Mysterium

  • GoyaLiT
  • Erschienen: Januar 2017
  • Argentinien: Destino, 2016, Titel: 'La Última Salida', Originalsprache
  • Hamburg: GoyaLiT, 2017, Seiten: 5, Übersetzt: Stefan Kaminski, Bemerkung: gekürzte Ausgabe
Mysterium
Mysterium
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Jürgen Priester
92°

Krimi-Couch Rezension von Jürgen Priester Jan 2017

Der letzte Ausweg

Der bis dato unbekannte argentinische Autor Federico Axat hat mit "La Ultima Salida" einen fantastischen Thriller vorgelegt. Seit Februar des Jahres auch in deutscher Übersetzung vorliegend wurde der Roman in mehr als 30 weitere Länder verkauft. In seinem Begleitschreiben zum Leseexemplar spart der deutsche Verleger nicht mit Lob und Begeisterung - eine Einschätzung, die der Rezensent voll unterschreiben kann. Mysterium, so der deutsche Titel (dazu später noch ein Wort), gefällt durch eine tückische Story, ist exzellent geschrieben und eloquent übersetzt. Axat hat nun ein großes Handikap: er ist unbekannt. Hieße der Autor Sebastian Fitzek, hätte dieser Thriller schon mit Sicherheit die Spitzen der deutschen Büchercharts erklommen. Den Namen des deutschen Erfolgsautors ins Spiel zu bringen, geschieht nicht ohne Grund, denn Axat inszeniert ein perfides Verwirrspiel, das auch einem Sebastian Fitzek zur Ehre gereicht hätte. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

In Boston, Massachusetts, sitzt der erfolgreiche Geschäftsmann Ted McKay am Schreibtisch seines Arbeitszimmers. Er ist allein, seine Familie macht einen Kurzurlaub in Disney World. Vor ihm auf der Schreibtischunterlage liegt ein Abschiedsbrief an seine Frau. In einer Hand hält er eine Pistole, deren Mündung auf seine Schläfe zielt. Er will seinem Leben ein Ende setzen. Bevor er diese Entscheidung in die Tat umsetzen kann, wird er durch ein Klopfen an der Haustür gestört. Eine ihm unbekannte Stimme fordert vehement Einlass und lässt sich nicht so schnell abwimmeln. Ted bricht sein Vorhaben vorerst ab und lässt sich auf ein Gespräch mit dem Fremden ein. Er ist erstaunt, was dieser so alles weiß.

Ob diese Szene so oder in abgewandelter Form stattgefunden hat, ist nicht sicher. Sie ist ein Teil von Teds Erinnerungen und diese sind trügerisch. Ted ist traumatisiert, befindet sich in einem Labyrinth aus Erinnerungsfetzen, Scheinrealitäten, Träumen, vielleicht sogar Halluzinationen. Was zu Teds albtraumhaften Zustand geführt hat, erfahren wir Leser peu à peu. Es gibt wohl einen akuten Auslöser, aber die Ursache seiner Störung liegt in seiner Vergangenheit verborgen.

Die ersten 150 Seiten des Romans versetzen den Leser in eine Art Schwebezustand an Ungewissheiten und der Wunsch stellt sich ein, endlich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt zu werden. Das geschieht dann auch. In einer Retrospektive wird das Leben des Helden, das von seiner besonderen Begabung, aber auch von einigen Morden geprägt ist, im Format eines spannenden Thrillers aufgearbeitet, der auch später mit überraschenden Wendungen überzeugen kann.

Langjährige Leser wundern sich des öfteren, wie wenig Wert manche Verlage auf einen aussagekräftigen und/oder inhaltsbezogenen Titel legen. Man denke nur an die arme Fred Vargas, deren "L'homme aux cercles bleus" zu Es geht noch ein Zug von der Gard du Nord verhunzt wurde. Auch der deutsche Titel des vorliegenden Romans Mysterium lässt eine ausreichende Diskussion vermissen. Das Wort "Mysterium" ist zwar vieldeutig, aber gleichwohl nichtssagend und für diesen Roman völlig unpassend, denn das einzige Mysterium ist in der Tat ein Opossum, dessen unerwartetes Auftauchen im Schlussakt Rätsel aufgibt.

Wie eingangs erwähnt heißt der Originaltitel "La Ultima Salida" und es ist als sicher anzunehmen, dass er eine Schöpfung des Autors ist. Man wird es mit "Der letzte Ausweg" übersetzen und das hätte sich auch für einen deutschen Titel angeboten. Schon allein die oben skizzierte Eingangsszene lässt einen Titel "Der letzte Ausweg" sinnvoll erscheinen, aber im Laufe der Handlung entwickelt sich noch eine andere Interpretation des "letzten Auswegs". Diese beiden Gegenpole - Selbstmord oder Heilung - sind ursächlich für das Spannungspotenzial des Romans.

In Zeiten eines für viele Schichten immer enger werdenden Budgets, muss (sollte) man schon gut überlegen, für was man sein sein Geld ausgibt. In Federico Axats Debütroman ist das Geld gut investiert - ein spannender und intelligenter Thriller, den der Rezensent besten Gewissens empfehlen kann.

Mysterium

Federico Axat, GoyaLiT

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