Morgen werde ich dich vermissen / ... und morgen werde ich dich vermissen

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Oslo: Aschehoug, 2016, Titel: 'Jeg skal savne deg i morgen', Seiten: 350, Originalsprache
  • Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2017, Titel: '... und morgen werde ich dich vermissen', Seiten: 1, Übersetzt: Frank Stieren
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2019, Seiten: 416

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Jörg Kijanski
 Düsterer Plot mit schrägem Ermittler

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2017

Rasmus Moritzen arbeitete bis vor einer Woche auf einer einsamen, kleinen Leuchtturminsel, auf der er ein Hotel errichten wollte. Seitdem ist er verschwunden. Seine Mutter klammert sich an die Hoffnung, dass er noch lebt, sein Vater Arne geht hingegen davon aus, dass er bei einem Tauchunfall zu Tode kam, nachdem lediglich sein Boot entdeckt wurde. Auch für die Polizei ist der Fall erledigt, doch da die Eltern wenigstens ein Grab zum Trauern wünschen, beauftragen sie Thorkild Aske herauszufinden, was mit ihrem Sohn geschehen ist.

"Arbeitsunfall?"
"Steht das denn nirgendwo? Der Mensch Thorkild Aske hat versucht, sich einige Monate vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis an einem Rohr in der Gemeinschaftsdusche zu erhängen. Und noch dazu mitten in den Weihnachtsferien."
"Was ist passiert?"
"Das Rohr brach durch."

Thorkild, einst ein gefragter Verhörspezialist bei der Polizei, hat gerade eine Haftstrafe wegen fahrlässiger Tötung abgesessen. Während er einsaß, versuchte er sich umzubringen, und ist nun auf Jobsuche. Ein befreundeter Psychologe ermuntert ihn, den Fall anzunehmen und sich auf den Weg in den hohen Norden zu machen. Dort wartet nicht nur eine dunkle und kalte Polarnacht, sondern auch tatsächlich eine Leiche.

Diese entdeckt Thorkild als er die besagte Insel aufsucht, doch es handelt sich eindeutig nicht um Rasmus. Wenig später ist die Leiche wieder verschwunden und mit ihr gleich zwei Polizisten, mit denen Thorkild zuvor Kontakt hatte. Da sie angeblich auf dem Weg zur Insel waren, gerät Thorkild selber unter Verdacht...

Psychisch labil, tablettenabhängig, suizidal - Thorkild Aske begeistert Norwegen

Heine Bakkeid ist in Norwegen kein Unbekannter, sondern hat sich dort als Jugendbuchautor bereits einen Namen gemacht. Mit "& und morgen werde ich dich vermissen" versucht er sich nun in einem weiteren Genre und dies mit beachtlichem Erfolg. Dabei ist der Protagonist alles andere als ein Sympathieträger. Psychisch labil, tablettenabhängig, suizidal - so sehen üblicherweise keine Helden aus. Ständig greift er zum Blister, um Schmerzmittel oder Psychopharmaka zu schlucken, schwelgt in der Vergangenheit und träumt von seiner großen Liebe (die es nie gab). Zu den wenigen Vertrauten in seinem mehr als überschaubaren Bekanntenkreis gehören der Psychologe Ulf, den Thorkild im Gefängnis (als Insasse) kennenlernte und Thorkilds Schwester Liz, die regelmäßig von ihrem Ehemann verprügelt wird, sich die Welt schönzureden versucht und doch meist weinend im Selbstmitleid ertrinkt.

"Ich habe das Gefühl, dass die Polizei mittlerweile davon ausgeht, die beiden Beamten wären an dem Abend, als ich auf der Insel war, dort angekommen, und anschließend verliert sich jede Spur von ihnen. Und ich bin der letzte Mensch auf Erden, der etwas mit einem Fall zu tun haben sollte, bei dem zwei Polizisten verschwinden."

Ein weiterer typisch-düsterer Thriller aus Skandinavien? Ja und nein. Einerseits natürlich schon, denn die privaten Probleme mit denen sich Thorkild (und andere) herumschlagen, sind in ihrer Vielzahl schon sehr beeindruckend, und man fragt sich daher schon, ob man diesem menschlichen Wrack wirklich bei der Aufklärung der Geschehnisse zusehen möchte.

Andererseits gab es nur selten einen derart kaputten Ermittler, der sogar vor Hilfe aus der Geisterwelt nicht zurückschreckt. Dass die Leser mit ihrem Anti-Helden letztlich mitfiebern, ist dem Umstand geschuldet, dass Thorkild als Ich-Erzähler fungiert.

Klar, dass da ein geplanter Suizid nicht klappen kann, und er letztlich lebend aus der Geschichte herauskommt. Bis zu deren Ende gibt es weitere Leichen - bevor die Auflösung etwas überraschend erscheint. Sollte es, wie angekündigt, zu einer Thorkild-Aske-Serie kommen, dürfte diese auch hierzulande erfolgreich sein, denn neben einem originellen Plot kann man sich an dem ambivalenten Ermittler gründlich abarbeiten.

Morgen werde ich dich vermissen / ... und morgen werde ich dich vermissen

Morgen werde ich dich vermissen / ... und morgen werde ich dich vermissen

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Letzte Kommentare:
23.10.2017 08:54:31
MissNorge

Meine Meinung
Heine Bakkeid kennt man in Norwegen als Jugendbuchautor und nun hat er mit "... und morgen werde ich dich vermissen" seinen ersten Thriller herausgebracht und ich muss sagen, er hat mich überzeugen können. Ich liebe diese düsteren skandinavischen Krimis und Thriller sehr und hier spürte ich das Wasser auf der Haut und den Wind in den Haaren, so nah kam man der Natur und vor allem Thorkild Aske, einem zerrissenen und abgewrackten Charakter, der in letzter Zeit anscheinend wieder sehr in Mode gekommen ist, aber hier hatte es einen sehr ausschlaggebenden Grund warum er so geworden ist. Ab und an hatte ich wirklich Mitleid mit ihm, aber er scheint ein endloses Stehauf-Männchen zu sein. Wir begleiten Thorkild ab dem Moment, als er frisch aus dem Gefängnis in Stavanger entlassen wird. Er hatte eine 3-jährige Haftstrafe aufgebrummt bekommen, aber warum, das erfährt man erst so nach und nach in einigen Rückblicken. Dadurch hat Thorkild natürlich seine Polizeijob verloren und nun steht er ohne etwas vor einem Scherbenhaufen und muss außerhalb der Mauer wieder Fuß fassen. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch im Knast und einigen schweren Verletzungen, aufgrund des Vorfalles weswegen er einsitzen musste, bekommt er sehr starke Medikamente, die er bevorzugt mit Alkohol runterspült. Der Fall selbst war spannend und oftmals auch gruselig, zudem hat der Autor sehr intensiv diese bedrückende und düstere Atmosphäre Norwegen´s eingefangen. Die Natur, die mich immer wieder begeisternd in ihren Bann zieht und die Menschen, die erstmal eigenbrötlerisch daherkommen, dann aber, wenn es darauf ankommt, doch zur Stelle sind. Genau bei diesen Zeilen merkt man, das der Autor genau weiß, wovon er schreibt. Zum eigentlichen Fall, das Thorkild einen verschwundenen jungen Mann auf einer einsamen Insel suchen soll, möchte ich nicht zu viel verraten. Zur Lösung, schon weit vor dem Ende, hat mich ein Satz gebracht der eine Geste eines Protagonisten beschreibt, die eigentlich belanglos ist und auch keine entscheidende Bedeutung hat, aber ab diesem Moment wusste ich, diese Person muss der Täter sein.
Fazit
Dieses Thriller-Debüt konnte mich restlos überzeugen und zwar durch diese düstere, bedrohliche Umgebung und Atmosphäre, das macht für mich einen ganz großen Reiz dieser Bücher aus. Hinzu kommt noch diese dunkle, depressive und einzigartige Stimmung, der ich mich beim Lesen einfach nicht entziehen kann und es auch gar nicht will.

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