Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst

Erschienen: Mai 2017

Bibliographische Angaben

  • München: Random House Audio, 2017, Seiten: 2, Übersetzt: Britta Steffenhagen, Simon Jäger & Marie Bierstedt, Bemerkung: gekürzt

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Carola Krauße-Reim
Zu viele Perspektiven verderben den Brei

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jan 2020

Die bekannte Fotografin Nel Abbott wird tot im Fluss ihres Wohnortes gefunden. Alle gehen von Selbstmord aus, doch ihre Schwester Jules weiß, dass mehr dahinter steckt, denn Nel hatte sie vor ihrem Tod dringlich um einen Rückruf gebeten. Jetzt muss Jules in das alte Haus am Fluss zurückkehren, das sie nie wieder betreten wollte und, das ihr Angst macht und voller schlechter Erinnerungen steckt.

„Ein Ort, um unbequeme Frauen loszuwerden“

Paula Hawkins legt nach „Girl on the Train“ ihren zweiten Spannungsroman vor und greift dabei tief in die Mystery-Kiste. Immer wieder ertrinken Frauen im „Drowning Pool“ des englischen Dörfchens Beckford - mal mehr, mal weniger freiwillig. Den Fluss scheint ein Nebel an Geheimnissen zu umwabern, wie auch alle Bewohner der biederen Ansiedlung.

Vom Dorfpolizisten über den Lehrer bis hin zur lokalen Hellseherin scheint jeder etwas zu verbergen. Man fühlt sich nach Twin Peaks versetzt, nur ohne Special Agent Dale Cooper. Die Geschichte ist gut ausgedacht, doch schlecht umgesetzt, und sie wird durch die vielen angedeuteten Geheimnisse und mysteriösen Bemerkungen auch nicht spannender. So ist mir auch nach der Lektüre nicht klar, was der aufmerksamkeitsheischende Zusatz  „TRAUE KEINEM. AUCH NICHT DIR SELBST“ auf dem Cover des Buches zu bedeuten hat.

Mehr Perspektiven, als einem lieb sind

Dass es dem Roman an Spannung fehlt, liegt nicht zuletzt an der Überzahl an Perspektiven. Immerhin wird aus der Sicht von zehn(!) Personen erzählt, davon kommen fünf als Ich-Erzähler selber zu Wort. Und, als wäre das nicht schon genug, kommt das von Nel geschriebene Buch als zusätzlicher „Charakter“ noch dazu. Bei knapp 470 Seiten können folglich die einzelnen Kapitel gar nicht lang ausfallen. Und so wird der Leser von einer Perspektive zur nächsten weitergereicht, kaum, dass er sich an die kapiteltragende Person gewöhnt hat.

Zwar muss man der Autorin zu Gute halten, dass sie es dennoch schafft, aus jeder Person einen differenzierten Charakter zu machen, aber die Vielzahl der handelnden Personen, die teilweise auch noch in Rückblicken zu Wort kommen, und noch das Buch im Buch – das ist des Guten einfach zu viel! Es sollte wohl aus vielen Strängen ein Zopf geflochten werden, bei dem mit jeder Windung mehr Spannung generiert wird. Doch, das hat nicht funktioniert. Hier wäre weniger wirklich mehr gewesen. So aber verliert der Leser schnell den Überblick. Man macht sich besser neben der Lektüre Notizen zu jeder Person, damit man die einzelnen Kapitel „genießen“ kann und sich nicht immer wieder neu einfinden muss.

Rätselraten statt Spannung

Durch die Vielzahl an Perspektiven werden dem Leser auch eine Vielanzahl an Hinweisen und Fakten an die Hand gegeben, die zum Rätselraten einladen. Denn, für Jules ist klar, dass sich ihre Schwester niemals selbst getötet hat und es somit einen Mörder geben muss, der zumindest an Nels Tod Schuld trägt. Wenn er nicht sogar schon vorher gemordet hat, denn Nel ist nur die Letzte von mehreren Frauen, die an gleicher Stelle ertrunken sind.

Nach und nach setzt sich aus einzelnen Teilen ein Puzzle zusammen, das am Ende mehr als einen Todesfall erklärt, aber irgendwie nie richtig spannend ist. Die Hinweise und Andeutungen kommen aus zu vielen Richtungen, was nicht spannend, sondern ermüdend ist und den Leser eher langweilt als ihn an die Handlung fesselt. Die Auflösung zu Nels Tod kommt dann auf den letzten Zeilen des Buches ziemlich abrupt daher und lässt den Leser zwar überrascht, aber unbefriedigt zurück.

Fazit:

„Into the Water“ ist kein Buch für die Fünf-Minuten-Lektüre vor dem Einschlafen. Die Zahl der Perspektiven verlangt vom Leser Aufmerksamkeit, die mangelnde Spannung Geduld. Dennoch ist es kein kompletter Reinfall, denn die Geschichte ist vielschichtig, die Abgründe in Beckford sind tief und, das nicht nur im Fluss! Aber er ist das Zentrum, auf den sich alles zu fokussieren scheint. Hawkins beschreibt die Flusslandschaft und den Drowning Poll dann auch atmosphärisch so dicht, dass sie quasi als zusätzlicher Charakter zu zählen ist. Doch viele Rätsel und ein bisschen verkrampfte Gothic-Novel-Atmosphäre machen noch keinen guten Krimi aus, und so ist dieses Buch eher eine Enttäuschung, als ein Lese-Muss, auch wenn es nicht als Krimi, sondern als Roman deklariert ist.

Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst

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Letzte Kommentare:
03.01.2020 13:11:45
Lucy

Ich finde den Krimi durchschnittlich. Meiner Meinung nach tut es dem Buch nicht gut, zwischen zu vielen Personen hin- und herzuspringen. Für die Handlung war es auch einfach zu lang.

14.02.2018 14:44:33
Hulda1963

Die Besonderheit dieses Buches ist, dass es eigentlich keine richtige Hauptfigur gibt.
Mehrere Personen erzählen Dinge aus ihrem Leben, die man oft erst gegen Ende einordnen kann.
Oder auch überhaupt nicht.
Die immer wieder nach wenigen Seiten wechselnde Erzählperspektive macht das Buch für mich schwierig zu lesen.
Zudem werden die Personen nicht vorgestellt.
Nach und nach stellt sich heraus, dass es um die Schwestern Nel und Jules geht, und warum ihr Verhältnis schwierig ist.

Durch diese Art des Erzählens macht die Autorin aus dem belanglosen Thema Sex & Crime ein leidlich interessantes Buch.

Leider nicht so gut wie der Vorgänger.