Schnitzeljagd

Erschienen: Januar 1961

Bibliographische Angaben

  • London: Collins, 1956, Titel: 'The Paper Chase', Seiten: 256, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1961, Seiten: 176, Übersetzt: Arno Dohm
  • München: Goldmann, 1974, Seiten: 182

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Michael Drewniok
Jagd auf den Malteser Hummer

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2003

Mit seinem Debüt als Kriminalroman-Autor ist Charles Applegate, 23 Jahre jung, unverhofft zu einigem Ruhm gekommen. Die weitere Karriere lässt sich indes zäh an; dem Nachwuchs-Schriftsteller will so recht nichts einfallen. Deshalb heuert er als Aushilfslehrer an. Im Landerziehungsheim Bramley Hall in der schönen englischen Grafschaft Kent hofft er Anregungen zu finden. Dank 18 schwer erziehbarer oder sogar krimineller Zöglinge beiderlei Geschlechts, eines seltsamen, weil antiautoritären bis anarchistischen Schulleiters und seiner im Dauerrausch das Chaos beflügelnden Gattin stehen seine Chancen gar nicht schlecht.

Dann ist da noch Frank Montague, der am selben Tag wie Applegate seinen Dienst antritt, aber diesen noch am Abend wissen lässt, dass er alles andere als ein Lehrer ist. In Bramleys Mauern gibt es ein lukratives Geheimnis zu lüften, so Montague, der dem entgeisterten Charles unterstellt, vom demselben Motiv beseelt zu werden. Um was es eigentlich genau geht, bleibt ungeklärt, und so wird es zunächst bleiben, denn als Applegate seinen geheimnisvollen Kollegen später noch einmal befragen will, findet er ihn in dessen Zimmer mit einem langen Dolch im Herzen.

Während die Polizei im Dunkeln tappt, machen sich in der folgenden Zeit allerlei merkwürdige Gestalten an Charles heran. Da ist der verschlagene Henry Jenks, der ihn über die wahre Geschichte von Bramley Hall in Kenntnis setzt. Einst residierte hier der berüchtigte Johnny Bogue, Betrüger, Hochstapler, Frauenheld, in den 30er Jahren politisch rührig als Kopf einer faschistischen Gruppe, die England nach deutschem Vorbild umzugestalten trachtete, später Geheimagent und angeblich im Dienste seines Heimatlandes auf einer geheimen Agentenmission umgekommen. Was aus seinem in vielen Jahren zusammengegaunerten Vermögen geworden ist, konnte nie geklärt werden. Zwei rivalisierende Banden jagen ihm seither hinterher.

Drahtzieherin der Jenks wenig gewogenen Konkurrenz ist Bogues Ex-Geliebte Eileen Delany, die ebenfalls alles daran setzt, den Schatz zu heben. Wie Jenks ist sie davon überzeugt, dass Applegate mehr weiss als er zugibt, was diesem argen Verdruss beschert, als er dem Schläger Barney Craigen und dem psychopathischen Messerhelden Arthur begegnet, die in Jenks' Diensten stehen - und bald auch in Eileens, denn die beiden Erzgauner tun sich zusammen und machen dem armen Charles das Leben doppelt schwer. An seiner Seite steht immerhin die junge Hedda Pont, Nichte des Schulleiters von Bramley, die unkonventionell und wagemutig dort voran schreitet, wo Applegate lieber umkehren würde.

Gauner steht nun gegen Gauner, jeder belauert jeden, lügt, verdreht Tatsachen, spielt falsch. Nur eine Konstante gibt es: die Präferenz des eigenen Vorteils. Charles versucht sich als Teilnehmer eines Spiels, dessen Regeln er nicht wirklich kennt, zumal sie sich ständig ändern. Ausserdem gibt es da noch den undurchsichtigen Ex-Agenten Shalson, der an Bogues Ende wohl nicht ganz unbeteiligt war und nun sein Stück vom Kuchen haben möchte. Sie alle sind freilich nur Waisenknaben gegen die Graue Eminenz, die im Hintergrund wirkt und die Fäden zieht, bis sich die Fronten endgültig verwischt haben ...

"Schnitzeljagd" ist eines jener literarischen Kleinodien, die in der Flut der ständig in die Buchläden schwappenden Neuerscheinungen versinken, bis sie der Zufall eines Tages wieder an die Oberfläche bringt. Hier war es Ihr Rezensent, dessen Aufmerksamkeit einst auf dem Flohmarkt zunächst nur die erstaunliche Tatsache erregte, dass dieser Roman der ihm nur schwarzrückig bekannten RoRoRo-Thriller eindeutig zitronengelb daherkam. Aber so sah diese Reihe tatsächlich aus, als sie im Spätsommer des Jahres 1961 auf den Markt kam.

Ein glücklicher Griff, dann das übliche Schmachten irgendwo auf einem der vielen Regalbretter in der Höhle des besagten Rezensenten, schliesslich doch die Lektüre, nachdem diesem klar wurde, was er da eigentlich erwischt hatte: einen Roman von Julian Symons, der zu den ganz, ganz Großen der angelsächsischen Kriminalliteratur gezählt wird. "Schnitzeljagd" macht eindrucksvoll deutlich, wieso dies der Fall ist - eine spannende, verrückte, durchaus leichenreiche, mit trockenem, schwarzem Humor gespickte, glänzend erzählte Geschichte voller Listen und Finten, falscher Spuren und unverhoffter Entwicklungen - eine Schnitzeljagd eben - vor pittoresken Kulissen. Zwar will dem erfahrenen Leser bald scheinen, dass sich der Verfasser ein wenig zu stark an Dashiell Hammetts "Der Malteser Falke" anlehnt, was jedoch dem Vergnügen keinen Abbruch tut: Symons nimmt zwar sein Publikum, nicht aber seine Story sehr ernst.

Zur vertrackten Story und zum leicht frivolen Tonfall - erstaunlich, wie unverkrampft Symons in dieses immerhin 1956 veröffentlichte Buch sexuelle Anspielungen einfließen lässt - kommt eine Galerie bemerkenswerter Gestalten, die ganz sicher nicht mit dem Attribut "normal" beschrieben werden können. Mindestens eine Macke haben sie alle, die sich hier belauern & betrügen. Ihr böses, wiederum grotesk überzeichnetes und dadurch entschärftes Ende ist daher nur folgerichtig, und aus das Ende ist nur bedingt so happy, wie der Autor es uns boshaft vorgaukelt. (Ein echter Held bemerkt nicht, dass die Dame seines Herzens auf stämmigen Beinen steht ...)

Schnitzeljagd

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Letzte Kommentare:
14.01.2007 17:29:54
Michael Klimek

Dem Statement von Rolf kann ich mich nur anschließen: "Ein irres Lachen, Wer stirbt schon gerne in Venedig, Villa Victoria, Damals tödlich,Sherlock in der Klemme u. andere- alles Klassiker in meiner Sammlung, gerne auch öfters gelesen! Die messerscharfe Analytik anderer Symons Romane hat Schnitzeljagd nicht, vielleicht auch weil der Autor zu Beginn der Karriere mehr Wert auf Stil gelegt hat und deswegen mehr Eleganz in seinem Schreibstil vorlegt. Was solls, Symons ist der Meister der kriminellen Literatur, R.I.P.
Was würde ich für weitere Übersetzungen geben- trotz der bereits bestehenden umfangreichen deutschen Veröffentlichungen...

16.08.2003 20:50:54
Rolf

Profunde Kenntnis des Genres, flüssiger,leicht ironischer Schreibstil,gediegene Plotkonstruktion,warum ist Julian Symons zeitlebens nie d e r große Roman gelungen? Die Frage eines Kritikers anlässlich Symons\' Tod lässt sich bei diesem Buch ( eines der schwächsten des Autors) einfach beantworten: Es fehlt das Herzblut . Die Suppe wird perfekt angerichtet, gekonnt abgeschmeckt und stilvoll serviert - aber der Leser mekrt doch, dass es letztlich nur Tütensuppe ist. Das gilt übrigens für 80 - 90 % aller Krimis. Deshalb gilt: Lieber einen gut gemachten Symons als den 27. gewaltsam aus dem Orkus gezerrten Schweden-Autor. Zum Glück ist Symons deutsche Titelliste lang, und "Bloody Murder" in der 3. revidierten Ausgabe von 1992 (leider nur in Englisch) ist ein absolutes Muss.Er beendet das Buch übrigens mit einm Bert Brecht Zitat.Wirklich ein belesener Mann - und als Krimi-Kritiker nur mit Anthony Boucher zu vergleichen.