Die Fährte des Wolfes

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Bookmark, 2014, Titel: 'Zack', Seiten: 423, Originalsprache
  • Stuttgart: Tropen, 2017, Seiten: 450, Übersetzt: Christel Hildebrand

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Marcel Feige
»Nichts Neues aus Skandinavien.«

Buch-Rezension von Marcel Feige Aug 2017

Man kann sie förmlich vor sich sitzen sehen, die beiden schwedischen Autoren Mons Kallentoft und Markus Lutteman, während sie ihren ersten gemeinsamen Thriller planten.

Da dieser nämlich erfolgreich sein soll, meiden sie das Risiko des Neuen, halten sich stattdessen strikt an das, was vielen anderen Autoren aus Skandinavien seit Jahren, ach was, seit Jahrzehnten zu Popularität verholfen hat.

Die Frauen im Team erfüllen nur die Quote

Angefangen bei einer Sondereinheit, die sich (mehr oder weniger) aus den Besten der Besten rekrutiert. Selbstverständlich gibt es auch Frauen im Team, aber sie erfüllen nur die Quote, eine tragende Rolle spielen sie nicht. Die eine ist Stichwortgeberin für den Kommissar, die andere ein Computer-Nerd, dementsprechend schräg, introvertiert, lesbisch und mit geheimnisvoller Vorgeschichte.

Nicht zu vergessen der Chef, kein grantiger, im Gegenteil, ein gutmütiger Kauz, der allen Mitarbeitern Rückendeckung gibt, egal wie durchgeknallt sie sind. Denn der eigentliche Held, der Kommissar, ist von allen am durchgeknalltesten: Zack.

Kommissar taumelt wie ein Zombie durch die Ermittlungen

Dieser Zack ist ein gebrochener, traumatisierter Typ: Seine Mutter ist auf mysteriöse Weise gestorben, was er bis heute nicht verpackt hat - und natürlich ist der Mord an ihr bis heute auch noch nicht aufgeklärt. Schließlich braucht es, soweit haben die Autoren Kallentoft und Lutteman vorausgedacht, Stoff für einen zweiten Roman.

Zack säuft, kokst, zecht die Nächte durch, lebt am Limit, und taumelt irgendwann nur noch wie ein Zombie durch die Ermittlungen. Dass seine Kollegen deswegen reihenweise sterben wen interessiert's? Seinen Chef zumindest nicht. Entweder ist er tatsächlich so gutmütig. Oder einfach nur blind wie jener Profiler, der die Sondereinheit ergänzt.

Möglicherweise setzen Kallentoft und Lutteman aber auch einfach nur darauf, dass die Leserinnen und Leser es nicht merken ob der spannenden Geschichte, die sie zu entfalten glauben: nämlich über einen Serienkiller, der Frauen ermordet.

Nichts weiter als ein lieblos zusammengestückeltes Thriller-Elaborat

Klar, Serienkiller-Thriller gibt es inzwischen bis zum Abwinken, aber Kallentoft und Lutteman machen es dank Menschenhandel und Zwangsprostitution natürlich auch sozialkritisch. Und sogar witzig. Da verschlägt es Kommissar Zack zwischendrin nämlich in ein Hotel, in dem er ausgerechnet Noomi Rapace sitzen sieht. Ja, genau, die Lisbet Salander aus den Larsson-Filmen.

Spätestens da wird offensichtlich, wie schamlos sich die beiden Autoren bei den Ideen ihrer Kollegen bedienen.

Da mag der Verlag zwar Hochspannung des neuen Bestsellerduos aus Schweden aufs Cover pappen. Oder: Die neue Sensation aus Skandinavien. Es täuscht aber nicht darüber hinweg, dass »Die Fährte des Wolfes« nichts weiter ist als ein lieblos zusammengestückeltes Thriller-Elaborat.

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