Die Mörder, die ich rief

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2002, Seiten: 240, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 2003, Seiten: 237, Originalsprache
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2007, Seiten: 1, Übersetzt: Peter Woy, Bemerkung: MP3

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Peter Kümmel
Mischke ist zahmer geworden

Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Zum zweiten Mal hat Susanne Mischke ihr Ermittlerteam Vincent Romero und Antonie Bennigsen ins Rennen geschickt. Ungewöhnlich für die Autorin, die bisher stets wechselnde Protagonisten bevorzugte.

Vincent Romero, ehemaliger Hauptkommissar irischer Abstammung mit italienischem Namen, ist mittlerweile in Pension gegangen. Daher bleibt ihm nun viel Zeit für sein Hobby, das Golfspielen. Und so war er zufälligerweise bei einer Partie mit seiner Mutter Zilke Himmelreich, trotz ihrer gut 80 Jahre noch immer eifrig beim Einlochen, auch gerade an Ort und Stelle, als es zu jenem merkwürdigen Todesfall kam. Chefarzt Roman Faber, üblicherweise ein Spitzengolfer, zeigt heute ungewohnte Schwächen im Spiel. Dann torkelt er wie ein Betrunkener über den Fairway und stürzt sich kopfüber in den als Wasserhindernis dienenden Teich. Die Helfer kommen zu spät, Dr. Faber kann nur noch tot geborgen werden.

Vermutete man zunächst eine Herzattacke, so ergeben die Untersuchungen, dass Faber mit einem Extrakt aus den Blättern der Engelstrompete vergiftet wurde. Seine Trinkflasche wurde vermutlich auf dem Golfplatz ausgetauscht. Die ersten Tatverdächtigen sind seine Familienmitglieder: seine Frau, sein Sohn und seine Schwiegermutter, die alle nicht allzu traurig über das Ableben des Hausherrn zu sein scheinen. Der Sohn wurde vom Vater unterdrückt, die Schwiegermutter sollte in ein Heim abgeschoben werden und auch Frau Faber lebt durch ihre neugewonnenen Freiheiten merklich auf. Doch haben diese felsenfeste Alibis: Mutter und Sohn befanden sich zur Tatzeit noch im Ferienhaus auf Mallorca, die Schwiegermutter bei der Familie ihres Sohnes.

Und so tappen die Ermittler zunächst im Dunkeln. Erst als Antonie Bennigsen und ihr Team mehr oder weniger zufällig von einem weiteren Vergiftungsfall durch die Engelstrompete erfahren, ergeben sich neue Anhaltspunkte. Der etwas zwielichtige Vermögensberater Sven Bussek wird nach reichlichem Absinth-Genuss ins Krankenhaus gebracht, wo seine Vergiftung festgestellt wird, die er jedoch ebenso überlebt wie einen angeblichen weiteren Mordanschlag in der Klinik. Laut Bussek trachtet ihm seine Ex-Frau Linda nach dem Leben, weil er um das Sorgerecht für ihre gemeinsame Tochter kämpft. Finanziell hat Bussek große Probleme, wovon jedoch seine Frischvermählte, die auf ein angenehmes Leben spekuliert, nichts weiß.

Die Polizei kann jedoch keine Verbindung zwischen den beiden Fällen erkennen. Erst durch tatkräftige Mithilfe von Romero und dessen Mutter kommt für Antonie Bennigsen so langsam Licht in das Dunkel.

Susanne Mischke ist zahmer geworden. Ihre Figuren sind nicht mehr so stark überzeichnet wie früher, als ihre Kriminalromane schon fast parodistisch wirkten. Dennoch hat sie auch diesmal wieder einige sehr interessante Charaktere erschaffen, die das Buch zu einem humorvollen und kurzweiligen Lesevergnügen machen.

Köstlich die beiden alten Damen, Romeros Mutter sowie die Schwiegermutter des Mordopfers, die beide mehr wissen und sehen, als man ihnen gemeinhin zutraut. Dann der neue Kollege von Antonie, Osman Belek. Mit sackartiger Hose, die seine Unterhose deutlich sehen lässt, stellt sich der Kurde als neuer Kommissar vor. Er führt sich auch gleich mit einem groben Schnitzer ein, erlangt aber schließlich doch noch die Anerkennung seiner Kollegen.

Dann ist da Antonies Sekretärin Irina. Warum erinnert sie mich nur so frappant an Signorina Elletra, die Sekretärin aus Donna Leons Brunetti-Romanen, die mit Hilfe von Computern und Beziehungen einfach jede Information auf die Schnelle herbeizaubern kann? Und natürlich dürfen bei Susanne Mischke auch Figuren wie der Friseur Gianni nicht fehlen, der den schwulen Italiener mimt, weil es bei der Kundschaft gut ankommt. Bei jedem anderen würde man solche Figuren als klischeehaft kritisieren, bei Susanne Mischke erwartet man sie geradezu.

Da das Buch mit sehr viel Lokalkolorit ausgestattet ist, fühlt man sich durch detaillierte Schauplatzbeschreibungen recht heimisch in der Handlung, wenn man sich in Frankfurt und Umgebung ein wenig auskennt.

Auf die Spur des Rätsels Lösung kommt der erfahrene Krimileser dann auf Seite 153, als der Name des Lieblings-Krimiautors einer der beteiligten Personen genannt wird. Wenig später wird das Ganze dann noch präzisiert. Natürlich ist es statthaft, sich ideenmäßig bei großen Vorbildern zu bedienen, noch dazu mit Quellenangabe. Schließlich ist schon so viel geschrieben worden, dass es für Kriminal-Schriftsteller immer schwieriger wird, sich etwas grundlegend Neues auszudenken, was ja auch keiner erwartet. Doch fand ich es ein wenig verfrüht, schon hier so deutlich auf die kommende Auflösung hinzuweisen.

Es gibt eigentlich nichts Konkretes an Mischkes Roman "Die Mörder, die ich rief" zu kritisieren. Locker und flockig schildert sie in ihrer gewohnt einfachen und gut verständlichen Schreibe immer mit einem humorvollen Unterton das Geschehen. Der Plot ist gut konstruiert, vermag jedoch zu keinem Zeitpunkt wirklich zu fesseln. Immer wieder wechselnde Szenen sollten eigentlich für bleibende Spannung sorgen, reißen dabei jedoch eher den Leser aus dem Geschehen heraus. Die Spannung bleibt auf einem gleichbleibenden Level knapp über Mittelmaß, großartige Spannungsmomente jedoch fehlen, selbst der Showdown - sofern man diesen so bezeichnen mag - gerät ziemlich flach und eine mischkemäßige Schlußüberraschung bleibt leider diesmal auch aus.

So lässt sich abschließend sagen, der Roman vermag gut zu unterhalten, ohne jedoch wirklich herausragend zu sein. Wenngleich die Autorin als Hauptzielgruppe für ihre Romane wohl eher den Typ Antonie Bennigsen gewählt hat, eignet sich der Stoff dennoch auch für ein breites Publikum.

Die Mörder, die ich rief

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