Heiland

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Meßkirch: Gmeiner, 2017, Seiten: 250, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Es schwäbelt in Berlin

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2017

Taucher finden im Westhafen eine Leiche. Es handelt sich um Sven Lubinger, dessen erhaltener Reisepass die Identifizierung vereinfacht. Einige Wochen muss er schon im Wasser gelegen haben, der Grund dafür ist allerdings noch immer erkennbar: Er wurde von erschossen. Lubinger pendelte zwischen Berlin und Lagos, nannte sich Malik und war ein Krimineller der übelsten Sorte. Rauschgift, Frauenhandel, Prostitution und Führer einer Gang teils jugendlicher Möchtegern-Mobster. Nun entwickelt sich ein Kampf zwischen zwei rivalisierenden Gruppen, und ein junger Tunesier will seine Nachfolge antreten sowie Drogen im Wert von zwei Millionen in seinen Besitz bringen. Hauptkommissar Peter Heiland muss in einem Milieu ermitteln, dass ihm eher fremd ist. Schnell erkennen er und seine Mitarbeiter, dass hier ganz eigene Regeln gelten...

Solide Krimikost, teilweise etwas altbacken

Ein neuer Fall für Peter Heiland, der Buchtitel nimmt es vorweg. Schon länger ist es her, dass Heiland noch unter dem inzwischen pensionierten Bienzle arbeitete. Nun lebt der Schwabe in Berlin und hat eine feste Beziehung zu seiner Kollegin Hanna Iglau, die kurz vor der Geburt des gemeinsamen Sohnes steht. Überhaupt nehmen die zwischenmenschlichen Themen mehr Raum ein. Nach wie vor schwelt der Konkurrenzkampf zwischen Heiland und seinem Kollegen Norbert Meier, der eigentlich Leitender Kommissar der 4. Mordkommission im LKA Berlin hätte werden sollen. Wischnewski fällt aufgrund einer schweren Depression aus, der allseits unbeliebte Konnarek droht dessen Nachfolge anzutreten. Es brennt förmlich an allen Ecken, und auch der aktuelle Fall ist verzwickt, da (nicht nur) die Gangmitglieder wenig gesprächsbereit sind.

"Vielleicht sollten wir unseren Fall auch zu den Akten legen. Diesen Lubinski haben doch wohl alle, die ihn gekannt haben, zur Hölle gewünscht. Dort ist er jetzt. Friede seiner & na ja."
"Mindestens einer hat verdammt um ihn getrauert."
"Aha. Und wer soll das gewesen sein?"
"Johannes Streitz, genannt Johnny, der getreue Assistent des Streetworkers Friedo Neubert."
"Und wie passt das zusammen?"
"Erst mal gar nicht."

Felix Huby, Jahrgang 1938, ist ein alter Krimihaudegen, der - vielleicht gerade deshalb - in altbewährter Manier seine Geschichte erzählt. Nur einmal taucht das Wort Smartphone auf, ansonsten könnte der Fall auch in den 1990er Jahren spielen. Huby verzichtet auf moderne Technik und ähnlichen Schnickschnack. Seine Polizisten müssen sich vor allem die Hacken ablaufen und zahlreiche Zeugen befragen. Grundsolide Polizeiarbeit, grundsolide Krimikost. 

Allein ein Punkt schlägt einem auf den Magen, denn der Autor vermag nicht, sich bei der Nennung seiner Figuren auf deren Namen zu einigen. So ist (beispielsweise) Peter Heiland zunächst Peter Heiland, einen Satz später dann Peter, um zwei weitere Sätze später wieder zu Peter Heiland zu werden. Hier wäre eine einheitliche Schreibweise mehr als angenehm gewesen. Auch die häufige Nennung von Vor- und Nachnamen der anderen Personen nervt gewaltig, denn a) interessieren die Vornamen nicht wirklich und b) hat man sie spätestens bei der zweiten Nennung mitbekommen.

Beim Auftritt von Heinrich Heiland wird munter geschwäbelt

Immerhin gibt es ein Wiedersehen mit Heiland Senior, wobei hiermit Heinrich Heiland, der Großvater gemeint ist, denn die Eltern des Protagonisten starben ja bereits sehr früh. Der Auftritt des waschechten Schwaben führt dann einmal mehr dazu, dass erneut viel geschwäbelt wird. An einigen Stellen wird erfreulicherweise die Übersetzung mitgeliefert.

Der Plot ist durchaus interessant, wenngleich man aus dem Thema Jugend- oder Bandenkriminalität deutlich mehr hätte machen können, ja sogar müssen. Dennoch, wer solide, teils etwas altbacken wirkende Krimikost mag, der greift gerne zu. Heiland und sein Team - und ihre Probleme - sind sympathisch, man möchte erfahren, wie es weiter geht.

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