Die Wahrheit

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • München: Der Hörverlag, 2016, Seiten: 1, Übersetzt: Nina Kunzendorf, Andreas Pietschmann, Devid Striesow, Bemerkung: gekürzte Ausgabe

Couch-Wertung:

75°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91°-100°
4 x 81°-90°
2 x 71°-80°
0 x 61°-70°
1 x 51°-60°
0 x 41°-50°
1 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:76.777777777778
V:8
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":1,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":1,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":1,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":1,"81":1,"82":0,"83":0,"84":0,"85":1,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":2,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":1}
Jörg Kijanski
Ungewöhnlicher Plot mit Licht und Schatten

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2017

2008: Sarah Petersen ist mit Philipp, einem reichen Geschäftsmann, verheiratet. Der gemeinsame Sohn Leo, ein Jahr alt, komplettiert das vermeintliche Familienglück, in dem es bereits etliche Risse gibt. Eine einzige Nacht droht das ohnehin angekratzte Eheglück vollends zu zerstören. Eine kurze Pause erscheint daher willkommen und lässt in Form einer Geschäftsreise, die Philipp nach Kolumbien führt, nicht lange auf sich warten. Doch dann geschieht das Unvorstellbare, denn Philipp verschwindet dort auf seinem Weg vom Hotel zu einem Geschäftstermin.

 

"Ich habe lange Zeit geglaubt, dass ich mir nichts sehnlicher wünsche, als Philipp zurückzubekommen. Und nun muss ich an etwas denken, das meine Großmutter immer zu mir gesagt hat: Sei vorsichtig mit deinen Wünschen. Sie könnten wahr werden."

 

2015: Sarah wollte ihren Mann nie für Tod erklären lassen, die Hoffnung auf seine Rückkehr hat sie allerdings inzwischen aufgegeben. Mehr noch, sie scheint nun bereit, sich auf einen neuen Lebensabschnitt mit einem neuen Partner einzulassen. Doch dann steht ihr Leben plötzlich Kopf. Ein Anruf des Auswärtigen Amtes erwischt sie eiskalt. Philipp sei am Leben und wäre bereits auf der Rückkehr nach Deutschland. Die Anspannung am Flughafen ist ebenso groß wie das Interesse der Medien. Dann jedoch folgt ein Schock, denn den Mann, der sich für Philipp ausgibt, hat Sarah noch nie gesehen. Aber niemand will Sarah Glauben schenken und der Fremde droht, dass sie alles verlieren würde, wenn sie ihn auffliegen lässt. Da Schulferien sind, kann Leo für ein paar Tage bei einem Freund übernachten, aber wie kann Sarah den fremden Mann wieder loswerden? Und was will er überhaupt?

Beklemmendes Katz-und-Maus-Spiel mit einigen überraschenden Wendungen

Nach dem großen Erfolg von Die Falle legt Melanie Raabe einen weiteren außergewöhnlichen Plot vor. Sieben Jahre wartet eine Frau auf die Rückkehr ihres Mannes von dem bislang jede Spur fehlte. Dann kommt dieser zurück, doch es ein Fremder. Geht es um Geld? Geht es um Sarah und was passierte mit Philipp? Es entwickelt sich ein spannendes und beklemmendes Katz-und-Maus-Spiel, denn Sarah scheint mit der Situation zunehmend überfordert. Sie reagiert mitunter panisch und irritiert damit ihr Umfeld, wodurch der fremde Mann in seiner Rolle umso glaubwürdiger erscheint. Die Geschichte wird von Sarah erzählt, wobei kleine Ausnahmen für Abwechslung sorgen. Die Wechsel zwischen Ich-Erzählerin und dritter Person sind zwar gewöhnungsbedürftig, sorgen aber für zusätzliche Spannung; ebenso wie mehrere glänzend gesetzte Cliffhanger.

In die aktuelle bedrohliche Situation platzen immer wieder Rückblenden aus Sarahs früherem Leben herein. Sie erinnert sich an ihr Kennenlernen und die ersten Jahre mit Philipp, die letztlich eine gewisse Rolle spielen werden, jedoch mitunter auch einige Längen beinhalten. Die Auflösung wird vermutlich nicht jeden Leser überraschen, öffnet aber ein wahres Pulverfass menschlicher Abgründe und schlägt einige Volten. So vermag das Ende des Romans nicht wirklich zu überzeugen, sondern wirkt eher aufgesetzt. Ein - wie auch immer - geartetes Happyend, war hier nun wirklich nicht zu erwarten, sondern dass eher unrealistischste Szenario.

Wer sich für Psychoduelle interessiert, darf zugreifen und wird auf seine Kosten kommen. Der Schreibstil ist ebenso einfach wie angenehm. Überwiegend kurze Sätze sowie zahlreiche Dialoge treiben Handlung und Leser voran. Einige Rückblicke und Traumbilder hätten hingegen deutlich kürzer ausfallen dürfen.

Die Wahrheit

Die Wahrheit

Deine Meinung zu »Die Wahrheit«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
19.04.2018 11:53:15
Schnecki

Durch den Umschlagtext neugierig geworden, habe ich mir diesen extrem langatmigen, total unrealistischen und in keiner Weise nachvollziehbaren Roman tatsächlich bis zum Schluß angetan und es dann bereut. Fazit: mein erstes und letztes Buch von dieser "Schriftstellerin", zum Glück nicht gekauft, sondern ausgeliehen, wäre schade ums Geld gewesen.

13.10.2017 14:40:04
Ronald Piestert

Liebe Melanie,
du schreibst wie eine Göttin. Du weißt, was ein guter Satz ist. Spätestens auf Seite 5 bekam ich wegen dieser mitreißenden Ausdrucksstärke und Schönheit eine Gänsehaut. Ich folgte Sarah, fühlte mit ihr und litt mit ihr. Sie war gut, der Fremde schlecht. Und dann schreibst du Sarah schlecht! Ich verlor das Interesse an Sarah, die nicht mehr die war, die du mir ans Herz gelegt hattest. Ihre Gedanken, Gefühle, Handlungen berührten mich nicht mehr, dein Buch berührte mich nicht mehr. Ich glaube, du hättest dem Leser seine Identifikationsfigur lassen müssen, hättest sie als solche nicht zerstören dürfen. Warum ist der Komissar nie der Mörder? Ich fühlte mich beschädigt. Sollte ich daraus lernen, traue keinem Text, keiner Geschichte, keinem Roman, keinem Menschen im wirklichen Leben?Der Schluss war schwammig, trotz vieler Erklärungen blieb vieles offen: Sarah schaffte es, einen "Totschlag" zu verdrängen? Ich staune. Phillip bekommt heraus, dass der Überfahrene bereits tot war und sagt es Sarah nicht - weil sie den Raum verlässt? Sehr unwahrscheinlich.
Trotzdem, die weichen, krampflösenden Geschehnisse am Schluss habe ich dringend gebraucht.Melanie, ich empfehle das Buch nicht weiter, aber deine herausragende Stellung als SATZ-KÜNSTLERIN kann dir keiner nehmen. Und die bedeutet in meinen Augen mehr als ne gute Story. Story-Schreiben kann man lernen, aber was ein guter Satz ist, merkt man oder merkt es nicht. Bitte schreibe weiter in diesem Stil. Danke!

04.08.2017 23:00:30
Marie-Luise Goerke

Obwohl mir die "Falle" von Melanie Raabe nicht gefallen hat, habe ich die "Wahrheit" gelesen.
über den Inhalt möchte ich nicht viel schreiben,
damit sollten sich interessierte Leser selbst ausei andersetzen
Das Buch hat mir gut gefallen, es ist spannend und zum Teil etwas unheimlich.
Einige Passagen waren mir zu langatmig, da ich unbedingt wissen wollte, wie die Handlung sich weiter entwickelt.
Die gesamte Geschichte hat mich sehr berührt.
Das Ende der Geschichte hatte für mich etwas Tröstliches, zumal Sahra und der Fremde eine Achterbahn der Gefühle gefahren sind.
Diemal für Melanie Raabe ein großes Lob!

11.06.2017 20:59:07
Teresa

Das Thema, die Anfangsidee, ist interessant, die Handlung zu Beginn spannend. Und das war es dann. Es ist kein Thriller, wie es unter dem Titel steht, sondern eher eine Art Psychodrama. Sarah, die Ich-Erzählerin hat viele Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und irgendwann fragt man sich, braucht man das alles für die Geschichte ? Nein. Vieles ist nebensächlich, mehr oder weniger interessant, die Geschichte braucht es nicht. Vielleicht habe ich die Bedeutung z.B. der zwei Katzen, des Fuchses, der Mauersegler, des Rehs, der Hummeln usw.nicht erkannt. Es ist völlig okay, wenn die Ich-Erzählerin einiges wahrnimmt oder beschreibt, aber diese Menge ? Mein Eindruck : die Autorin will zu viel.Dann gibt es auch diese Wiederholungen, bei der die Ich-Erzählerin ihre Empfindungen zweimal mit unterschiedlichen Worten widergibt. Als Stilmittel ab und zu gerne, aber auch hier zu oft. Das nervt . Hat es einen Sinn, wenn der Fremde, der auch zwischendurch (kurze Passagen) Ich-Erzähler ist, etwas in spanisch, später in englisch aussagt? Dem Leser ( oder sich selber im Monolog) das eine erzählt, im Dialog mit Sarah aber das Gegenteil ?Die beiden Ich-Erzähler haben den gleichen Sprachstil, nur die Passagen in der 3. Person sind wohltuend anders. Andere Figuren bleiben blass, auch als Nebenfiguren wirken sie zu künstlich, wenn sie nur hervorgeholt werden, um Stichwortgeber zu sein. Auch sie müssen lebendig sein und vor allem glaubwürdig. Der nette Mirko als Beispiel.Die Autorin achtet darauf, keine losen Enden zu hinterlassen, aber man merkt das Bemühen.Die Auflösung und das Ende ist meiner Meinung nach enttäuschend. Der Roman insgesamt hat Längen.

14.03.2017 19:16:44
walli007

Die 37jährige Sarah hat sich mit ihrem Sohn in ihrem Leben eingerichtet, dass so ganz anders geworden ist. Ihr Mann Phillip verschwand vor sieben Jahren während einer Geschäftsreise nach Südamerika. Und nun bekommt sie plötzlich die Nachricht, ihr Mann sei wieder aufgetaucht und werde mit dem nächsten Flug wieder in Hamburg ankommen. Sarah ist sehr unsicher, wie sie die Nachricht aufnehmen soll. Eigentlich ist es eine Freude, doch als sie ihrem Mann am Flughafen abholen soll, sieht sie einen Fremden. Einen Fremden, der ihr auch noch droht, ihn ja nicht auffliegen zu lassen. Sarahs Leben gerät zu einem Albtraum.

Man stelle vor, das Leben läuft wieder ganz gut. Der schwere Verlust ist langsam überwunden, man möchte nach vorne schauen. Und dann die Nachricht, mit der nach der langen Zeit nicht mehr zu rechnen war und das Entsetzen als ein Fremder vor einem steht. Einer, der einfach behauptet, der eigene Mann zu sein. Dieser Unglaube, der langsam im Gehirn verarbeitet werden muss. Als ob die Realität leicht verschoben ist. Irgendwie ist alles wie es sein soll, aber irgendwie fühlt es sich zehn Zentimeter daneben an. Sarah hat Angst vor dem Fremden, was will er in ihrem Leben.

Sehr spannend aus Sicht Sarahs und des Fremden geschildert, zeigt sich nach und nach ein Bild von einem Ehepaar, das mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Fast schien es als sei das Losungswort vergessen. Wie geht man mit der Situation um, plötzlich einen Fremden im Haus zu haben. Jemanden, den man nicht einfach wieder los wird, es ist ja angeblich der eigene Mann. Mit leichter Hand geht die Autorin ein furchteinflößendes Dilemma an. Sie versteht es, die Phantasie anzuregen, über Sarahs Geschichte, die des Fremden und die einer Ehe. Man verschlingt die Seiten in Erwartung eines fulminanten Finales. Doch gerade als man eine spektakuläre Auflösung in Reichweite glaubt, präsentiert sich ein eher normales Ende, welches zwar etwas enttäuschend wirkt, schließlich aber genau dadurch doch wieder überrascht.