Salon mit Seerosen

Salon mit Seerosen
Salon mit Seerosen

Erschienen: Januar 1996

Erschienen: Januar 1996

Bibliographische Angaben

  • Zürich; Hamburg: Arche, 1996, Seiten: 292, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 1998, Seiten: 292, Originalsprache

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Peter Kümmel
Eindrucksvolle Psychostudien und überraschendes Ende

Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Ernst Korber ist 70 Jahre alt und erfolgreicher Wirtschaftsanwalt in Zürich. Doch bei seinen Geschäften geht es nicht immer völlig legal zu. Jetzt wird ihm ein Auftrag angeboten, bei dem es darum geht, über eine Rohöllieferung von Lettland nach Hamburg schmutziges Geld zu waschen. So ganz wohl ist ihm bei der Sache nicht, denn warum braucht seine Auftraggeberin einen bewaffneten Chauffeur?

Doch eigentlich hat Korber zur Zeit ganz andere Probleme, die alles andere zur Nebensache verkommen lassen sollte: er ist todkrank. Und er hasst es, etwas nicht unter Kontrolle zu haben. Das gilt auch für das eigene Sterben. Deshalb wendet er sich an seinen alten Schulfreund Edmund Rapp, der nicht nur mit dem Ölgeschäft zu tun hat, sondern unter dem Namen Cornelius auch ein Institut für Sterbehilfe leitet. Der will jedoch Korber nicht dessen gewünschte Dienstleistung zukommen lassen, nicht mal für viel Geld, solange er nicht die Zustimmung von Korbers Tochter Melanie hat.

Gespannte Beziehung zwischen Vater und Tochter

Melanie jedoch gibt ihr Einverständnis nicht. Nicht etwa, weil sie ihren Vater liebt. Ganz im Gegenteil. Da gab es nie eine besondere Beziehung zu ihrem Vater, der nur an Geld und Macht interessiert war und dem sie es nie verziehen hat, dass er sich bei einem Bootsunfall retten konnte und ihre Mutter starb. Nein, sie will einfach nicht, dass er sich so einfach aus der Verantwortung stiehlt. Doch wie passt es dazu, dass Korber Melanies Freund Ben als Leibwächter engagiert? Das hat man ja eigentlich nicht mehr nötig, wenn man sterben will.

Peter Zeindlers literarisch anspruchsvoller Roman bleibt lange Zeit seine Untertitelung "Kriminalroman" schuldig. Der Autor legt eindrucksvolle Charakterstudien vor von Menschen, die keinesfalls durchschnittlich sind. Es geht um Macht und Kontrolle, die über den Tod hinaus geht. Kontrolle über den eigenen Tod und Macht über andere auch nach dem eigenen Tod. Es geht um Liebe und Hass und um fehlende Liebe. Und es geht um Angst.

Unbefriedigendes Ende trotz Überraschungen

Seinen Titel hat der Roman von einem Gemälde. "Salon mit Seerosen" ist ein Bild eines Raumes, in dem der Boden mit Wasser bedeckt ist und die Wasseroberfläche ist übersät mit Seerosen. Dieses Bild wollte Melanie ihrem Vater schenken, weil es sich dieser so intensiv betrachtet hat. Doch Korber will das Bild nicht. Er hat Angst davor. Wasser hat bereits mehrfach in seinem Leben eine Rolle gespielt in Verbindung mit dem Tod.

Zeindler macht den Leser genauestens mit dem Innenleben seiner Charakter vertraut, doch so richtig zu fesseln vermag er trotz aller Neugier auf Sinn und Zweck des Tuns seines Protagonisten dennoch nicht. Der Schluß des Buches überrascht einerseits, lässt einen andererseits aber auch etwas unbefriedigt zurück.

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