Drei Meter unter Null

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2017, Seiten: 6, Übersetzt: Anna Thalbach, Bemerkung: ungekürzte Ausgabe

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Andreas Kurth
Wenn der Rachedurst schier unstillbar ist

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jan 2017

Pola - so wurde sie einst von ihrer Mutter genannt. Den Namen erfährt der Leser aber erst sehr viel später. Zunächst erzählt die scheinbar namenlose Protagonistin von ihren akribischen Vorbereitungen für die von ihr geplanten Morde - und von der Ausführung. Dazwischen gibt es immer wieder Rückblicke auf ihre offenbar komplizierte Kindheit. Die war einerseits sehr behütet - zumindest zu Hause. Probleme gab es dagegen in der Schule, Pola hielt ihre Mitschüler für dumme Schafe.

Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass sie eines Tages beschließt, eine Wölfin zu sein - und andere Wölfe zu töten, wie sie es nennt. Der Rachefeldzug nimmt seinen Lauf - und zwischendurch blickt Pola immer wieder auf ihr Leben zurück. Bis es einen ungeplanten Zwischenfall gibt, der schließlich zu einer dramatischen Wendung führt.

Heib hat für ihren Thriller eine höchst ungewöhnliche Perspektive gewählt

Marina Heib hat schon einige Thriller geschrieben, die bei den Lesern der Krimi-Couch durchweg auf wohlwollende Resonanz gestoßen sind, bei meinen Rezensenten-Kollegen allerdings nicht immer. Nach einer fünfjährigen Roman-Pause hat die versierte Drehbuch-Autorin jetzt ein Werk vorgelegt, das Kritiker und Publikum möglicherweise spalten wird. Denn Marina Heib hat für ihren Thriller eine höchst ungewöhnliche Perspektive gewählt - sie schildert das Geschehen aus der ganz persönlichen Sicht der Mörderin. Entfernt erinnert mich das Buch an Der Sohn von Jo Nesbø, zumindest im Hinblick auf die Protagonistin. Auch dort ging es um einen Serienkiller - und die Frage der Rechtfertigung seiner Morde.

Drei Meter unter Null handelt aber auch noch von einem schwer erträglichen Thema, um nicht zu spoilern, werde ich hier allerdings nicht näher darauf eingehen, denn sonst würde die Motivation der Killerin zu früh deutlich. Und das Rätseln um die Gründe für Polas Mordserie gehört zu den absoluten Spannungstreibern in diesem lesenswerten Thriller.

Schwierige moralische Frage bewegt die Gemüter der Leser

Die Morde werden ziemlich detailliert und ungeschminkt geschildert, das ist für Marina Heib nichts neues. Die Frage nach dem Warum wird da die Gemüter schon heftiger bewegen. Denn während für die Mehrheit die Frage, ob es eine Rechtfertigung für das Töten anderer Menschen gibt, ziemlich klar mit Nein zu beantworten ist, werden andere Leser durchaus Verständnis für die zutiefst persönlichen Motive von Pola aufbringen. Zumindest werden viele Leser nach der Lektüre von Drei Meter unter Null die Protagonistin immerhin sehr gut verstehen können - unabhängig von der eigenen moralischen Position.

Marina Heib verwendet viel Mühe darauf, zu schildern, dass ihre Hauptperson schon immer ein wenig anders war. Es fiel ihr schon als Kind enorm schwer, scheinbar normal zu sein. Sie wollte Pipi Langstrumpf werden oder Winnetou - was bei den anderen Schülern und ihrer Lehrerin Gelächter und Kopfschütteln auslöste. Ihre liebe- und verständnisvollen Eltern verhätscheln Pola, vor allem ihr Vater unterstützt seine Tochter vor allem bei ihrem größten Hobby, dem Lesen. Sie kommt dennoch gut durch Schule und Ausbildung, führt ein scheinbar konventionelles Leben - bis sie den Entschluss fasst, zur Wölfin zu werden. Ihr Sabbatjahr ist keineswegs zur Selbstfindung gedacht - sie will andere Wölfe töten. Aus kalter Rache.

Marina Heib erzählt ihre Geschichte auf ansprechendem sprachlichen Niveau

Das Psychogramm der Killerin nimmt breiten Raum ein, was die Lektüre allerdings ungemein spannend macht. Zwischendurch wird immer mal wieder einer umgebracht von ihr - und das auf durchaus brutale Art und Weise. Dieser Wechsel zwischen Beobachten, Erzählen und Umbringen macht ebenfalls den Reiz des Thrillers aus, neben der Frage nach dem Motiv und der Rechtfertigung des Tötens.

Drei Meter unter Null ist echtes Thriller-Highlight. Marina Heib erzählt ihre Geschichte auf ansprechendem sprachlichen Niveau, teilweise mit einer bildgewaltigen Sprache. Die rationalen Schilderungen der Protagonistin jagen dem Leser kalte Schauer den Rücken hinab - von den Einzelheiten der Morde ganz zu schweigen. Das Buch ist auf jeden Fall nichts für zarte Gemüter, dafür geht es doch zu sehr zur Sache.

Das komplizierte Mosaik wird nur langsam zusammen gesetzt, die überraschende Wendung im Schluss-Drittel gibt dem Buch nochmals einen weiteren Kick. Ein Thriller, der ungemein fesselt und gut unterhält.

Drei Meter unter Null

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