Der Tod bohrt nach

Erschienen: Juni 2018

Bibliographische Angaben

  • Köln: Emons, 2018, Seiten: 352, Originalsprache

Couch-Wertung:

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Jochen König
Wiederbohren macht Freude

Buch-Rezension von Jochen König Dez 2018

Zum dritten Mal stolpert Zahnärztin Dr. Leocardia Cardiff über ein Verbrechen. Beziehungsweise kommt es diesmal zu ihr getaumelt. In Gestalt Dietrich Möwes, der nach dem Kampf mit einem Nussplätzchen dringend eine größere Zahnreparatur braucht. Doch statt sich behandeln zu lassen, radebrecht der augenscheinlich verwirrte Mann von Mord und Totschlag und verschwindet wegen einer ominösen Rettungsmission aus der Praxis, bevor Dr. Cardiff ihn behandeln kann. Ihre Neugier ist dank dieser seltsamen Aktion geweckt. Vorgeblich im Interesse des Patienten sucht Leocardia nach Möwe, doch mehr interessieren sie mögliche Hinweise, die auf ein reales Verbrechen hinweisen.

Einmischung verboten – nicht mit Dr. Cardiff

Gleichzeitig ist ihr Freund Kommissar Jakob Zimmer wegen eines Vermisstenfalls aktiv. Die verschwundene Studentin Annika hat für einen Escort-Service gearbeitet und ist die Nachbarin eines gewissen Dietrich Möwe. Niemand wird verwundern, dass die Fälle zusammengehören. Leocardia Cardiff ermittelt trotz scharfer Ansagen ihres Freundes auf eigenwillige Art und stellenweise undercover weiter. Bald taucht die erste Leiche auf und der Fall gewinnt weit größere Dimensionen als die Geschichte eines mental derangierten Stalkers und seines Subjekts der Begierde.

Killer, Komik, Karies – ohne billiges Amalgam

Isabella Archan hält auch mit ihrem aktuellen Roman um die (fast) unfreiwillige Detektivin Dr. Leocardia Cardiff die Waage zwischen Spaß und Spannung. Die Autorin opfert die ernsthaften Aspekte der Story nicht für halbgare Pointen, lässt dafür in den entsprechenden Handlungssträngen ihrem Faible für Screwball-Comedy, Slapstick und Verwechslungskomödie freien Lauf. Exemplarisch in einer exponiert inszenierten Party, die Cardiff als Schauspielerin in der Rolle einer Escort-Lady zeigt, die gleichzeitig zu ermitteln versucht, nicht enttarnt werden möchte und zusätzlich ihrem Freund und seinen Kollegen, die auf der gleichen Feier auftauchen, aus dem Weg gehen muss. Kein einfaches Unterfangen, das Archan nicht nur logistisch kompetent händelt.

Von falschen Poirots und einer Ärztin mit umfassendem Begleitservice

Nur selten laufen Spaß und Dramatik etwas zu autark nebeneinander her, und der Nebenstrang um Leocardias »frauenlosen« Vater, der in ihr Leben einfällt und es okkupiert, bremst die Handlung mitunter ein wenig aus. Obwohl dieser Part für sich stehend durchaus unterhaltsam ist und im weiteren Verlauf auch handlungsstützend an Bedeutung gewinnt.

Insgesamt funktioniert der altbewährte Topos der Hobbydetektivin, die gemeinsam mit und manchmal auch gegenläufig zu einem vertrauten Profi (in diesem Fall Leocardias Lebenspartner Jakob und seine Polizeitruppe) Verbrechern auf der Spur ist, ausgesprochen gut. Die Charaktere sind klar konturiert, Archan nimmt sie spürbar ernst, ihre Marotten bleiben im klamaukfreien Raum So spielt die (sich verbessernde) Spritzenphobie der Dr. Cardiff nur noch eine marginale Rolle.

Freiheitsberaubung, Psychosen und Mord verkommen nicht zu launiger Freizeitbeschäftigung, es schwebt immer ein Hauch Düsternis und Traurigkeit über den entsprechenden Passagen. Die Komik ergibt sich aus den absurden Momenten der Handlung oder popkulturellen Anspielungen. Am offensichtlichsten in der Zeichnung des Begleitservice-Chefs als Fake-Hercule Poirot.

Erstbehandlung und zwei Folgeverordnungen – weiter außerhalb des Regelfalles?

So ist »Der Tod bohrt nach« der überzeugende Abschluss der Leocardia Cardiff-Trilogie, die bis zum bittersüßen Finale auf legere, unaufgeregte und spannende Weise unterhält. Die Frage, ob sich das Konzept weiterhin tragen wird, stellt sich allerdings. Denn wie oft kann man als Zahnärztin unversehens mit schweren Straftaten konfrontiert werden? Könnte allerdings funktionieren, wenn man mit einem hauptamtlichen Kommissar zusammenlebt. Insofern: »Eine perfekte Idylle bahnt sich an«.

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