinanderbrechen von familiären Beziehungen und über das vorprogrammierte Scheitern von Kindern und Jugendlichen, die man mehr oder weniger sich selbst überließ. Der ständige und hier permanent geschilderte Missbrauch von Drogen und Alkohol trägt seinen weiteren Beitrag dazu bei, und so stellt sich der Leser regelmäßig die Frage, ob Amerikas Mittelschicht tatsächlich den Großteil des Tages bedröhnt durch die Gegend streunt.

Immerhin klärt Chaon die offenen Fragen der Handlung auf, wenn auch hier ein genaues Lesen des Buches nötig ist und auch sicherlich noch eigene Interpretationen des Lesers einfließen. Zurück bleibt ein Drama von regelrecht shakespear'schem Ausmaß und einem generell unguten Gefühl.

Ob das Ganze jetzt ein Krimi oder tatsächlich ein Thriller ist, daran mögen sich die Geister scheiden, es bleibt ein Roman über das Zerbrechen von Träumen, Freundschaften, Familien - und nicht zuletzt von Leben. Ob eine solche Lektüre spannend sein muss, sei dahingestellt, ein beunruhigendes Gefühl hinterlässt sie in jedem Fall und möglicherweise ist damit genau die Intention des Autors erfüllt.

Der Wille zum Bösen

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Letzte Kommentare:
26.11.2018 18:44:23
Anja S.

Mal was anderes, aber gewöhnungsbedürftig und am Ende irgendwie unbefriedigend.
So lautet mein Urteil über dieses hochgejubelte Buch.
Es ist gut zu lesen undgrößtenteils auch spannend, aber entweder habe ich das Ende nicht verstanden oder das Ende ist nicht vollständig zu verstehen. Oder auch beides.

14.06.2018 10:10:42
elke17

Meine Highlight-Liste 2018 hat Zuwachs bekommen: „Der Wille zum Bösen“ des amerikanischen Autors Dan Chaon, ein ungewöhnlicher und faszinierender Thiller(Platz 2 und höchster Neueinsteiger der Krimibestenliste Juni 2018), bei dem die Frage „Wer war’s?“ allein durch die Form komplett in den Hintergrund gedrängt wird.

Worum geht es? Diese Frage ist schnell beantwortet: nach 27 Jahren Haft wird Russell, der Adoptivbruder des Psychologen Dustin Tillman, aus der Haft entlassen, nachdem DNA-Analysen seine Unschuld am gewaltsamen Tod der Eltern ergeben haben. Dustin war von dessen Schuld überzeugt und hatte im Prozess als Belastungszeuge ausgesagt. Annähernd gleichzeitig fordert Aqil, ehemalige Polizist und einer seiner Patienten, seine Mithilfe im Fall eines Serienmörders, der an bestimmten Daten junge Männer in abgelegenen Gewässern ertränkt. Wer hat die Tillman-Eltern getötet, und gibt es den Serienkiller wirklich? Das sind die beiden Fragen, die Dustin umtreiben und sein durchschnittliches Leben komplett aus den Fugen geraten lassen.

Die Story hört sich nun nicht wirklich spektakulär an. So oder so ähnlich hat man das schon zigmal gelesen. Was aber nun Chaon daraus macht ist außergewöhnlich. Nicht nur, dass er seine Leser auf eine Reise in die Vergangenheit schickt, kennt man ja auch zur Genüge, nein, da hat er wesentlich mehr auf Lager.

Dustin, seine beiden Söhne Aaron und Dennis, seine an Krebs gestorbene Frau, die beiden Cousinen Kate und Wave und natürlich Russell „Rusty“, jeder von ihnen hat seine eigene Stimme und seine individuelle Sicht auf die Ereignisse, wobei Chaon diese unterschiedlichen Reflexionen willkürlich zwischen den verschiedenen Personen und Zeiten, nämlich Herbst 1983 und Frühjahr 2014 hin und her springen lässt. Und dann gibt es noch bestimmte Situationen, in denen er parallel erzählt, die Sichtweisen verschiedener Personen auf das gleiche Ereignis in parallelen Spalten anordnet, die sich teilweise über mehrere Spalten und Seiten ziehen, was den Leser verunsichern und schlussendlich dazu zwingen mag, seine Annahmen zu hinterfragen.

Was alle Figuren eint, ist dieses Gefühl der Einsamkeit, des Verlorenseins. Und jeder von ihnen hat seine eigene Methode entwickelt, damit umzugehen. Die einen flüchten sich in Drogen, die anderen in die Spiritualität, die nächsten versuchen ihren Platz in der Normalität zu finden. Es gelingt, oder auch nicht. Und am Ende zeigt sich, dass auch die individuelle Realität nur eine verstörende Form der Fiktion ist. Lesen!

18.05.2018 18:42:35
Leser1

Langatmig, springt zuviel zwischen den Zeiten hin und her, und was soll dieser Quatsch mit drei Spalten über mehrere Seiten mit jeweils einer anderen Perspektive. Komplett unnötig sowas. Spannung? Nur in der Form das man ständig darauf wartet das mal etwas passiert. Was dann auf Seite 327 in Form eines einzelnen Satzes mal kurz der Fall ist, und dann wieder auf den letzten paar Seiten.
Frustrierend. Das erste Buch, von dem ich bereue Geld dafür ausgegeben zu haben!