Schwarze Brandung

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Berlin: audio media, 2017, Seiten: 6, Übersetzt: Julia Nachtmann, Bemerkung: gekürzte Ausgabe

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Jörg Kijanski
Temporeicher Plot mit ernstem Hintergrund

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2017

Liv Lammers wurde mit fünfzehn Jahren ungewollt schwanger, doch sie entschied sich gegen eine Abtreibung. Dies führte zum Bruch mit ihrer Familie, bestehend aus dem herrschsüchtigen Vater Ocke und Schwester Annika. Vierzehn Jahre sind seitdem vergangen, Liv zog damals von Sylt fort und lebt seitdem mit Tochter Sanna und Großmutter Elise zusammen in Flensburg. Sanna ist verständlicherweise ebenso überrascht wie schockiert als eines Tages ihr Cousin Jan anruft, von dessen Existenz sie bis dahin gar nichts wusste. Auch Liv ist verblüfft, dass ihr Neffe sich bei ihr meldet, denn jeglicher Kontakt war streng unterbunden. Doch Jan ist verzweifelt, er vermisst seine Freundin Milena und seine Tante ist ja schließlich Ermittlerin bei der Mordkommission. Als am nächsten Tag bei Strandaufschüttungen vor Westerland die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, ahnt Liv noch nicht das Ausmaß des Geschehens. Mit ihrem Kollegen Hennes fährt sie nach Sylt, um die Ermittlungen zu übernehmen. So kommt es nach den vielen Jahren nicht nur zu einem Wiedersehen mit der Insel, sondern auch zu einem ersten Kontakt mit ihrem Neffen, wenngleich ihre Schwester diesen um jeden Preis verhindern will. Es hilft jedoch nichts, denn das tote Mädchen ist tatsächlich Milena. Wie sich herausstellt, arbeitete diese als Kellnerin, doch ihre Spuren lassen sich nur schwer zurückverfolgen. Wo hat sie gewohnt, wer waren ihre Freunde und wer könnte ein Motiv für einen Mord gehabt haben? Je mehr sich die Ermittler in den Fall vertiefen, desto größere Abgründe öffnen sich. Fremde Menschen, die sich illegal auf der Insel aufhalten, gehen zu Hungerlöhnen Jobs nach, um ihre Angehörigen in der Heimat zu unterstützen. Spuren führen andererseits in die Glitzerwelt der Insel, wo man die billigen Arbeitskräfte auf unterschiedliche Weise zu schätzen weiß...

Mehr als ein gelungenes Krimidebüt

Sabine Weiss ist keine unbekannte Autorin, machte jedoch bislang durch ihre historischen Hanse-Romane auf sich aufmerksam. Hier nun also ihr Krimidebüt, welches sich wahrlich nicht verstecken braucht. Es gibt recht schnell einige Tatverdächtige, darunter dummerweise auch Jan und Livs früheren Freund Boy. Zunächst lebt die Polizeiarbeit von dem Spannungsfeld, das sich daraus ergibt, dass Liv als ermittelnde Kommissarin persönlich doppelt in den Fall verstrickt ist. Daher versucht sie, Spuren zu verfolgen, um insbesondere Jan zu entlasten. Doch auch ihre längst vergessene Beziehung zu Boy ist für Liv in mehrfacher Hinsicht äußerst problematisch.

"Schwarze Brandung" wird in mehreren Erzählsträngen dargestellt, die sich jedoch, da zeitlich aufeinanderfolgend, gut auseinanderhalten lassen. So gibt es keine Schwierigkeiten dem Plot zu folgen, im Gegenteil, mitunter weiß der Leser (ein bisschen) mehr als die Ermittler. Dennoch werden einige Verdächtige zu stark als solche aufgebaut, als dass man sie ernsthaft in Erwägung ziehen würde. So verläuft der (reine) Krimiplot nach bekanntem Muster mit "überraschender" Auflösung.

Neben den familiären Schwierigkeiten im Hause Lammers und dem angenehm packenden Schreibstil, überzeugt noch ein weiter Aspekt des Romans. Denn Milena stammte aus Serbien, genauer aus dem Kosovo und so führt eine Spur die Protagonistin nach Pristina, wo sie Milenas Familie besser gesagt, was davon noch übrig ist - kennenlernt. Eindringlich beschreibt die Autorin, warum Menschen als Illegale oder Papierlose nach Deutschland kommen, um hier für ihre Familien zu sorgen. Wer im Kosovo von durchschnittlich 1,40 Euro am Tag leben muss, der hat nichts mehr zu verlieren. So nimmt denn auch Milena etliche Widrigkeiten in Kauf, um auf Sylt zu arbeiten. Dabei gerät sie an den zwielichtigen Russen Oleg, der in einem "Hostel" den Frauen einen Unterschlupf und Jobs bietet. Gleichwohl zu menschenunwürdigen Bedingungen und nicht selten unter Gewaltanwendung; die Notsituation der Frauen als "human resources manager" maximal ausnutzend.

"Schwarze Brandung" ist ein tempo- und abwechslungsreicher Roman, der weit mehr ist als ein gelungener "Debütroman". Vielleicht bleibt die Autorin ja dem Krimigenre treu und wir erleben hier den Beginn einer Serie. Für Krimifans keine schlechte Perspektive.

Schwarze Brandung

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Letzte Kommentare:
13.03.2018 22:23:40
Claudia Schumann

Sehr spannend.! Flüssig zu lesen gute Kenntnisse von den Schauplätzen. Macht grosse Lust auf weitere Krimis zu warten.Das Buch habe ich schnell durchgelesen weil die Spannung stieg und bis zum Schluss DDS Buches anhielt. SYMPATHISCHE Akteure.Keine heile Weltgeschichten und autentische Figuren. Nicht nur für Syltliebhaber

13.03.2018 22:21:00
Claudia Schumann

Sehr spannend.! Flüssig zu lesen gute Kenntnisse von den Schauplätzen. Macht grosse Lust auf weitere Krimis zu warten.Das Buch habe ich schnell durchgelesen weil die Spannung stieg und bis zum Schluss DDS Buches anhielt. SYMPATHISCHE Akteure.Keine heile Weltgeschichten und autentische Figuren. Nicht nur für Syltliebhaber

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