Ich räche dich

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • München: Blanvalet, 2018, Seiten: 480

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Sabine Bongenberg
Unausgegorene Kindereien

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Nov 2017

Der lange Arm der Vergangenheit

In dieses Szenario führt Mark Hill in seinem zweiten Roman um den Ermittler Ray Drake nebst Kollegen. Wer hier als Leser neu zu dem Ermittlerkreis stößt, erfährt alsbald, dass Drake seinen eigenen Packen Probleme mit sich herum trägt und dass die hier konstruierte Geschichte nicht nur in der Gegenwart spielt, sondern auch Rays' Herkunft Tribut zollt. Dennoch sind es nicht nur seine Bezüge aus der Vergangenheit, die eine Rolle spielen, sondern auch die der hier beschriebenen selbst ernannten "Untermieter". Auch ihr Leben geriet durch ein tragisches Ereignis völlig aus den Fugen. Ein kleiner Junge stürzte bei einem an sich harmlosen Ausflug zu Tode und fraglich blieb, wer eigentlich schuldig an diesem Unglück war.

Mit diesen Zutaten sollte Hill bestens gerüstet sein, einen spannenden Krimi zu schaffen und so kommt es dann doch überraschend, dass das Buch diesen ersten Eindruck nicht erfüllen kann. Liegt es daran, dass zu schnell und zu wirr zwischen den einzelnen Handlungssträngen gewechselt wird? Liegt es am kindischen und unreflektierten Gehabe der einzelnen Hauptpersonen, deren Charakterisierungen und plötzliche Stimmungswechsel eher die Bilder von launischen und ungezogenen Kindern erwecken?

Liegt es an den eigenartigen Verstrickungen aus Drakes Kindheit, die nach wie vor nicht glaubhaft und logisch aufgearbeitet werden können? Oder an seinem unreflektierten und letztendlich unerklärlichem Interesse an den privaten Beziehungen seiner Kollegin?

Unausgegoren und überzeichnet

Insgesamt bietet "Ich räche Dich" eine Ansammlung von unausgegorenen Ideen, die sich in ebenso spontanen und überzogenen Handlungen ihrer Helden ausdrücken. Da werden Kinder aus Heimen im Ostblock regelrecht "gerettet", aber genauso zurück expediert, wenn sie im Gastland nicht "funktionieren", Geschäftsführer stürzen bei Vorstellungen ihrer wichtigen und lukrativen Projekte von hier auf jetzt in ein tiefes emotionales Loch, das sie sogar körperlich quasi zu verkrüppeln mag und tumbe Einbrecher entwickeln sich im Tempo eines Wimpernschlages zu Mordmaschinen.

Dem gegenüber zeigt sich die Polizei offensichtlich hilflos, was hier aber auch nicht überrascht, da sie offensichtlich mit der Klärung ihrer eigenen Interna mehr als genug zu tun hat. Mehr als haarsträubende Fehler lassen dann auch diverse Fragen zur Ermittlungsarbeit der Gesetzeshüter in England aufkommen und je nach Berufsrichtung mag sich der Gedanke "Armes England" oder "Nichts wie hin!" aufdrängen.

Bereits im ersten Band um die Arbeiten Ray Drakes traten verschiedenen Ungereimtheiten und an den Haaren herbeigezogene Entwicklungen ein, die zwar eine gewisse "Action" erschufen, aber nicht dazu beitragen konnten, einen seriösen Krimi zu entwickeln. Von dieser Linie hat sich der Autor hier noch einmal weiter entfernt. Fraglich ist, ob hier noch einmal eine Rückkehr zu seriöser Polizeiarbeit möglich ist oder ob vielmehr damit zu rechnen ist, dass Hills' Ermittler noch weiter abdreht und alsbald seine eigene Schneise der Verwüstung durch die hektische Handlung zieht.

In Anbetracht dessen, dass nach dem ganzen Hin- und Her nun bereits zwei - wenn auch literarische - Personen mehr nicht mehr in den Genuss von Englands Teilnahme an der diesjährigen WM kommen, wogegen deren Mörderin oder Mörder bei einem kalten Bier entspannt die Füße hochlegen kann, na, da bleibt doch für eine Prognose wirklich nicht mehr viel Spielraum.

Ich räche dich

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Letzte Kommentare:
08.01.2019 14:19:09
weingasi

Entgegender Einschätzung der KC-Rezensentin hat mir das Buch, wie auch der erste Teil sehr gut gefallen. Ich fand die Geschichte durchgängig spannend ohne Leerlauf. Die von Frau Bongenberg kritisierten " Unausgegorenheiten " werden m. M. ausreichend erklärt. Als überaus angenehm empfand ich, dass hier nicht auch noch eine, immer wieder gerne integrierte Lovestory zwischen den Protagonisten beschrieben wird. Das Ende der Geschichte lässt auf einen Folgeband hoffen, den ich ganz sicher lesen werde, zumal noch einiges aufgeklärt werden muss. Die hier erzählte Geschichte wird jedoch aufgelöst. Von mir gerne 90 Grad.