Die sieben Farben des Blutes

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • München: Blanvalet, 2017, Seiten: 480, Originalsprache

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Andreas Kurth
Geistige Brandstifter beflügeln psychopathischen Killer

Buch-Rezension von Andreas Kurth Aug 2017

Die Berliner Wirtschaftssenatorin wird auf der Siegessäule mitten im Tiergarten ermordet. Der Tat-Modus entspricht einer brutalen Mordserie, die vor Monaten nach drei Opfern überraschend endete. Nun hat der Serien-Killer erneut zugeschlagen, und versetzt einige Frauen in der Hauptstadt in Angst und Schrecken. Denn die Opfer von Dionysos, wie er sich selbst nennt, sind ausschließlich engagierte und erfolgreiche Frauen. Nach jedem Mord veröffentlicht Dionysos eine Videobotschaft im Internet. Die Tat wird dokumentiert, sowie ein Text gesprochen, den er großspurig Verkündung nennt.

Es ist die Rede von Heilungen, damit die Frauen wieder den Platz einnehmen, der ihnen nach seiner Auffassung zugewiesen ist. Teile seiner Botschaften zitiert der Killer aus dem Buch Dionysos. Dabei handelt es sich um ein äußerst provokantes Werk von Rashid Gibran, Professor für Philosophie und Ethnologie an der Berliner Humboldt-Universität. Der Akademiker gerät daraufhin ins Visier von Staatsanwältin Helena Faber - die ihrerseits von Dionysos genau beobachtet wird. Er will nämlich weiter morden, um seine Mission abzuschließen und seine Botschaft zu komplettieren. Faber gerät in Lebensgefahr, und muss auch sonst einiges durchmachen, während den Ermittlern immer mehr die Zeit davon läuft.

Der Thriller verdient die Bezeichnung von der ersten bis zur letzten Seite

Laut Wikipedia-Eintrag hat Uwe Wilhelm in den letzten 30 Jahren eine dreistellige Zahl von Drehbüchern, Theaterstücken, Romanen und Sachbüchern geschrieben. Ein routinierter Autor also, der sich jetzt in das Thriller-Genre gewagt hat. Unter dem Pseudonym Lucas Grimm ist im Frühjahr bei Piper Nach dem Schmerz erschienen, und nun kurz danach Die sieben Farben des Blutes bei Blanvalet. Dieser Thriller - den anderen habe ich nicht gelesen - verdient die Bezeichnung nach meiner Auffassung von der ersten bis zur letzten Seite.

Uwe Wilhelm verschwendet keine Zeit, sondern es geht mit einem brutalen Mord los - und das ist bereits der vierte in einer grausamen Serie. Der Autor hat hier nichts für zarte Gemüter zu Papier gebracht. Der Modus operandi des Killers ist schon ziemlich brutal - noch heftiger ist die Hintergrundgeschichte dazu. Es geht um einen grausamen Frauen-Hasser, der sich den ideologischen Überbau für seine krankhaften Morde aus dem Sachbuch eines ziemlich schrägen Gelehrten holt.

Psychopath ohne Skrupel geriert sich als eine Art Messias

Es sind menschliche Abgründe, die da aufgezeigt werden. Sprachlos, ja sogar wütend wird man bei der Lektüre, weil Dinge anklingen, die in der realen gesellschaftlichen Debatte leider durchaus auch vorkommen. Die Gleichbehandlung von Frauen ist ja auch im 21. Jahrhundert keineswegs ein Selbstgänger. Und hier macht sich ein Psychopath ans Werk, der sich auch noch als eine Art Messias geriert, und andere mit seinem Wahnsinn überzeugen will.

Es geht Dionysos, wie sich der Irre selbst nennt, um die Abschaffung vieler Rechte, die sich engagierte und mutige Frauen in jahrzehntelangen Kämpfen erobert haben.
Dem ganzen Horror wird die Krone aufgesetzt, als klar wird, dass der skrupellose Killer auch noch Unterstützung hat, und zwar aus einer mehr als üblen Richtung - mehr kann ich hier nicht verraten. Wenn man zur Mitte des Romans denkt, jetzt ist es heftig genug, dreht Uwe Wilhelm noch mal richtig auf. Dramaturgisch erstklassig aufgebaut - halt ein Drehbuchautor mit viel Erfahrung.

Empathische und engagierte Staatsanwältin dominiert die Story

Mit viel Raffinesse beschreibt Uwe Wilhelm auch etliche komplizierte Beziehungsgeflechte, die im Hintergrund eine wichtige Rolle für die Handlung und das Verständnis der Akteure spielen. Von Helena Faber, Dionysos und Rashid Gibran abgesehen bleiben die meisten Protagonisten jedoch allenfalls schwer durchschaubare Randfiguren. Das mag beabsichtigt sein, denn der Roman soll offenbar der Start einer Serie sein, und so gibt es am Schluss auch noch einen heftigen Cliffhanger.

Die Nebenfiguren werden so geschickt in die Handlung eingebaut, dass sie wie selbstverständlich ihre jeweilige Funktion für die Geschichte erfüllen. Zentral ist das Duell zwischen Helena Faber und Dionysos. Die empathische und engagierte Staatsanwältin dominiert die gesamte Handlung, auch wenn sie aufgrund ihrer zeitweisen Amnesie scheinbar an den Rand rückt. Ihr Ex-Mann Robert kompensiert den Ausfall ein wenig, was aber an der Dominanz der Haupt-Protagonistin nichts ändert. Faber ist eine interessante und authentisch wirkende Figur - und es passt natürlich wie die Faust aufs Auge, dass eine Staatsanwältin, also eine erfolgreiche Frau, gegen diesen Frauenhasser ermittelt.

Gibran ist ungemein belesen, scharfzüngig und machtbesessen

Spannend fand ich die Figur Rashid Gibran - gerade weil er die Leserschaft ungemein polarisieren dürfte. Für die einen wird er ein chauvinistisches Schwein sein, für die anderen ein Wissenschaftler, der seine Thesen provokativ und zugespitzt formuliert. Uwe Wilhelm hat den Philosophie-Professor als ungemein belesen, scharfzüngig und machtbesessen dargestellt. Für seinen scharfen Intellekt kann ich Gibran durchaus bewundern, aber ob ich mit so einem Menschen in der wirklichen Welt ein Glas Rotwein trinken würde, müsste ich mir lange überlegen.

Wahrscheinlich würde mich das intellektuelle Duell reizen, aber auch da ist fraglich, wie lange man sich das anhören würde. Auf jeden Fall eine gelungene und hochinteressante Figur, die ebenfalls genau in diese Geschichte passt.

Ein rassiger und fesselnder Thriller - Kopfkino der besten Sorte

Der Killer ist wiederum so deutlich der Unsympath, dass es leicht ist, ihn komplett zu verabscheuen. Das Menschenbild, das hier gezeigt wird, gibt es allerdings in Teilen der Gesellschaft tatsächlich - die Konsequenz, die Dionysos daraus zieht, ist nur die krankhafte Überspitzung. Das macht in meinen Augen den Plot so lesenswert. Es ist schon ungewöhnlich, dass sich ein Psychopath einen ideologischen Überbau für seine Morde zusammen zimmert. 

Dramaturgisch ist die Geschichte perfekt aufgebaut. Zur Mitte des Buches gibt es die ersten Hinweise, wer der Täter sein könnte. Und als klar ist, wer hinter dem Pseudonym Dionysos steckt, werden auch die Unterstützer langsam enthüllt. Ein spannend aufgebauter Plot, der kaum Wünsche offen lässt. Und mit dem heftigen Cliffhanger am Ende bereitet Uwe Wilhelm schon den Boden für den nächsten Band mit Helena Faber. Insgesamt ein rassiger und mehr als fesselnder Thriller - Kopfkino der besten Sorte, wie von einem routinierten Drehbuchautor zu erwarten.

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Letzte Kommentare:
15.04.2019 20:33:38
Marc

Ich kann mich den negativen Kommentaren nicht anschliessen.Natürlich gibt es einige Stellen im Buch die wenig realistisch sind, aber dies gehört einfach einmal zu einem gutenThriller.Das Buch ist sehr spannend und lesenswert.Uwe Wilhelm versteht sein Handwerk.

27.12.2018 23:08:19
Winkelschorsch

Von der Idee her , könnte es durchaus ein guter Krimi geworden sein, aber nach ca 150 Seiten wird es zum Schwachsinn hoch drei. Der Autor verfällt leider der Krankheit allzu vieler seiner Kollegen und meint, er müsse mindestens 400 Seiten abliefern. Und dadurch kommt es, wie es kommen muss: Absoluter Blödsinn! Wie ein erfolgreicher Drehbuchautor so einen Unsinn verzapfen kann, kann man als Außenstehender schon nicht nachvollziehen. Aber wie Lektoren solche hanebüchenen Storys durchgehen lassen und Kritiker sie auch noch als lesenswert anpreisen, kann nur noch als Kommerz geschuldet verstanden werden. Man fühlt sich vera....

27.04.2018 16:10:48
charliene

Schade um die (Lese-)zeit. Die Geschichte wäre gut. Wäre deshalb, weil sie so unglaublich schlecht umgesetzt wurde, dass es mir zeitweise schon fast übel geworden ist ob all den Ungereimtheiten. Eine Badewanne wird ausgebaut und durch einen Holzbottich ersetzt und ein paar Kapitel später wird dann eine Person in die Badewanne gelegt ...??? ... Der Inhalt einer Handtasche wird auf den Boden geleert und wieder eingeräumt und später ist dann der Inhalt ebendieser Tasche wieder auf dem Boden. Wenn der Autor solche Details schon nicht im Griff hat, sollte es wenigsten das Lektorat haben. Die Amnesie von Helena Faber wird zum Possenstück, die Begleitumstände entbehren jeglicher Logik. Und so weiter und so fort. Da, wie schon erwähnt, die Geschichte gut war konnte ich mich ca.300 Seiten durch das Buch quälen. Danach habe ich noch ein wenig quer gelesen bis ich dann nach weiteren 50 Seiten endgültig aufgegeben habe. Im Nachhinein empfinde ich das Buch als absolute Frechheit und werde zukünftig einen grossen Bogen um Bücher von diesem Autor machen.
Ein Rätsel ist für mich, wie Herr Kurth auf 90° kommt.