In der Tiefe

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • London: Quercus, 2016, Titel: 'Undertow', Originalsprache
  • München: Diana, 2017, Seiten: 400, Übersetzt: Stefanie Fahrner

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Brigitte Grahl
Der Schatten der Vorgängerin - Heathcotes Debüt zitiert Daphne du Maurier

Buch-Rezension von Brigitte Grahl Okt 2017

Sie wollte nichts über Zena wissen, wollte nicht, dass ihre Vorgängerin in ihrer Vorstellung zu einem echten Menschen wurde. Jetzt war sie verheiratet, und die Vergangenheit war nur noch eine blasse Erinnerung. Sollte sie zurückschauen und nachsehen?

Carmen ist glücklich: auch nach 3 Jahren Ehe mit dem gut aussehenden und wohlhabenden Tom sind beide sind immer ineinander verliebt. Auch mit seinen Kindern und Toms Exfrau gibt es keine Probleme. Dann kommen ihr bei einem Aufenthalt im Ferienhäuschen auf dem Land Gerüchte der Dorfbewohner zu Ohren kommen.

Man munkelt, dass Tom seine Freundin Zena, Carmens Vorgängerin, ermordet hat. Carmen, die Journalistin ist und vor kurzem entlassen wurde, beginnt nachzuforschen. Ist ihre Vorgängerin nicht, wie Tom behauptet, bei einem Unfall ums Leben gekommen? Je mehr Carmen über Zena erfährt, desto stärker fühlt sie sich der Toten verbunden und desto fremder wird ihr Tom. Lebt Carmen mit einem Mörder zusammen? Droht ihr das gleiche Schicksal wie ihrer Vorgängerin?

Faszination statt Eifersucht als innerer Antrieb

In ihrem Krimidebüt lässt Elizabeth Heathcote Motive von Daphne Du Mauriers "Rebecca" anklingen: Die Ehefrau, die schöne, unter mysteriösen Umständen verstorbene Vorgängerin und der Ehemann, der etwas zu verbergen hat. Bei Elizabeth Heathcote wird die Erzählerin und Ehefrau Carmen allerdings nicht wie bei du Maurier von Eifersucht auf ihre Vorgängerin getrieben, sondern ist von ihr fasziniert.

Carmens Suche nach der Wahrheit nimmt beinah obsessive Züge an und setzt sie bei jeder neuen Erkenntnis einem Wechselbad der Gefühle aus. Sie klammert sich immer wieder an die Hoffnung, dass Tom unschuldig ist. Aber seine widerwilligen Erklärungen, wenn sie ihn mit neuen Fakten bedrängt, lassen in ihr Zweifel zurück.

Carmen ist ständig hin- und hergerissen: Tom lügt und ist ein Mörder, Tom ist unschuldig und deckt jemanden, sie sollte ihn verlassen, sie will auch bei ihm bleiben, wenn er Zena ermordet haben sollte. Carmens ausführliche innere Monologe über den Zustand ihrer Ehe, ihr Gefühlschaos und ihre psychologisierenden Deutungsversuche von Toms und Zenas Charakter nehmen leider der Spannung immer wieder Wind aus den Segeln, ebenso wie die Tendenz der Autorin, sich mit Detailfreude Figuren und Nebenhandlungen zu widmen, die für die Handlung unwichtig sind.

Das Verhalten und die Aussagen der Figuren sind durchweg stimmig

Positiv ist anzumerken, dass Heathcotes Geschichte logisch ist. Wenn man am Ende die Auflösung kennt und den Roman noch einmal von Anfang an durchgeht, bleiben das Verhalten und die Aussagen der Figuren stimmig. Das ist etwas, das man wirklich nicht von jedem Krimi behaupten kann. Das Verhalten der Hauptfigur wirkt ebenfalls realistisch, ihr Verhalten ist größtenteils nachvollziehbar, wenn auch, wie schon erwähnt, das ständige Hin- und Her der Heldin auf Dauer etwas nervt.

Ansonsten kann man an " In der Tiefe" nicht viel aussetzen. Für einen Erstling ist der Krimi erstaunlich routiniert geschrieben. Elizabeth Heathcote beherrscht ihr Handwerk und schürt geschickt die Zweifel der Erzählerin und des Lesers mit jeder neuen Erkenntnis, die Carmen im Laufe ihrer Nachforschungen macht. Heathcote vermeidet Klischees und traut sich, innerhalb des Buches drei größere Zeitsprünge zu machen, um ihre Geschichte zu straffen. Warum sie sich allerdings dazu entscheidet, die finale Konfrontation auf dem Höhepunkt abzubrechen und die Aufklärung in einem Epilog nachzureichen, verwundert angesichts ihrer Professionalität - damit verschenkt sie Spannungspotenzial.

Wenn Elizabeth Heathcote die Spannungskurve in ihrem nächsten Krimi etwas mehr im Auge behält und die Szenen strafft, könnte das zweite Buch ein Volltreffer werden. Diesmal reicht es "nur" für einen Platz im oberen Mittelfeld.

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