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Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • New York: Doubleday, 2017, Titel: 'The rooster bar', Seiten: 352, Originalsprache
  • München: Heyne, 2018, Seiten: 448, Übersetzt: Kristiana Dorn-Ruhl; Bea Reiter; Imke Walsh-Araya

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Almut Oetjen
Und Geld ist doch alles!

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jan 2018

Die befreundeten Jurastudenten Mark Frazier, Todd Lucero und Zola Maal sind die Hauptfiguren in John Grishams neuem Roman "Forderung". Sie studieren an der Foggy Bottom Law School in Washington und sind kurz vor dem letzten Semester, als sie merken, dass sie die Zulassungsprüfung kaum schaffen werden. Bislang hatten sie gute Noten, weil sie immer nur durchgewunken wurden, wie ihre Kommilitonen auch. Die Foggy Bottom ist eine private Jura-Hochschule, die am Fließband schlechte Absolventen erzeugt. Die Ausbildung ist ungenügend, das Gros der Studenten nicht studierfähig. Privatunis sind ein lukratives Geschäft, seit der Staat jeden Studenten mit einem hohen Darlehen fördert, wovon der Hauptanteil direkt als überhöhte Studiengebühr an die Unis fließt: je mehr Studenten sie ködern, desto höher ihr Gewinn.

Ohne einen Abschluss können die drei ihre Schulden (276.000, 195.000, 191.000) nie zurückzahlen. Selbst mit Abschluss sieht es schlecht aus. Es gibt zu viele und besser ausgebildete Juristen, wie die von der Georgetown und der George-Washington. Einige verpflichten sich zehn Jahre für einen der schlechtbezahlten Jobs im öffentlichen Dienst oder bei einer gemeinnützigen Organisation, weil dann ein Teil der Schulden erlassen wird. Die meisten finden keinen Job, und wenn doch, reicht der Verdienst im Normalfall nicht für die Rückzahlung des Darlehens.

Investment-Hai verdient mit den privaten Unis jede Menge Kohle

Zolas bipolarer Freund Gordon Tanner hat Informationen über Hinds Rackley gesammelt, die er an eine große Zeitung geben will. Rackley, Anwalt und Investment-Hai, ist Besitzer der Foggy Bottom und sieben weiterer Privatunis, mit denen er Millionen verdient. Rackley steckt hinter einem Labyrinth aus Scheinfirmen, bestehend aus vier Anwaltskanzleien mit Strohbesitzern, diversen Inkassofirmen und der korrupten Swift-Bank.

Gordon hat seine Medikamente abgesetzt, wird betrunken festgenommen. Mark, Todd und Zola holen ihn mit Hilfe des Anwalts Darrell Crowley aus dem Gefängnis. Kurz darauf begeht Gordon Suizid, indem er von der Arlington Memorial Bridge in den Potomac springt.

Mark, Todd und Zola brechen ihr Studium ab, jobben in der Rooster Bar und gründen unter falschen Namen die nicht-lizensierte Rechtsberatung UPL (Upshaw, Parker und Lane). Mark und Todd suchen sich ihre Klienten auf den Gerichtsfluren, hauptsächlich "Verkehrsdelikte", Zola sucht in den Krankenhäusern nach Personenschadensfällen.

Die drei Hochstapler bekommen mehr als ernsthafte Probleme

In den Fluren geht es drunter und drüber und niemand fragt nach ihrer Zulassung. Anfangs sind Mark und Todd erfolgreich und verdienen gut, bis Mark einen großen Fall an Land zieht. Er vertritt Ramon Taper, dessen Baby kurz nach der Geburt in der Klinik gestorben ist. Der medizinische Gutachter versichert Mark, dass das Baby von der Klinik vernachlässigt wurde, es sich also um einen Kunstfehler handelt. Mark will den heiklen Fall an den erfahrenen Anwalt Jeffrey Corbett abgeben und erfährt von dem, dass die Verjährungsfrist abgelaufen ist, während er den Fall vorbereitet hat. Ramon kann ihn wegen anwaltlicher Pflichtverletzung auf Millionen verklagen.

Das ist nicht das einzige Problem der drei Hochstapler. Als sie in den Fokus der Anwaltskammer geraten und aufzufliegen drohen, konzentrieren sie sich auf Rackleys Swift Bank.

Es beginnt ein brisantes Katz-und-Maus-Spiel, in dem die drei Hochstapler versuchen, ihren Verfolgern zu entrinnen und gleichzeitig einen letzten großen Coup zu landen - und Rackley zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Bewertung des Buches ist wirklich Ansichtssache

Grisham thematisiert in seinem neuen Thriller das System der privaten Jura-Hochschulen, das sich zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt hat. Inspiriert wurde er von einem Zeitungsartikel über den Betrug solcher Hochschulen, die junge Leute mit dem Versprechen auf eine gute Zukunft in die Schuldenfalle treiben.

Je nachdem, was man von Grishams Werk hält, ist "Forderung" ein lustlos heruntergeschriebener Langweiler, sehr technisch ausgerichtet, in dem sich der Autor oberflächlich über die heruntergekommenen Werte und das unschöne Bildungssystem auslässt, oder aber ein Buch, in dem er spannend, unterhaltsam und bisweilen komisch Gesellschaftskritik übt - am Beispiel des Rechtssystems und dessen Peripherie.

Nur Absolventen bestimmter Law Schools bekommen die heiß ersehnten Positionen

Man kann auch für das Buch argumentieren, dass es, anders als viele Filme und Romane, nicht brillierende Anwälte zeigt oder im letzten dramatischen Moment mit einer aufregenden Wendung aufwartet. Vielmehr scheinen die meisten Anwälte einen schwierigen Job zu haben, in dem sie dennoch irgendwie bestehen wollen. Nur bestimmte Absolventen bestimmter - meist privater und extrem teurer - Law Schools bekommen die heiß ersehnten Positionen. Die meisten, wenn sie überhaupt den Abschluss schaffen (die Foggy hat eine Quote von etwas über 50 Prozent), wuseln sich hochverschuldet durch den Alltag und das Berufsleben.

Es werden Versprechungen gemacht und nicht eingehalten, unzutreffende Karriere-Aussichten skizziert, mittelmäßige Absolventen als Hochbegabte etikettiert und in ein Ausbildungssystem überführt, in dem sie versagen müssen.

Unsere jungen Rebellen ziehen daraus die Konsequenz, mit unsauberen Methoden schnell reich werden zu wollen.

Den Schlamassel, in den sie sich hineinmanövrieren, vermögen sie lange Zeit nicht zu erfassen oder zu begreifen. Sie haben das Gefühl, auf der Erfolgsspur zu sein, ignorieren erste Hinweise des drohenden Unheils.

Abschiebung Illegaler ist am Ende auch nur Big Business

Die drei Hauptfiguren mögen schlechte Studenten sein, brillante Hochstapler sind sie allemal. Begleitet wird die Haupthandlung von familiären Probleme, die sich ebenfalls im juristischen Bereich bewegen. Marcs jüngerem Bruder Louie droht wegen Kokainhandels eine Gefängnisstrafe. Zolas Familie, illegale senegalesische Immigranten, steht vor der Abschiebung. Zola hat als einziges Mitglied ihrer Familie die US-Staatsbürgerschaft, da sie in den USA geboren wurde.

Grisham befasst sich mit der Einwanderungspolitik, Korruption und Ethik und nimmt das System der ICE, der Einwanderungs- und Zollbehörde, unter die Lupe, von denen zwei Drittel privat betrieben werden: Abschiebung ist Big Business.

Es gibt keine Guten, aber jede Menge Böse - und eine Grauzone dazwischen, in die unsere Rebellen gehören. In einer Menschen-verachtenden Welt ist es nahezu unmöglich, sich gegen die Opferrolle zu wehren und zugleich gut zu bleiben.

Überlebensinstinkt trifft in "Forderung" auf ethisch-moralische Überlegungen und persönliche, ganz subjektive Bedenken. Die Figuren sind unterschiedlich risikobereit und skrupulös.

Zola beispielsweise schafft es nicht, unter den Patienten auch nur einen Klienten zu werben. Manchmal überkommen die Drei echte Zweifel und sie stellen sich Fragen wie: Hätte es nicht doch eine legale Alternative gegeben? Schaden wir unseren Mandanten? Drei Monate schweben sie zwischen Selbstversicherung, Rechtfertigungen und der Angst vor dem Auffliegen.

Diese Überlegungen kennt der Finanzhai nicht. Er frisst alles, ohne zu diskriminieren.

John Grishams Justizthriller "Forderung" erzählt eine spannende Geschichte vor realem Hintergrund, dem System der privaten Jura-Hochschulen. Faktenreich und flott folgt er traditionellen Erzählmustern, liefert viel Stoff, überrascht aber nicht wirklich.

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Letzte Kommentare:
06.05.2018 14:14:52
lausberg

Der autobiografische Charakter des Romans ist offensichtlich. John Grisham anschließend studierte er Rechtswissenschaft an der University of Mississippi. Er beendete 1981 sein Jurastudium und praktizierte danach fast ein ganzes Jahrzehnt als Anwalt in Southaven in DeSoto County. Er spezialisierte sich auf Strafverteidigung und auf Prozesse mit Körperverletzung. Dieses Buch ist auch eine Kritik am Bildungssystem in den USA: Private und öffentliche Universitäten sehen sich als selbstständige Unternehmen und Dienstleistungsanbieter und werden von den Studenten für Vorlesungen und Seminare bezahlt. Sie werden nicht vom Staat beaufsichtigt und entscheiden in allen Belangen, auch in der Festlegung der Studienbezeichnungen und Studieninhalte vollkommen eigenständig. Die Aussichten von Mark nach Beendigung der Foggy Bottom Law School beschreibt er so: „Ein Semester trennte Mark noch vom Abschluss, und er musste der bitteren Realität ins Auge sehen, dass er die Uni mit einer Belastung von 266.000 Dollar inklusive Zinsen verlassen würde, für College und Jurastudium. Nicht minder problematisch waren seine Jobaussichten. In Wahrheit war der Arbeitsmarkt bei Weitem nicht so reizvoll wie erhofft und auch nicht so dynamisch, wie in den Hochglanzbroschüren und der schamlos beschönigenden Webseite der Foggy Botto, dargestellt. Abgänger von Eliteuniversitäten finden immer noch beneidenswert gut bezahlte Stellen, doch die Foggy Bottom gehörte nicht in diese Kategorie.“ (S. 9)Wie Mark befinden sich auch Zola und Todd in demselben Teufelskreis. Die schlechte Ausbildung in Foggy Bottom war schuld daran, dass sie das Examen nicht schaffen würden. Ohne Examen keinen Job und ohne Job keine Rückzahlung der für die Ausbildung angehäuften Schulden. Um sich für das Scheitern ihrer Lebensträume zu rächen, geben sie sich ohne Lizenz als Anwälte aus und denken sich einen brillanten Plan aus, der jedoch sehr gefährlich ist.