Sea Detective - Ein Grab in den Wellen

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Dingwall: Sandstone Press, 2011, Titel: 'Sea Detective', Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2017, Seiten: 400, Übersetzt: Stefan Lux

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Jörg Kijanski
Ein geheimnisvoller Kriegstod und die Jagd nach Kinderschändern

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2017

Caladh "Cal" McGill verfolgt anhand von Meeresströmungen, Winden und Gezeiten die Routen von allen möglichen Gegenständen, beispielsweise wenn Schiffe illegal ihre Ladung ins Meer entsorgen. So will er Umweltsündern das Handwerk legen und da ihm dies nicht reicht, vergräbt er neuerdings ganz besondere Präsente in den Gärten hochrangiger Politiker. Beim schottischen Umweltminister übersieht er jedoch eine Kamera, die Polizei kann ihn ohne große Mühe festnehmen. So lernt ihn die Polizistin Helen Jamieson kennen, die sich bald an Cal wenden wird, als auf den Shetlands zwei abgetrennte Füße an Land gespült werden. Dies ist in etwa die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken, die jedoch mit dem eigentlichen Inhalt des Romans nur wenig gemein hat. Warum? Fragen Sie den Verlag.

Die Festnahme Cals dient letztlich nur dem Zweck, dass Jamieson auf ihn aufmerksam wird. Denn bei ihrem später eintretenden Fall (ab Seite 160) kann sie natürlich nicht offiziell einen Politikaktivisten hinzuziehen, den die Polizei erst kürzlich festgenommen hat. Da ihr Vorgesetzter, Detective Inspector David Ryan, zudem die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen möchte, nimmt Jamieson privat zu Cal Kontakt auf.

Dieser - Achtung, jetzt kommen wir zum eigentlichen Plot - interessiert sich währenddessen mehr denn je für den ungeklärten Tod seines Großvaters William Sinclair, der auf einer inzwischen verlassenen Insel lebte. Diese gehörte zwei Familienclans, die versuchten, das karge Eiland gänzlich zu kontrollieren. Als William eine Frau vom Festland heiratete statt wie erwartet die Nachbarstochter, wurde er zum Außenseiter. Auf einem Kriegseinsatz ging er über Bord eines Schiffes, doch so wie es seit Jahrzehnten erzählt wird, kann es nicht gewesen sein.

Vor drei Jahren wurden die damals dreizehnjährige Preeti und die ein Jahr ältere Basanti aus ihren indischen Dörfern verschleppt. Sie waren die schönsten Mädchen ihres Stammes, somit war klar, dass sie in die dhanda, das Sexgeschäft, gehen mussten. Nicht nur ihre Jungfräulichkeit wurde verkauft, sie wurden zudem auf eine lange Reise ins Ausland geschickt, wo sie sich aus den Augen verloren. Nach einem Leben als Zwangsprostituierte in einem verschlossenen Raum, gelingt Basanti nun die Flucht&

Spannender Plot mit Serienpotential

Die Arbeit des Meeresbiologen ist interessant beschrieben und auch für Laien durchaus verständlich. Die Suche nach dem Großvater, wann und wo dieser verstorben sein könnte, nimmt einen Großteil der Handlung ein, ist jedoch spannend, denn es ergeben sich immer mehr Unstimmigkeiten und moralische Abgründe. Nicht nur damals, selbst heute noch sagen nicht alle Beteiligten die ganze Wahrheit. Daher enttäuscht die Auflösung ein wenig, denn "plötzlich" ist alles klar (da jemand redet und handelt).

Der zweite große Erzählstrang beschäftigt sich mit dem Schicksal der beiden indischen Mädchen, von denen Preeti schon sehr früh den Tod finden wird. Ausführlich und bedrückend schildert der Autor, wieso ein Menschenleben in Indien, vor allem, wenn es sich um ein junges Mädchen handelt, nicht viel bedeutet. Vorsichtig formuliert. So gilt es in manchen Stämmen als ehrsamer, wenn (minderjährige) Mädchen in der Prostitution (zum Wohle der Familie versteht sich) arbeiten als daheim in der Hausarbeit. Diese können die weniger ansehnlichen Töchter verrichten. Harter Stoff, der nicht wirklich dadurch entschärft wird, dass der Autor die Details der sexuellen Misshandlungen nicht darstellt. Die Phantasie des Lesers reicht aus, um das unvorstellbare Leid der Betroffenen wenigstens ansatzweise begreifen zu können.

Interessante Figuren, die man gerne näher kennen lernen möchte

Noch ein paar Anmerkungen zu den Figuren, von denen die meisten leider recht Klischeebeladen sind: Cal, der eigenbrötlerische Protagonist, entspricht dem typischen Weltverbesserer, dem Recht und Gesetz im Zweifel egal sind, schließlich geht es um ein hehres Ziel. Dabei zeigt sich ein Egoismus, der auch seinem Privatleben nicht immer förderlich war, wie seine von ihm getrennt lebende Frau Rachel zu berichten weiß. Selbstredend war aus Cals Sicht sie an fast allem Schuld. Jamieson ist eine hochintelligente Polizistin, hat mehrere Abschlüsse und so passt ihr mitunter geradezu devotes Verhalten gegenüber ihrem Chef Ryan nicht so wirklich zu ihr. Dieser ist ein Macho alter Schule, vor dessen Nachstellungen keine unterstellte Kollegin sicher ist; außer natürlich Jamieson, die gemeinhin als "fett" bezeichnet wird. Ryan ist das karrieregeile Arschloch, das seinem Erfolg alles unterordnet. Wäre er doch wenigstens kompetent.

Kurzum, die behandelten Themen (Arbeit eines Meeresbiologen, Kindesmissbrauch und Menschenhandel sowie indische "Wertvorstellungen", Aufklärung eines Jahrzehnte alten "Vorfalls") sind gut, wenngleich mainstream-mäßig umgesetzt. So liest sich "Ein Grab in den Wellen" als Pageturner sehr zügig, und man darf gespannt sein, ob und wie sich die einzelnen Figuren weiterentwickeln.

Sea Detective - Ein Grab in den Wellen

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