Schweig wie ein Grab

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • München: btb, 2018, Seiten: 288, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Weltmeisterliche Konstruktionen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Nov 2017

Viktor Anders erhält abends einen Anruf aus dem Kloster Trubenbronn. Eine verstorbene Nonne soll auf dem eigenen Gottesacker beigesetzt werden. Da sein Onkel Wolfgang und seine Tante Hedwig nicht zuhause sind, muss Viktor kurzentschlossen deren Sohn, den Autisten Tobias, mitnehmen, da er ihn nicht allein lassen kann. Auf dem Friedhof des Klosters buddelt Tobias in einem unbeobachteten Moment in der Erde und legt dabei die Leiche eines jungen Mannes (Clemens Weidner) frei, dessen Körper noch warm ist.

Wenig später gilt es bereits die Überreste eines Mannes einzusammeln, der bei einem schweren Unfall auf der B2 unter einen Lkw geraten ist. Zeuge des Unfalls ist ausgerechnet Friedhelm, der neue Freund von Miriam, Viktors Ex, bevor es Viktor kurzzeitig zu Kommissarin Schneid hinzog.

Clemens wurde erschlagen, was die Kommissarin auf den Plan ruft. Derweil steht plötzlich Clemens' Freundin Julia vor Viktors Tür und bittet ihn herauszufinden, warum ihr Freund sterben musste. Clemens war bis zu seinem Tod auf der Suche nach seinem leiblichen Vater. Schnell finden Viktor und Julia heraus, dass es mehrere Verdächtige gibt, darunter ein inhaftierter Mörder und der Tote von der B2...

Zahlreiche Wendungen, Verdächtige und ausschließlich skurrile Figuren

"Schweig wie ein Grab" ist der dritte so genannte Bestatter-Krimi von Tessa Korber, in dessen Mittelpunkt der inzwischen 29-jährige Viktor Anders steht. Seine Eltern starben vor einem Jahr bei einem Verkehrsunfall, seitdem arbeitet er bei Tante und Onkel als Bestatter und denkt mitunter an seine Schwester Hannah, die vor zehn Jahren Selbstmord begann. Vielleicht weil sie herausfand, dass Viktor gar nicht der Sohn ihrer beiden Eltern ist? Auch Tante Hedwig hat das erfahren, doch wie soll sie es Viktor erklären, wenngleich ihre Ehe mit Wolfang ohnehin seit Jahren dahin ist.

Viktor möchte Miriam zurückgewinnen, denkt gelegentlich an die Kommissarin und hat zudem die 18-jährige Julia am Hals. Doch er möchte ihr helfen, schließlich hat er schon in der Vergangenheit Mordfälle aufgeklärt. Nach und nach stellt sich heraus, dass gleich mehrere Männer als Vater von Clemens in Frage kommen, wobei sich der Verdacht aufdrängt, dass der Vater auch der Mörder des jungen Mannes ist. Bis zur - in jeder Hinsicht - überraschenden Auflösung gibt es zahlreiche Wendungen. Verdächtige tauchen auf und werden wieder aus dem Spiel genommen, während auch die übrige Handlung reichliche Turbulenzen erfährt. So kommt es, dass selbst die Russenmafia (tatsächlich Ukrainer) mitwirkt.

Keine der Figuren verhält sich ansatzweise glaubwürdig. Selbst der Protagonist ist nicht immer greifbar; die beiden entlarvenden Sätze findet man auf Seite 213:

"Verdattert schaute Viktor von einem zum anderen. So schnell war noch keines seiner Hirngespinste Wirklichkeit geworden."

Es passt ins Bild, dass in einer Szene ein Anruf von Viktor bei der Polizei keine Reaktion auslöst. Auch die Arbeitsmethoden von Schneid schwanken zwischen ungewöhnlich bis nur bedingt nachvollziehbar. Es ist ein wenig wie bei Kommissar Kluftinger oder Autoren wie Fitzek und Strobel. Man muss beide Augen fest zudrücken, dann wird man wunderbar kurzweilig unterhalten; sofern man denn derartige Unterhaltung generell mag. Eines muss man Tessa Korber zudem lassen: So herrlich wirr konstruiert dieser Fall auch sein mag, er ist in sich schlüssig! Kleinigkeiten wie auf Seite 62, wo aus Clemens plötzlich Sebastian und dann sogleich wieder Clemens wird ... geschenkt.

Wer skurrile Unterhaltung und ebensolche Figuren sucht, der greift hier gerne zu. Man amüsiert sich mit Frau Vogelwild, die endlich ihren (noch lebenden Mann) beerdigen möchte und lernt Frau Morgeneier und Dr. Beständig kennen.

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