Lazare und der tote Mann am Strand

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • München: btb, 2017, Seiten: 383, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Viel versprechender Start der Kommissar-Lazare-Reihe

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2017

Am Strand von Sète im Süden Frankreichs wird die Leiche des jungen Pablo Fernandez gefunden. Bei dem Mann handelt es sich um einen Gitans, im Volksmund ein Zigeuner, dessen Todesursache die Ermittler vor ein großes Rätsel stellt. War es ein Unfall oder hat jemand nachgeholfen? Zum Ärger von Kommissar Raymond Danard wird zur Aufklärung des Falles Kommissar Narciso Lazare von der Kriminalpolizei aus Montpellier hinzugezogen, obwohl ein Unfall weiterhin nicht ausgeschlossen werden kann.

Lazare vermutet ein rassistisch motiviertes Verbrechen, denn vor einigen Tagen geriet Fernandez in eine Schlägerei mit Anhängern der Front National. Zudem soll das Gelände, auf dem seit Jahrzehnten die Wagensiedlung der Zigeuner steht, einem modernen Hotelkomplex weichen, der auch unter den Einheimischen stark umstritten ist.

Derweil muss sich Brigadier Georges Jeanjean in der Gemeinde St. Esprit mit dem Tod des über 80-jährigen Jules Papin auseinandersetzen, der eine Art lebende Legende ist, und in Kriegszeiten dem Widerstand angehörte. Der vermeintliche Unfall auf dessen Hof stellt sich jedoch als Mordfall heraus, da sein Weidezaun manipuliert war und zu einem tödlichen Stromschlag führte. Für den ebenfalls aus Montpellier angereisten Kommissar Jacques Bruant steht der Täter schnell fest. So wird der Nachbar von Papin verhaftet, sehr zum Unmut der Dorfbewohner&

Ein höchst aktueller Krimiplot

Der altbacken daher kommende Titel "Lazare und der tote Mann am Strand" täuscht über die Aktualität des Plots hinweg. Robert Hültner, mit seiner bekannten Inspektor-Kajetan-Reihe mehrfach preisgekrönt, betritt neue Ufer und siedelt seine die Reihe in Südfrankreich an. Dort versucht der Front National an Einfluss zu gewinnen, Zigeuner haben hier nach Meinung der Rechtspopulisten nichts zu suchen. Doch auch Sozialisten und Kommunisten sind aktiv, ebenso alteingesessene Bauern und Jäger, die sich zunehmend von den Neos, neu hinzugezogenen Landwirten mit modernen Ideen, bedroht sehen. Und schließlich spielen einflussreiche Lokalgrößen eine Rolle, denn es gilt ein millionenschweres Projekt durchzusetzen.

Als wäre das Durcheinander nicht genug, schließlich ist ja im Fall des toten Fernandez nicht einmal die Todesursache geklärt, spielen noch ein wegen Mordes gesuchter Deutscher sowie der französische Inlandgeheimdienst DCRI und der deutsche Verfassungsschutz mit. Ach ja, ein alter Mann namens Siset sollte auch nicht unerwähnt bleiben, wobei es sich hierbei um den in einer Einöde lebenden 88-jährigen Onkel von Lazare handelt.

"Auch bei uns gibt es Sauereien, die sich kein Schwein hat vorstellen können, ich wenigstens nicht. Oder hast du es bei uns für möglich gehalten, dass ein Kollege von der Droge selbst dealt? Oder, wie neulich, der von der Sitte, der selber ein Pferd auf der Bahn gehabt hat? Und sämtliche Razzien verpfiffen hat? Und da soll es ausgerechnet hier anders sein? Weil das Meer so schön ist? Und das Wetter besser?"

Die Handlung spielt auf mehreren Ebenen und wird zügig erzählt. Kurze 86 Kapitel auf knapp 380 Seiten sorgen für ein hohes Erzähltempo; geschickt wechseln dabei immer wieder die Perspektiven. So bleibt der Leser am Ball, schließlich will man ja wissen, wie die einzelnen Stränge fort- und letztlich zusammengeführt werden. Gerade bei Letzterem zeigt Robert Hültner seine ganze Klasse.

Neuer Ermittler mit Ecken und Kanten

Der neue Protagonist ist noch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Von Onkel Siset abgesehen bleibt das Privatleben von Lazare nahezu unbekannt. Zudem bleibt das Agieren des kauzigen und launigen Ermittlers zunächst nebulös. Nicht nur für die Gendarmerie in Sète, sondern auch für Leser, der erst allmählich merkt, dass in dem beschaulichen Orten (ebenso in St. Esprit) einiges gewaltig stinkt. Nicht nur bei den Gitans oder den trink- und rauflustigen Anhängern der Rechten, nein, auch bei der Polizei ist offenbar etwas oberfaul. So ist "Lazare und der tote Mann am Strand" weit mehr als ein herkömmlicher Krimi nach klassischer Bauart, sondern vielmehr ein aktueller Blick auf die Lage und Probleme unserer Gesellschaft. Wohl dem, der Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland zu erkennen vermag.

Lazare und der tote Mann am Strand

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