Westküstenblues

Erschienen: Januar 1983

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main; Berlin; Wien: Ullstein, 1983, Titel: 'Killer stellen sich nicht vor', Seiten: 176, Übersetzt: Wolfgang Proll
  • Paris: Gallimard, 1976, Titel: 'Le petit bleu de la côte ouest', Seiten: 181, Originalsprache
  • Heilbronn: Distel-Literatur, 2002, Titel: 'Westküstenblues', Seiten: 169, Übersetzt: Stefan Linster
  • Paris: Gallimard, 1980, Titel: 'Trois hommes à abattre', Seiten: 181, Originalsprache
  • Zürich: Ed. Moderne, 2006, Titel: 'Killer stellen sich nicht vor', Seiten: 78, Übersetzt: Martin Budde, Bemerkung: Graphic novel

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Thomas Kürten
Vorher und hinterher das normale Leben

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Georges Gerfaut ist eigentlich ein Durchschnittspießer, der recht erfolgreich einem kaufmännischen Beruf nachgeht und jedes Jahr mit Frau und Kindern an die Atlantikküste in Urlaub fährt. Doch in diesem Jahr folgen ihnen zwei Männer in das Kaff an der See, die den Auftrag haben, Georges umzubringen. Ihr Versuch, ihn im hüfttiefen Wasser zu ertränken misslingt und Georges flieht, Frau und Kinder zurück lassend, zunächst nach Paris. Doch die beiden Killer bleiben ihm auf den Fersen und Bürohengst Georges wird sich ihnen im Nahkampf stellen müssen.

Für Kenner der Romane Manchettes ist Westküstenblues eine Enttäuschung. Ziemlich uninspiriert erzählt der Autor die Geschichte eines Mannes, der durch seine Hilfsbereitschaft indirekt in Lebensgefahr gerät und der sich auf seine Weise zu helfen weiß. Trotz gerade mal 160 Seiten hat der Roman seine Längen. Ihm fehlt vollkommen die politische Dimension bzw. der Autor schafft es gerade mal andeutungsweise und alibihaft, eine solche einfließen zu lassen.

Ein Bösewicht wird präsentiert, der dann erst wieder im unspektakulären Finale in Erscheinung tritt. Stattdessen holpern die meiste Zeit dessen beiden Klischeebeladenen Handlanger durch den Roman, die sich von einem Sesselpupser vorführen lassen müssen. Nein, als Roman kann Westküstenblues eigentlich zu keiner Zeit überzeugen.

Als Drehbuch wiederum hat er seine Qualitäten. Manchette spielt mit einem überzeugenden Rahmen, der Fahrt auf der nächtlichen Peripherique rund um Paris und dem Motiv, dass Gerfaut vor und nach den Ereignissen einem spießig konservativen Lebensstil frönt. Er beschreibt Actionszenen und eine abenteuerliche Flucht, eine unglückliche Lovestory und eine finale Abrechnung. Mit Alain Delon in der Hauptrolle kann das funktionieren. Als Roman fällt es durch.

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