Das Angstexperiment

Erschienen: Juni 2017

Bibliographische Angaben

  • -: CreateSpace Independent Publishing, 2013, Titel: 'Haunted House', Originalsprache
  • : AmazonCrossing, 2017, Seiten: 320, Übersetzt: Kerstin Fricke

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Michael Drewniok
Geisterhaus-Treffen gebeutelter, aber nicht gebrochener Opfer

Buch-Rezension von Michael Drewniok Aug 2019

Der reiche Pflanzer Butler ließ 1837 das nach ihm benannte Haus im US-Staat South Carolina errichten. Er war nicht nur ein Sklavenhalter, sondern auch ein Psychopath, der seine Opfer quälte und zu Tode folterte. Noch schlimmer war sein Bruder, der medizinische ‚Experimente‘ an hilflosen Sklaven durchführte. In einer blutigen Nacht nahmen die geschundenen Männer und Frauen grausame Rache, doch das stoppte den Schrecken des Butler-Hauses nicht. Wer nun dort einzog, nahm in der Regel ein schlimmes Ende oder entpuppte sich ebenfalls als wahnsinniger Serienkiller, weshalb sich heute die Geister von Tätern und Opfern in den Zimmern und Kellerräumen des Anwesens förmlich auf die Laken-Füße treten.

Aktuell ist das Butler-Haus Stützpunkt des Wissenschaftlers Dr. Emil Forenzi. Er hat sich der Erforschung menschlicher Ängste und ihrer Überwindung verschrieben. Dies versucht er mit Methoden, die er vor der Welt tunlichst geheim hält. Forenzi geht davon aus, dass er sein Ziel erreicht, wenn er die ‚Essenz der Angst‘ aus den Hirnen besonders furchtgebeutelter Menschen ‚destilliert‘. Deshalb lädt er eine Gruppe solcher Kandidaten ins Butler-Haus ein. Angeblich sollen sie dort an einer TV-Show teilnehmen, bei der es ein hohes Preisgeld zu gewinnen gibt.

Die Personen, die sich entweder hoffnungsfroh oder aufgrund reiner Geldnot in South Carolina einfinden, haben Entsetzliches überlebt, das durchaus nicht immer von dieser Welt war. Alle leiden sie körperlich wie geistig unter den Folgen, aber weil Forenzi andeutet, er könne helfen, sagen auch die Skeptiker zu, obwohl sie ahnen, dass der Wissenschaftler keineswegs aus Menschenfreundlichkeit handelt. In der Tat hat Forenzi verschwiegen, dass sein Mittel recht unerfreuliche Nebenwirkungen hat. Zudem heißen die Geister des Butler-Hauses ihre ‚Gäste‘ so willkommen, dass eine spätere Abreise nicht mehr möglich sein könnte …

Wieder ein ‚Super-Schurke‘, der nicht richtig nachdenkt

Joseph Andrew Konrath ist ein fleißiger Autor von Romanen, in denen er entweder drastischen Horror oder drastische Gewaltverbrechen präsentiert. Die Gewalt bildet eine Klammer, weshalb es keineswegs ungewöhnlich ist, dass Konrath gern die Grenzen zwischen den Genres verschwimmen lässt. Seine Schurken sind ohnehin nicht wirklich von dieser Welt und nur im Konrathschen Trivialliteratur-Kosmos existenzfähig, da sie rund um die Uhr damit beschäftigt sind effektvoll, aber ziemlich sinnfrei ihren irren Trieben zu folgen, während sich Gesetzeshüter aller Art ratlos an den Köpfen (bzw. den Hinterteilen; Konrath achtet sehr auf die Erdung seiner Figuren) kratzen müssen, um nicht gar zu rasch zu begreifen, was vor sich geht.

Mit „Das Angstexperiment“ schlägt Konrath einen zwar schon mehrfach, aber noch nie so konsequent eingeschlagenen Weg ein. Er hat schon früher deutlich gemacht, dass seine Geschichten in einer gemeinsam geteilten Gegenwart spielen, weshalb es jederzeit möglich ist, dass sich Figuren aus Konrath-Romanen begegnen. Dieses Mal treibt es der Autor auf die Spitze: ELF vom Schicksal gebeutelte, aber nicht gebrochene Pechvögel treffen im Butler-Haus zusammen. Sie können dank Konrath sämtlich auf gruselige bzw. grausame bzw. gruselig-grausame Erlebnisse zurückblicken, denn sie haben die Wege diesseitiger und jenseitiger Grässlichkeiten gekreuzt, was in keinem Fall ohne Spuren blieb.

Es ist nicht notwendig, jene Romane zu kennen, auf die sich Konrath bezieht, obwohl es natürlich nicht schadet, denn nicht alle Zusammenfassungen, die Konrath vorsichtshalber einfügt, sind wirklich hilfreich, zumal sie sich häufen - und häufen müssen: Das Wissen um die Erfahrungen der Protagonisten ist wichtig, da sich nur so ihr Verhalten in dieser Krise erklären lässt. Viel zu wacker schlagen sie nämlich zurück, nachdem sie zunächst scheinbar rettungslos in der Bredouille steckten.

Das Super-Ultra-Geisterhaus

Folglich dauert es, bis uns Konrath vorgestellt hat, wer im Butler-Haus auf die Probe gestellt werden wird. Es spricht für ihn, dass ihm die ausführliche Einleitung gut gelingt. Die Handlung setzt langsam ein, was Konrath nutzt, um das Butler-Rätsel stimmungsvoll vorzustellen. Er greift dabei nie auf neue/‚originelle‘ Ideen zurück, sondern bedient sich aus dem Instrumentarium des ‚harten‘ Horrors, den er mit vergleichsweise milden „Ghost-Story“-Elementen unterfüttert.

Wenn so viele schreckensgestählte Veteranen sich in einem Geisterhaus treffen, muss dieses selbstverständlich ein besonders übler Ort sein. So ist es kein Wunder, dass es in den Räumen des Butler-Hauses zeitweise etwas eng wird. Viele Unholde haben dort ihr Unwesen getrieben, und sie gieren offenkundig danach, ihre ‚Gäste‘ zu ‚unterhalten‘. Hinzu kommen diverse Opfer-Geister, die keineswegs durch Hilfsbereitschaft glänzen, sondern sich rächen wollen - egal, wie oder an wem.

Das dämpft die ‚gotische‘ Stimmung, zumal es in der zweiten Romanhälfte zu einem Bruch kommt: Schwelgte Konrath bisher in düsteren Andeutungen, wird es nun deutlich; zu deutlich, denn die Handlung schnurrt zu einer wilden, eindimensionalen Hetzjagd zusammen. Erst wird die Gruppe getrennt, dann wird einzeln oder zu zweit durch Haus und Keller geflüchtet, wo man in immer neue Folterkammern stolpert bzw. gezerrt wird, über deren eindrucksvolle Ausstattung man sich nicht den Kopf zerbrechen sollte: Logik spielt im Butler-Haus die geringste Rolle!

Damit dir Hören, Sehen & Leben vergehe!

Was tatsächlich hinter dem Mysterium dieses Hauses steckt, soll an dieser Stelle nicht aufgedeckt werden, obwohl dieser Rezensent aus seinem Unmut keinen Hehl machen möchte: Eine einfache Lösung ist zwar eine gute Voraussetzung für eine Aufklärung, doch Konrath macht es sich letztlich zu einfach angesichts des Aufwands, den er getrieben hat, um seine Opfer - zu denen nun auch wir, die Leser, uns zählen müssen - auf Angst und Schrecken vorzubereiten.

Bekanntlich ist kaum ein Rätsel seiner Aufdeckung gewachsen, aber hier wird’s doch hanebüchen. (Dass diese Rezension auf krimi-couch.de auftaucht, mag als einziger Spoiler dienen.) Kurze Kapitel, an deren Ende jeweils eine ‚hoffnungslose‘ Situation für die betroffenen Helden steht, reihen sich aneinander; jedem Cliffhanger folgt erwartungsgemäß ein neuerliches Entwischen, bis irgendwann allen Flüchtigen bekannt ist, vor wem sie davonlaufen.

Danach gibt Konrath erst recht Gas, wobei er jegliche Reststimmung über den Haufen fährt. Bisher haben die Schreckgestalten des Butler-Hauses ihre Opfer mühelos dominiert und gepiesackt. Nun erinnern diese sich en bloc an ihre früheren Erlebnisse, was zu einem kollektiven Energieschub führt: Binnen kurzer Zeit = weniger Seiten werden alle Strolche niedergestreckt; manchmal geht es so fix, dass wir Probleme haben zu identifizieren, wen es gerade erwischt hat: Konrath hat irgendwann die Lust verloren oder entdeckt, dass der Abgabetermin schneller als gedacht naht. Deshalb trösten handwerkliches Geschick, prägnante Figuren (die einzige Ausnahme stellt ausgerechnet der Chef-Schurke dar) und gelungene Einzelszenen nicht über die uneinheitliche Gesamtstory hinweg.

Fazit:

Die Zusammenführung von Figuren, die bereits in früheren Romanen des Verfassers auftraten, bedarf seiner Zeit, die dieser aber nutzt, um eine ‚gotische‘ Mystery-Stimmung aufzubauen. Leider folgt dem eine schwache Auflösung, die nur den ‚Höhepunkt‘ einer simplen, mit Splatter-Effekten gespickten Verfolgungsjagd darstellt. Schürte die Handlung lange Erwartungen, degeneriert sie letztlich zur Geisterbahn: „Das Angstexperiment“ ist ein Roman mit Potenzial, das nicht wirklich genutzt wurde.

Das Angstexperiment

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