Sofias Reise

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Waiblingen: Südwestbuch, 2017, Seiten: 300, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Reise in die Abgründe des Menschenhandels und der Prostitution

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2017

Bei Ausbaggerungsarbeiten für eine neue Fahrrinne der Ij wird in Amsterdam die Leiche einer Frau entdeckt. Selbst den erfahrenen Ermittlern um Commissaris Jacob Peeters stockt der Atem, denn die Füße der kaum bekleideten Frau stecken jeweils in Zehn-Liter-Eimern, gefüllt mit Zement. Die Hände der Frau sind auf dem Rücken gefesselt, wie lange sie schon im Wasser liegt ist zunächst unklar. Fest steht jedoch nach der Obduktion, dass die Frau noch lebte als sie im Hafen versenkt wurde.

Die Ermittlungen kommen nicht voran, es fehlt ein brauchbarer Ansatz, doch dann erfahren Peeters und sein Team zufällig von einem Verkehrsunfall. Eine junge Frau rannte im Hafengebiet nackt vor ein Auto und starb noch an der Unfallstelle. Kurz zuvor wurde sie Opfer eines brutalen Sexualverbrechens. Eigentlich kein Fall für Peeters, doch beide Frauen trugen den gleichen Clown als Tattoo am Oberarm. 

Die weiteren Ermittlungen führen gemeinsam mit den Kollegen für Organisierte Kriminalität und Europol in die Niederungen des Sexgewerbes. Abseits des bekannten Rotlichtviertels der Stadt leben und arbeiten hier Frauen als Zwangsprostituierte, überwiegend aus Osteuropa, unter unwürdigsten Bedingungen.

Der Traum einer jungen Frau zerfällt sehr bald

Sofia ist eine junge Frau aus Moldawien, dem Armenhaus Europas. Wie viele andere träumt sie von ein wenig Glück und einer Familie, doch es gibt weder in der Hauptstadt Chisinau, geschweige denn in den ländlichen Regionen, ausreichend Arbeit. An Wohlstand ist daher nicht zu denken und so zieht es Sofias Freund nach Russland, wo er auf eine bessere Zukunft hofft. Sofia bleibt zurück bei ihren Eltern und muss sich allein um ihre Tochter kümmern. Doch Sofia will mehr und fällt auf eine Frau herein, die ihr einen Job in der Gastronomiebranche im Ausland verspricht.

"Es ist fast alles möglich. Wenn du zahlst, besorgen die dir alles. Es gibt im Internet tausende von Eintragungen, in denen Frauen offeriert werden. "Hübsch und unkompliziert", "gehen auf alle Wünsche ein", "eignen sich auch zum Heiraten oder als Haushälterin."
"Ich dachte, die Sklaverei sei abgeschafft."

In "Sofias Reise" ermitteln Commissaris Jacob Peeters und sein Team in den beiden dargestellten Fällen, und da die beiden toten Frauen zuvor als Zwangsprosituierte arbeiteten, kreuzen sich bald die Wege von Peeters und Sofia nach einer Razzia. Doch Sofia weiß aus ihrer moldawischen Heimat nur zu gut, dass die Polizei der Feind ist, der für Geld mit den Verbrechern zusammen arbeitet. Warum sollte dies in Holland anders sein?

So müssen sich die Hintermänner keine Sorgen machen, dass sie von den verängstigten Mädchen verraten werden könnten. Notfalls würden ihre Familien zuhause erfahren, womit sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen. Eine Rückkehr in die Heimat wäre dann für immer ausgeschlossen.

Schwere Kost mit Langzeitwirkung

Detlev Dirkers schildert Sofias Reise aus Moldawien über die Türkei (dort wird sie lange misshandelt und später bei einer Auktion an einen skrupellosen Zuhälter verkauft), die später in Amsterdam ihre vorläufig letzte Station erfährt. Es sind harte, unvorstellbare Szenen, die der Autor seinen Lesern zumutet und dennoch ist der Roman kein weiterer "Gewaltporno".
Langer Nachhall nach Abschluss dieser teils schwer verdaulichen Lektüre ist gewiss. Und dennoch ist "Sofias Reise" unbedingt lesenswert. Der Krimiplot ist verästelt, wenngleich der Spannungsbogen überschaubar bleibt. Die Einblicke in Menschenhandel, Zwangsprostitution und das Ausleben von Gewaltfantasien sind (trotz aller Brutalität) lesenswert. Wie die jungen Frauen in ihre ausweglose Situation hineingeraten, und dass sie dieser aus eigener Kraft nicht entfliehen können, ist das eigentlich schockierende Element an diesem Buch.

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