Auf der Liste

Erschienen: Juni 2016

Bibliographische Angaben

  • -: CreateSpace Independent Publishing, 2009, Titel: 'The list', Originalsprache
  • : AmazonCrossing, 2016, Seiten: 366, Übersetzt: Peter Zmyj

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Michael Drewniok
Aufguss-Prominenz muss den III. Weltkrieg verhindern

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jul 2019

Tom Mankowski und Roy Lewis sind Freunde und Kollegen - zwei abgebrühte Veteranen im Morddezernat des Chicago Police Departments. Sie ermitteln nicht sehr raffiniert, aber sehr entschlossen, weshalb sich ihre Aufklärungsrate sehenlassen kann. Ein neuer Fall lässt die kleine, glückliche Cop-Welt zusammenstürzen: Mankowski gerät ins Visier einer mysteriösen Macht, die es nicht nur auf ihn abgesehen hat: Alle Opfer tragen am linken Fuß eine eintätowierte Zahl; bei Tom ist es die „5“. Personen mit diesen Tattoos, aber anderen Zahlen wurden auf grausame Weise ermordet. Die Ermittlung in eigener Sache führt Tom zurück in seine Kindheit. Er wurde adoptiert und weiß nichts über seine biologischen Eltern.

Ihre Untersuchung führt Mankowski und Lewis auf die Spur eines bizarren Experiments: In den 1980er Jahren gab es streng geheime Experimente, deren Verursacher längst verstorbene Zeitgenossen genetisch ‚kopierten‘ und ‚wiederauferstehen‘ ließen. Tom ist das Ebenbild von Thomas Jefferson, einem der Gründerväter der USA. Weitere ‚Wiedergänger‘ sind u. a. Abraham Lincoln, Albert Einstein und die französische Nationalheldin Jean d’Arc, die in Hollywood erfolgreich als Filmproduzentin arbeitet.

Die Spur führt zu den beiden Philip Stangs - Vater und Sohn. Letzterer ist Abgeordneter im US-Kongress und Sprecher des Repräsentantenhauses. Als lebenslange Marionette seines ehrgeizigen und skrupellosen Vaters soll er Präsident werden - und umgehend einen neuen Weltkrieg vom Zaun brechen, um anschließend eine neue Weltordnung zu etablieren.

Als die Stangs entdecken, dass sie auffliegen könnten, hetzen sie unter Missbrauch ihrer Macht Polizei und Justizbehörden auf Mankowski und Lewis. Fatalerweise wurden auch Attila, der Hunnenkönig, Vlad „Dracula“ Tepes und Jack the Ripper ‚wiedererweckt‘. Sie arbeiten für die Stangs und können dabei ihrem Hang zum Foltermord frönen. Auch dieses Trio sitzt den Gefährten im Nacken, während diese sich bemühen, den Weltuntergang zu verhindern.

„Ich habe den Kopf gefunden.“

Mit diesem Satz startet unsere Geschichte verheißungsvoll. Autor Joseph Andrew Konrath geht sofort in die Vollen und markiert den Auftakt eines Thrillers, in dem Helden, Schurken und Lesern keine Ruhepausen gegönnt (oder zugemutet) werden. „Auf der Liste“ ist literarisch ganz sicher qualitätsarme Lektürekost, die jedoch als solche von einem Verfasser angerichtet wird, der dies so geplant hat, während er gleichzeitig über das handwerkliche Geschick verfügt, ein generell bizarres Garn gebührend auf Kurs zu halten.

Feinsinn bleibt ausdrücklich ausgeschlossen, die Kapitalüberschrift demonstriert es: Tom und Roy inspizieren wieder einmal den Schauplatz eines besonders scheußlichen Mordes, dessen Details uns der Autor liebevoll präsentiert. Dass trotzdem von „Torture Porn“ oder Metzel-Stumpfsinn keine Rede sein kann, macht die Lektüre umgehend deutlich: „Auf der Liste“ beweist in keiner Zeile Realitätsnähe. Ein ebenfalls wenig subtiler, aber funktionstüchtiger, auf Übertreibung setzender, gern schwarzer Humor unterstreicht das comichafte Treiben.

Die Story ist in jeder Hinsicht hanebüchen. Konraths Versuch, die bös-biologischen Untaten ‚logisch‘ zu ‚erklären‘, ist ein Witz, der augenzwinkernd erzählt wird: Der Autor entfesselt einen wahren „Technobabbel“-Sturm, der wenige Fakten mit üppig blühendem Blödsinn mischt. Geklont wurde ausschließlich um des Effektes willen, was uns Bekanntschaft mit Gestalten schließen lässt, die man  aufgrund mangelhaften DNA-Ausgangsmaterial niemals wird kopieren können (oder wollen): Auch das Motiv hinter der Erschaffung prominenter Wiedergänger weist Marvel- oder DC-Format auf, ist also absolut hirnrissig.

Buddys und Bösewichte

Aus dem bereits Festgestellten lässt sich schließen, dass auch die Figurenzeichnungen keinerlei Realitätshaftung an den Tag legen. Konrath konfrontiert uns ausschließlich mit überaus seltsamen Gestalten, die entsprechend denken, reden und handeln. In diesem Punkt sind die ‚Guten‘ mit den ‚Bösen‘ einig; eine Gemeinsamkeit, die Konrath weidlich in Tat und Wort - manche Dialoge sind schlicht reiner Irrwitz - zu nutzen weiß.

Tom und Roy sind natürlich klassische Cop-Buddys, die sich anknurren, aber innig lieben und einander ständig das Leben retten. Entsprechender ‚Humor‘ wird reichlich geboten. Um dies zu unterstützen, nimmt der Verfasser zusätzlich den Anti-Helden Bert an Bord, der unbeholfen und bockbeinig für weitere Verwicklungen sorgt. Überhaupt schlägt Konrath gelungen Kapital aus der Frage, wie Geistesgrößen (oder irre Serienkiller) von Gestern in der Gegenwart zurechtkommen würden. Tom/Thomas Jefferson ist ein Cop, Abe/Abraham Lincoln ein windiger Gebrauchtwagenhändler, Bert/Albert Einstein verkauft Angelköder.

Folgerichtig sind ihre Gegner ebenfalls Karikaturen. „Jack the Ripper“, „Dracula“ und „Attila“ geben denkbar ungeschickte Schufte ab. Sie vertändeln ihre Zeit mit der Planung möglichst grässlicher Morde, an deren Durchführung sie immer wieder scheitern. Unfreiwillig beweist Konrath hier sogar Realitätssinn, denn wieso sollten Killer, die entweder aus dem Hinterhalt zuschlugen bzw. Gräueltaten vor allem befahlen, taugliche Auftragsmörder sein? Kein Wunder, dass sie ständig gefoppt und verhauen werden!

Die Stangs stehen ihnen unrühmlich zur Seite. Seit Jahrzehnten schrauben sie an einem Plan, der nichts Geringeres als die Weltherrschaft als Ziel hat. Ihr Vorgehen ist - gelinde ausgedrückt - fragwürdig. Als Super-Schurken taugen sie nicht; der finale Kampf zwischen unseren ‚Helden‘ und allen überlebenden Übeltätern ist wenig spektakulär. Dennoch ist für Spaß gesorgt, denn Konrath lässt nun sämtliche Zügel fahren und entfesseln ein Pandämonium, das Fragen nach der Wahrscheinlichkeit des Geschehens gar nicht aufkommen lässt.

Ende gut, alle Bösen tot?

Gestorben wird jeweils unter Aufbietung des höchstmöglichen Schau(der)-Effekts, wobei abermals die Übertreibung den Maßstab bildet. Konrath treibt seinen Scherz mit einem Entsetzen, das sich ohnehin nicht einstellen will, weil der Tod nur oberflächlich grässlich daherkommt. Außerdem erwischt es primär Strolche und Widerlinge, denen man nicht nachtrauert. Abwesend bzw. abgeschaltet sollte trotzdem sein, was als „political correctness“ bekannt ist.

Es dürfte keine Überraschung sein, dass Konrath sich Tom & Roy warmgehalten hat. Das Finale enthüllt ‚überraschend‘ die Existenz weiterer Klone, die ausgeschaltet werden müssen. Allerdings knüpfte Konrath (noch) nicht an diese Handlung an, als er Tom und Roy 2013 in „Haunted House: A Novel of Terror“ (dt. „Das Angstexperiment“) zurückkehren ließ. Seither sind sie noch mehrfach aufgetreten oder kurz in anderen Konrath-Romanen aufgetaucht.

Fazit:

Triviale bzw. geradlinige Unterhaltung ist hier alleinige Absicht und wird erfolgreich umgesetzt. Die unglaubwürdige Handlung lässt ob ihrer Dreistigkeit staunen, im Rahmen der selbst gestellten Grenzpfeiler liefert der Verfasser ausgezeichnete Arbeit: Selten gelingt grober Unfug so spannend und witzig!

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