Position

Erschienen: Januar 1989

Bibliographische Angaben

  • Paris: Gallimard, 1981, Titel: 'La Position du tireur couché', Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1989, Titel: 'Die Position des schlafenden Killers', Seiten: 174
  • Heilbronn: Distel, 2003, Seiten: 191, Übersetzt: Stefan Linster
  • Heilbronn: Distel, 2015, Seiten: 191

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Wolfgang Weninger
Manchette kostet die Kaltblütigkeit des Tötens aus

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2003

Martin Terrier befindet sich in Worcester. Er steigt aus seinem Bedford-Kastenwagen, geht auf sein Opfer zu, zieht seine Waffe und schießt ihm in Brust und Nasenwurzel. Die attraktive Begleiterin des tödlich Getroffenen ereilt ebenfalls das grausame Schicksal und Terrier verschwindet aus Großbritannien.

Er ist ein Killer der Meisterklasse. Terrier arbeitet für die "Firma". Für sie serviert er jeden ab, der ihm aufgetragen wird, wenn das Honorar stimmt, egal um wen es sich dabei handelt. Zehn Jahre als perfekte Tötungsmaschine sind sein Ziel und dann wird er abdanken, denn er hat genug verdient und hat durch Mord seine kleinbürgerliche Herkunft für immer verlassen.

Aber die "Firma" hat etwas gegen abtrünnige Killer und der Jäger wird zum Gejagten, den auch im Schlaf seine Position "Anschlag liegend" verfolgt, weil der Tod sein ständiger Begleiter ist.

Jean-Patrick Manchette, geboren 1942 in Marseille, war Jazzliebhaber, Cineast und Schriftsteller und schuf mit seinen Romanen eine neue Ära des französischen Krimis, den roman noir. Zahlreiche Romanschöpfung wurden von Claude Chabrol verfilmt und auch "Position: Anschlag liegend" diente als Filmvorlage, die mit Alain Delon und Catherine Deneuve bildnerisch umgesetzt wurde.

Position: Anschlag liegend zeigt uns einen Krimi aus der Sicht des Killers und auch den 180 Seiten aus dem DistelLiterturVerlag, die 2003 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurden, bietet uns der 1995 in Paris verstorbene Manchette eine sprachliche Meisterleistung, die in der Übersetzung von Stefan Linster nichts an ihrer knappen Einprägsamkeit verliert.

Manchette zeichnet in düster-grauen Bildern das Psychogramm eines Mannes, dessen Leben nicht vom Dialog geprägt ist, sondern durch den Blick über Kimme und Korn, der ihm deutlich besser erscheint als die beschissene Kindheit, vor allem, weil er sich damit seinen Lebensunterhalt verdient und nicht in der Verlogenheit des französischen Kleinstadtmiefs den angepassten Bürger spielen muss.

Wer schwarzen Humor mag, kann gelegentlich ins Schmunzeln geraten, aber ansonsten liest sich dieses Buch eher beklemmend. Manchette kostet die Kaltblütigkeit des Tötens aus, als sei er sein eigener Voyeur und wenn er schon Frauen in den Krimi einbaut (und hier steht einem bei der Beschreibung der Bettgefährtin unweigerlich die kühle Blonde Catherine Deneuve vor Augen), so sind auch dies nur kurzzeitiges Ausbrechen und momentane Leidenschaft unter drohenden schwarzen Wolken.

Zehn Kriminalromane hat Manchette geschrieben, die meisten von davon verfilmt, aber so wie im vorliegenden Buch, schlüpft Manchette aus den Mörder-Ermittler-Klischee und zelebriert seine eigene Version von einem Kriminalroman, bei der man sich fragt, ob eine Lebensdefinition, wie die des Martin Terrier, schon ausreichend ist, um ein Stück Lesekultur zu schaffen, die in dieser Art zweifelhaft erscheint, weil Manchette diese Lebensform stellenweise zu verherrlichen droht.

Dieses Buch ist zwiespältig und gewöhnungsbedürftig. Zum Einen verbreitet es durchaus Spannung, zum Anderen glaubt man sich auf der Couch eines Psychiaters zu finden, der nach den ersten zwei Semestern das Studium aufgab und beschlossen hat, nur abgedrehte Typen zu behandeln.

Lesevergnügen bereitet dieses Buch mit Sicherheit nicht, aber als etwas andere Genrelektüre bietet Manchette gelungene Unterhaltung in dunkelgrauem Stil für Leser, denen an der Psyche eines Killers mehr liegt, als an unorthodoxen Ermittlungsmethoden irgendeines Kommissars.

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Letzte Kommentare:
19.12.2004 16:20:39
arisel

Manchette mag zuviel Zeit darauf verwenden, das Innenleben von Mördern darzulegen. Aber im Gegensatz zu vielen "seichteren" Krimis macht er dem Leser damit unumgänglich klar, was für ein Mensch man sein muss, um Menschen zu töten.
Hier löst der Tod noch Ekel oder Abscheu aus, und sicherlich macht das das Buch nicht heiter, aber wer mit Manchettes Stil klarkommt wird dieses Buch geniessen können.

04.11.2004 12:56:18
KMMajewski

Manchette ist ein Klassiker. Er hat nichts mit trendigen und kurzlebigen Was-hat-der-depressive-Kommissar-auf -Island-in-dem-Genlabor-gewolllt-Büchern zu tun. Keine Modegeschichten, nur Furcht-und-Schrecken-erregendes Soseins des Lebens. Vgl. auch Jim Thompson, Lawrence Block, Stanley Ellin.

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