Totenengel

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Köln: Lübbe, 2017, Titel: 'Totenengel', Seiten: 384, Übersetzt: Angela Koonen
  • London: Head of Zeus, 2016, Titel: 'Dead silent', Seiten: 400, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Temporeicher Ritt in den Abgrund

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2017

Liverpool. Dienstag, 20. Dezember 2016. Louise Lawson bricht mitten in der Nacht auf einer Straße zusammen, nachdem sie unmittelbar zuvor die Leiche ihres Vaters in dessen Schlafzimmer entdeckt hat. Den Beamten unter Leitung von Detective Chief Inspector Eve Clay bietet sich ein schockierendes Bild, denn der Tatort wurde martialisch inszeniert. Die spätere Befragung von Louise ergibt, dass mindestens zwei Mörder am Werk gewesen sein mussten und diese sich bei ihrem Werk an dem Gemälde "Das Jüngste Gericht" von Hieronymus Bosch orientierten. Erste Recherchen ergeben, dass der ermordete Kunsthistoriker ein sehr zurückgezogenes Leben führte und keine Freunde hatte. Doch warum wurde er erst jetzt, im Alter von 97 Jahren, auf derart brutale Weise ermordet?

Hieronymus Bosch, Pieter Bruegel der Ältere, Psammetich I. und das Alte Testament

Mark Roberts aktueller Roman "Totenengel" spielt an nur einem Tag, die Ereignisse werden in "Echtzeit" geschildert. 105 Kapitel auf 382 Seiten zeigen an, dass hier ein Pageturner geschrieben wurde, der zudem mit verschiedenen Sichtweisen und somit häufig wechselnden Szenarien ordentlich auf das Lesetempo drückt. Teils geht es dabei so rasant zu, dass selbst der Autor (oder war es der Übersetzer) nicht mehr mitkommt. So telefoniert DS Riley um 3.30 Uhr mit Clay, um sie über ein fehlendes Gemälde (Der Turmbau zu Babel) in der Wohnung des Opfers in Kenntnis zu setzen (Seite 42). Um 4.00 Uhr folgt ein weiteres Telefonat, in dem Riley Clay erklärt, um welches Bild es sich handelt (Seite 50). Dann stellt sich heraus, dass der ermordete Professor im Jahr 1976 einen höchst lukrativen Vertrag ausschlug (Seite 150); später heißt es hierzu "Anfang der 1980er Jahre" (Seite 193). Wer sich von solchen Petitessen nicht abschrecken lässt und ein Faible für religiöse Themen hat, der findet einen Lesestoff, der hinsichtlich der dargestellten Brutalität der Verbrechen an Cody McFadyen und ähnliche Autoren erinnert.

"Die wahrscheinliche Todesursache ist die Kopfverletzung. Der Täter hat ihm den Schädel zertrümmert, um ihn handlungsunfähig zu machen und Gott spielen zu können. Natürlich werde ich Ihnen erst etwas Verbindliches sagen können, wenn wir den Schädel geöffnet und die Auswirkungen der Knochensplitter auf das Gehirn untersucht haben."

Im Verlauf des Tages kommen die Ermittler etlichen Geheimnissen auf die Spur, die sie in einen düsteren Abgrund hineinzuziehen drohen. Die Gemälde "Der kleine Turmbau zu Babel", "Das Jüngste Gericht" und "Der Triumph des Todes" (von Hieronymus Bosch und Pieter Bruegel der Ältere) sowie etliche alttestamentarische Themen und Fragen bilden den Rahmen einer Handlung, in der die Täter von seelischer Krankheit, religiösem Wahn und sexueller Abartigkeit besessen sind. So zeigt sich, dass Professor Lawson offenbar großes Interesse an einem grausamen Sprachexperiment von Psammetich I. hatte, welches später in England wiederholt wurde.

"Ich bin der Engel der Vernichtung. Mit dem Erstgeborenen diene ich dem Tod."

Zur Hälfte des Buches gelingt dem Autor dann ein netter Clou, denn es scheint plötzlich alles klar zu sein. Zwar tauchen noch weitere, brutal entstellte Mordopfer auf, aber die Frage, wer die beiden Mörder waren, ist zumindest für den Leser geklärt. Doch bekanntlich kann der Schein trügen und so findet vor allem auf den letzten hundert Seiten eine atemberaubende Achterbahnfahrt statt, bei der man inhaltlich längst nicht mehr alles hinterfragt. Der actionreiche Mix aus Religion, Kunstgemälden und Experimenten mit Kindern überzeugt Fans des Genres, wobei das hohe Tempo auch zu Lasten der Charakterdarstellungen geht. Auf ein Wiedersehen mit der sympathischen Ermittlerin Eve "Evette" Clay freut man sich gleichwohl, denn auch ihre (persönliche) Geschichte will noch zu Ende erzählt werden.

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