Rote Zone

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • -: -, 2014, Titel: 'Rød Sone', Originalsprache
  • Berlin: Suhrkamp, 2016, Seiten: 348, Übersetzt: Ulrich Sonnenberg

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Andreas Kurth
Jagdflieger, Korpsgeist und ein mutiger Journalist

Buch-Rezension von Andreas Kurth Dez 2016

Es ist die Hochzeit des Kalten Krieges, in Nordeuropa stehen sich die Streitkräfte der NATO und des Warschauer Pakts ebenso gegenüber wie in der Mitte des Kontinents. Britische Jagdflugzeuge sind auf riskanten Missionen an der Grenze zwischen Norwegen und der Sowjetunion unterwegs, zuweilen verletzen sie auch Flugverbotszonen - es kommt zu ungeklärten Abstürzen. Gut 30 Jahre später ist der ehemalige Jagdflieger Peter Barrow zu Gast bei einer Konferenz in Norwegen - und wird tot in seinem Hotel-Zimmer aufgefunden. Es scheint fraglich, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist.

Alexander Winther, Journalist bei der Zeitung Nordlys, stellt Recherchen zu dem Fall an und findet heraus, dass auch einige andere Piloten aus Barrows früherer Einheit unter merkwürdigen Begleitumständen zu Tode gekommen sind. Winther hat selbst in Afghanistan gedient, und will Zusammenhänge zwischen den Todesfällen finden. Dann wird jedoch ein Kollege angegriffen, der offenbar zu viel wusste - und Winther wird schlagartig klar, dass er selbst ins Fadenkreuz geraten könnte.

Mehr Hintergrund und Spannung hätte dem Buch gut getan

Asbjørn Jaklin ist Historiker und Journalist bei Nordlys - wie sein Protagonist Alexander Winther. Die Hauptfigur der Romanreihe dürfte also einige autobiografische Züge haben. "Rote Zone" ist Jaklins zweiter Roman um den findigen Journalisten, der ein Afghanistan-Veteran ist, und sich daher gerne mit militärischen Geheimnissen beschäftigt. In seiner Geschichte um britische Jagdflieger, die gerne Tabu-Brüche begehen, lässt Jaklin seine Protagonisten auch im fernen Falkland-Krieg kämpfen, bevor sie mit ihrem Flugzeugträger vor der Küste Norwegens auftauchen. Die Handlung passt sicher gut in die Zeit des Kalten Krieges, aber hier hätte der Autor gerne noch etwas an Hintergrund und Spannung drauflegen können - da hat er einiges an Potenzial seines an sich guten Plots verschenkt.

Militärische Zwischenfälle in einer politisch brisanten Zeit

Es geht hier um die Vertuschung von militärischen Zwischenfällen in einer politisch komplizierten und brisanten Zeit. Es geht um den Korpsgeist in der Luftwaffe, um das psychische Verarbeiten von Kriegserlebnissen - und um Journalisten, die sich für die Wahrheit auch mal in Lebensgefahr begeben. Asbjørn Jaklin neigt ein wenig dazu, seinen eigenen Berufsstand ein wenig zu verklären, aber das ist durchaus verzeihlich. Sein Protagonist Winther ist nach seinem Afghanistan-Einsatz selbst in psychiatrischer Behandlung - und entwickelt auch deshalb besonderen Ehrgeiz bei der Aufklärung der mysteriösen Todesfälle.

Ob es reale Hintergründe für die behaupteten Zwischenfälle über dem nordeuropäischen Luftraum gibt, ist im Grunde unwichtig. Der Autor hat zweifellos gut recherchiert, und Begegnungen zwischen NATO-Kampfflugzeugen und Maschinen der Warschauer Vertragsstaaten hat es entlang des eisernen Vorhangs wohl mehr als genug gegeben.

Autor gibt im Finale des Romans noch mal richtig Gas

Attacken auf den Protagonisten und einiges an Action würzen zwar das Schluss-Drittel des Romans, aber insgesamt fehlt es mir ein wenig an Turbulenzen und überraschenden Wendungen. Die Ermittlungen des gewiss findigen und mutigen Journalisten sind interessant zu lesen, aber so richtige Spannung kommt nur selten auf. Ich befürchte, Asbjørn Jaklin hat seinem Protagonisten zu viele Züge seines eigenen Charakters angedient - und dabei auch noch ein wenig dick aufgetragen.

Auf alle Fälle hätte er aus der Geschichte etwas mehr machen können, so bleibt das Buch in guten Ansätzen stecken. Immerhin gibt der Autor im Finale des Romans noch mal richtig Gas, aber die Auflösung des Rätsels ist dann kaum noch überraschend. Insgesamt ein durchaus interessantes Buch, das aber in Sachen Spannung doch arg zu wünschen übrig lässt.

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