Ein finsterer Ort

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • London: Michael Joseph, 2016, Titel: 'The Sleepless Ones', Originalsprache
  • Köln: Bastei Lübbe, 2017, Seiten: 384, Übersetzt: Anke Kreutzer

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Jörg Kijanski
Alte, grausame Verbrechen verlangen nach Aufklärung

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2017

Wenige Wochen ist es her, da haben Chief Inspector Downes und sein neuer Sergeant Graves ihren ersten gemeinsamen Fall gelöst. Dabei wurden gleich mehrere, teils auch schon viele Jahre alte Fälle aufgedeckt. Doch Ruhe will in dem sonst eher beschaulichen Städtchen Moreton nicht einkehren. Als der Journalist George Finn für eine Sensationsstory den Kriminellen Lee Miller befragen möchte, der gerade erst zwölf Jahre gesessen hat, findet er in dessen Haus nur seine grausam entstellte Leiche. Ein kaum vorstellbarer Foltermord, aber zu Finns großem Pech, befinden sich die Mörder noch im Haus. Downes und Graves haben folglich einen Doppelmord zu klären als sie feststellen, dass in Millers Haus noch ein zweiter Mann lebte: Stanley. Dieser kehrt an den Tatort zurück und kann von Graves gestellt werden, allerdings in einem Kaminschacht, der prompt einstürzt. Bei dieser Gelegenheit fallen den Ermittlern einige Fotos in die Hand, die männliche Jugendliche auf einer Bahre zeigen.

Downes ermittelt in den Cotswolds, um mehr über die Jungen zu erfahren, die offenbar vor vielen Jahren verschwanden. Ihre Identitäten lassen sich daher nur teilweise feststellen. Währenddessen wandelt Graves in London auf den Spuren Finns um herauszufinden, auf was für eine Geschichte der Journalist gestoßen war. Die Spuren führen zu einem Kinderheim, das vor über zwanzig Jahren abbrannte. Schon damals gab es mehrere bis heute ungeklärte Todesfälle...

Und wieder lockt die Vergangenheit.

Wie schon beim Debütroman Das Mädchen im Fenster werden aktuelle Morde mit lange zurückliegenden Verbrechen vermengt. Im vorliegenden Fall prasseln von Beginn an etliche Handlungs- und Ermittlungsstränge sowie zahlreiche Personen auf den Leser ein. Konzentration ist gefragt, denn es werden mehrere Geschichten erzählt, die zunächst scheinbar nichts miteinander verbindet. Wohl dem, der den Überblick behält, den selbst die Ermittler lange Zeit eher nicht haben. Wer anspruchsvolle Herausforderungen sucht, der dürfte hier richtig sein.

 

"Wir wissen, dass er nicht aus eigenem Antrieb verschwunden ist. Er ist nicht vor etwas weggelaufen. Er ist weder abgetaucht, noch hat er sich umgebracht oder ist im Rollstuhl an irgendeinem obskuren Ort in Südamerika gelandet. Er wurde entführt. Er wurde in diesen Raum geschafft. Das sind konkrete Anhaltspunkte, die allerdings umso mehr Fragen aufwerfen."

 

Da es sich um den zweiten Teil der Downes-Graves-Reihe handelt, geht selbstredend das Privatleben der Protagonisten weiter. Graves trifft sich nach einer Pause erneut mit seiner großen Liebe Amanda, die ihn allerdings ganz für sich einnehmen möchte. Dazu passt das Leben eines Polizisten ebenso wenig wie die ländliche Provinz der Cotswolds. Auch Downes hat eine schwere Zeit, denn sein langjähriger Partner Powell ist verstorben. Zu seiner Überraschung hinterlässt er ihm ein großes Geschenk, denn Powell hat Carlos, Downes Bruder, offenbar intensiv bearbeitet, damit dieser in Argentinien nach Pilar, Downes früherer Freundin, sucht. Während der Militärdiktatur wurden sowohl Pilar als auch Downes entführt. Pilars Verbleib ist bis heute ungeklärt.

Die Cotswolds spielen die landschaftliche Hauptrolle und werden angemessen präsentiert, wenngleich sie weitgehend unter Wasser stehen. Ein grandioses Unwetter hat weite Teile des Landes geflutet, was die Arbeit der Polizisten nicht gerade erleichtert. Dennoch gelingt es am Ende, ungezählt - aber geschätzt - gut zwei Dutzend Todesfälle aufzuklären. Gleichwohl bleiben noch Fragen offen, so dass die Vorfreude auf den dritten Band gegeben ist.

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